Besuchte Vorstellung: 21. Juni 2016 im Stage Theater des Westens, Berlin

Nach einer Pause von 3 Jahren tanzen die Vampire wieder durch Deutschland. Im historischen Theater des Westens wird das Publikum in das (noch historischere) Transsylvanien versetzt.
Wir sind der Einladung zum Ball gefolgt und berichten euch:

In Transsylvanien gehen Professor Abronsius und sein ängstlicher Assistent Alfred auf Jagd nach Vampiren. Weil der Professor sich verirrt, kommen die beiden in das Wirtshaus des Wirts Chagal, seiner Frau Rebecca und deren Magd Magda. Dort lernt Alfred die schöne Wirtstocher Sarah kennen, in die er sich sofort verliebt. Ab diesem Punkt ändert sich für ihn alles: Er muss seine Angst überwinden, um Sarah zu retten. Diese begibt sich nämlich in Gefahr, indem sie dem Vampir Graf Krolock, in den sie sich verliebt, auf sein Schloss folgt. Neben dem Grafen Krolock leben auf dem Schloss noch dessen Sohn Herbert und der Diener des Hauses, Koukol.

Das Hauptthema des Stückes ist Liebe:

Erstrangig die von Alfred zu Sarah und die von Sarah zu Krolock, aber auch die der Eltern Chagal und Rebecca zu ihrer Tochter Sarah und die Rebeccas zu ihrem Mann, der jedoch zusätzlich noch „nach fremden Röcken fasst“ in seiner Affäre mit Magda. Auch der schwule Grafensohn Herbert glaubt in Alfred seine große Liebe gefunden zu haben.

Eingeleitet wurde das Stück von einem technisch sehr verstärkten Orchester, das, begleitet von Projektionen, den Zuschauer nach Transsylvanien entführt.

Mit He, ho, he! schaffte es Tom van der Ven als Alfred, durch seine wunderschöne Stimme schon mit den ersten Tönen zu überzeugen. Er spielte ihn sehr authentisch und harmonierte gut mit Veronica Appeddu, „seiner“ Sarah. Sie spielte die Rolle kokett und hat grundsätzlich eine schöne Stimme, jedoch noch hörbar Probleme mit der deutschen Aussprache.

Sarahs Mutter Rebecca, gespielt von Yvonne Köstler, zeigte deutlich, dass sie die Hosen anhat, konnte aber auch eine wunderbare sanfte Seite bei der Trauer um ihren Mann und der Angst um ihre Tochter zeigen. In Gebet sorgte sie für Gänsehaut.

Ihr Mann Chagal (Nicolas Tenerani) war, als später jüdischer und vegetarischer Vampir, mit für die meisten Lacher der Show verantwortlich. Auch besang er in Eine schöne Tochter ist ein Segen die Liebe zu seiner Tochter sehr glaubhaft.

Das einzig unangenehme dieser Szene war das Einsperren Sarahs in ihr Zimmer. Das Zuhämmern der Tür war so laut , dass es nicht nur Sarah durch Mark und Bein ging, sondern auch dem Publikum.

Merel Zeemann spielte Magda zunächst zart, in Tot zu sein ist komisch holte sie alles aus dem Song heraus und „rockte“ schließlich auch durch den 2. Akt. In Geil zu sein ist komisch harmonierte sie perfekt mit Nicolas Tenerani.

Paolo Bianca sorgte auch gerade in dieser Szene als Diener Koukol für viel Komik. Er hat zwar das ganze Stück über keinen klar zu artikulierenden Text, was er sagt, ist eher eine Mischung aus Gegrunze und Lautmalerei, schaffte es aber, durch Gestik und Mimik viel Komik zu erzeugen.

Pascal Höwing spielte den Vampire suchenden Professor Abronsius treffend und fand eine gute Balance zwischen Klapprigkeit und jugendlicher Vitalität, sobald es um Logik ging.

Torsten Ankert beeindruckte als Graf von Krolock. Er erzeugte eine unglaubliche Aura, ihm zuzuhören ist ein Genuss.

Zuletzt überzeugte noch Milan van Waardenburg als Herbert, den er, der Natur der Rolle angemessen, sehr sexy und prinzessinenhaft spielte.

Die Musik, gespielt vom Orchester des Stage Theater des Westens unter der Leitung von Shaw Cohen, stammt von dem Komponisten Jim Steinman. Er schrieb den so vielseitigen Score für das Stück und deckt die ganze musikalische Bandbreite von Rock bis Ballade ab. Ein besonderes Highlight ist, dass er in das Stück seinen Erfolgssong Total eclipse of the heart integrierte, welches 1983 bereits von Bonnie Tyler interpretiert wurde.

Das ganze Stück ist vollgepackt mit Details, angefangen beim Spiel des Ensembles bis hin zu den Kostümen.

Für eine Tourproduktion ist das Bühnenbild verhältnismäßig aufwändig: Im ersten Akt füllt ein großes drehbares Wirtshaus die Bühne, das im zweiten Akt für das Schloss des Grafen weicht. Dieses beeindruckt mit einer 7 Meter hohen Grabwand und einer 6 Meter hohen Wendeltreppe.

Ebenfalls ein absolutes Highlight sind die vielseitigen Choreographien von Dennis Callahan, welcher auch schon das Musical „Elisabeth“ choreographierte.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die gesamte Cast sehr gut harmoniert und beweist, warum dieses Musical zu den beliebtesten und sehenswertesten Deutschlands gehört.


Wer „Tanz der Vampire“ live sehen möchte, der kann hier Tickets für Berlin und hier Karten für München bestellen.

Bis zum 25. September gastiert „Tanz der Vampire“ im Stage Theater des Westens in Berlin.  Ab dem 5. Oktober könnt ihr es im deutschen Theater München sehen.

(Bildquelle (c) Stage Entertainment)

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