Besuchte Vorstellung: 15. März 2017 (Premiere) im Deutschen Theater, München

Die „Addams Family“ wurde seit ihrem Ursprung in den 1930er Jahren durch zahlreiche Cartoons und Verfilmungen bekannt – 2010 feierte das Musical am New Yorker Broadway Premiere. 2014 folgte die Deutschlandpremiere in Merzig und derzeit tourt das Stück durch Deutschland und Österreich.

Diese Woche war die Premiere im Deutschen Theater München – wir waren dabei und berichten euch:

Die Addams Family ist eine exzentrische Familie voll grusliger Gestalten, die mitten im New Yorker Central Park wohnt. Die Probleme beginnen als sich Tochter Wednesday in Lucas Beinecke verliebt und ihrem Vater Gomez dieses Geheimnis anvertraut, der normalerweise nichts vor seiner Frau Morticia verschweigen kann. Als die Addams auf die grundverschiedene Familie der Beineckes trifft droht die Situation zu eskalieren… Die Handlung wird durch zahlreiche Gags und skurrile Situationen zum Grundgerüst eines unterhaltsamen Theaterabends, der aber auch zeitweise Längen hat. Insgesamt ist die Produktion sehr detailliert und unterhaltsam inszeniert worden (Regie: Andreas Gergen), dennoch ist der spezielle Humor Geschmackssache.

Die Tony Award-nominierte Musik stammt von Andrew Lippa. Den Abend über ist ein breites Spektrum eingängiger Musik – von feurigen Tangorhythmen über broadway-artige Ensemblenummern bis hin zu gefühlvollen Balladen – zu hören, das nach dem Schlussapplaus in mindestens einem Ohrwurm resultiert. Die 13-köpfige Band, unter der Leitung von Scott Lawton, spielt den Score mit viel Energie.

Uwe Kröger ist als Familienoberhaupt ‘Gomez Addams’ ein leidenschaftlicher Ehemann, der seine Familie an erste Stelle setzt. Mit seiner speziellen Persönlichkeit und dem überspitzten spanischem Einschlag sowie seinem Timing sorgt er für einige Lacher.

Als ‘Morticia’ ist Edda Petri die Ehefrau, die im Haus den Ton angibt. Ihre bestimmte Art fordert der Familie einiges ab und sorgt für Situationen, die machen bekannt vorkommen könnten.

Marianne Curn spielt die 18-jährige Tochter ‘Wednesday’, die die Liebe und Selbstbestimmung für sich entdeckt. Vom charmanten bis schlecht gelaunten Teenager bringt sie das Spektrum authentisch auf die Bühne und kann mit einer kräftigen Belt-Stimme überzeugen.

Oliver Mülich stellt als ‘Onkel Fester’ das sympatischste Familien-Mitglied dar, welches sich für die junge Liebe stark macht. Auch seine Liebesgeschichte mit dem Mond kann er anrührend vermitteln.

Die restlichen Familienmitglieder sind weitere skurrile – aber charmante – Gestalten, die allesamt positiv in Erinnerung bleiben. Auch das Ensemble, als Ahnen, spielen mit vielen Details und unterstützen in den großen Nummern tänzerisch.

Die Familie Beinecke stellt den Gegenpol zu den Addams dar. Als verspießte Familie entdecken sie ihre verrückten Seiten neu für sich und schaffen es immer wieder sich selbst und das Publikum zu überraschen.

Auf der Bühne bilden drei große Bühnenteile das Grundgerüst der heruntergekommenen Villa, die jedoch leider nicht besonders detailliert gestaltet ist. Störend waren außerdem vereinzelte Probleme mit der Ton- sowie Lichttechnik. Die Kostüme wirken passenderweise verstaubt und haben einen düsteren Charme an sich, der besonders gut bei den untoten Ahnen herauskommt. Auch das Make-Up sticht hier am stärksten positiv heraus.

Fans der Addams kommen bei diesem Musical voll auf ihre Kosten – alle anderen sollten jedoch im Vorfeld feststellen, ob sie sich mit diesem speziellen, teils morbiden Humor anfreunden können. Insgesamt erwartet Besucher eine unterhaltsame Produktion, die gut besetzt ist und schön inszeniert wurde, aber kleinere technische Mängel aufweist.

Weitere Informationen und Tickets für die „Addams Family“ erhaltet ihr hier.

Vielen Dank an das Deutsche Theater für die Einladung zur Premiere und die freundliche Bereitstellung der Karten!

(Bildquelle (c) Susanne Brill)

Christoph ist 21 Jahre alt und hat musicalzone.de 2015 ins Leben gerufen, um seine Begeisterung für Musicals mit Gleichgesinnten zu teilen. Seitdem ist er oft im Theater anzutreffen, wenn er nicht gerade studiert oder arbeitet.

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