Besuchte Vorstellung: 10. November 2015 (Medienpremiere) im Stage Palladium Theater Stuttgart

Das Musical „Rocky“ feierte 2012 seine Uraufführung in Hamburg. Nun ist das Musical, nach dem Kultfilm mit Sylvester Stallone um den Boxer und seine Liebe, in Stuttgart in einer überarbeiteten Version zu sehen. Wir durften uns die Show bereits anschauen und sagen euch, für wen sich ein Besuch lohnt:

Im Stück geht es um den erfolglosen Boxer Rocky Balboa, der seinem Idol Rocky Marciano nacheifert und erfolgreich sein möchte. Als er die Möglichkeit bekommt gegen den Weltmeister Apollo Creed zu kämpfen, bekommt er zeitgleich auch die Chance das Herz der schüchternen Adrian zu erobern.

Musikalisch hat Rocky neben bekannten Hymnen, teils in neuen Arrangements, viele neue Songs mit Ohrwurmpotential zu bieten. Die Kompositionen sind meist Pop-Rock-artig und gehen gut ins Ohr – die Band unter der Leitung von Bob Edwards spielt diese fehlerfrei und energiegeladen. Die Texte sind zwar nicht anspruchsvoll aber bringen den Inhalt passend herüber.

Nikolas Heiber steht als Titelfigur Rocky Balboa auf der Bühne und im Ring. Mit seiner plumpen aber lieben Art und seinem flachen Humor gegenüber anderen gewinnt er das Publikum für sich. Sein Innenleben kann er gut und stimmlich stark in seinen Balladen wie „Fight from the heart“ schildern und damit begeistern. Seine Boxeinsätze und Reaktionen auf solche sind stets auf den Punkt genau und auch im Kampf kommen die Emotionen bei ihm nicht zu kurz.

Lucy Scherer spielt in „Rocky“ die schüchterne Freundin Adrian. Sie ist dem Stuttgarter Publikum schon bekannt. Wie schon in „Rebecca“ als „Ich“ kann sie die Entwicklung vom Mauerblümchen zur selbstbewussten Frau glaubhaft darstellen. Im Zusammenspiel mit Rocky stimmt die Chemie zwischen den beiden. Emotional sowie stimmlich kann sie gerade an ihrem Wendepunkt „Vorbei“ überzeugen.

Gino Emnes ist als Boxweltmeister Apollo Creed zu sehen. In seinen Augen sieht man seinen Schalk. Auch den unnahbaren, überheblichen Star verkörpert er mit einer starken Ausstrahlung glaubhaft. Bei seiner neuen Shownummer „Living in America“ kann er mit sichtlichem Spaß und einer kraftvollen Stimme das Publikum mitreißen.

Alex Brugnara ist Adrians egoistischer Bruder, der mit vielen Ecken und Kanten zu kämpfen hat. Von Alkoholismus bis zur häuslichen Gewalt musste er erst von dem Widerspruch Adrians geweckt werden, um sich zu ändern. Diesen Wandel zeigt er überzeugend und auch sein Spiel als Betrunkener wirkt nicht übertrieben.

Rosalie De Jong spielt Gloria, die mit ihren Mädels für einige Gute-Laune-Momente beim Publikum sorgt.

Norbert Lamla ist als Trainer Mickey eine Art Vater für Rocky. Die harte Schale und den weichen Kern, aufgrund seiner Vergangenheit, erkennt man bei ihm problemlos.

Das Ensemble füllt die kleineren Rollen gut aus und auch stimmlich unterstützt es die Hauptdarsteller mit starken Stimmen.

Die Inszenierung ist technisch aufwendig und die Beziehungen zwischen den einzelnen Charakteren sind glaubhaft dargestellt. Die vielen Gags sind passend eingebunden und das Stück punktet durch viele kreative Ideen. Die Boxkämpfe sind dabei aufwendig gestaltet und wirken wie spannende Kämpfe im Fernsehen.

Nun speziell zu den Änderungen im Vergleich zur Hamburger Version: Was die Bühnentechnik und Ausstattung angeht, wurde das Stück vergrößert und der Saal des Palladium Theaters wird passend eingebunden. Die neue Eröffnungsszene ist stark gekürzt – zwar führt sie passend in das Leben Rockys ein, jedoch verliert die Fusion von „Er fällt noch nicht“ und „Die Nase hält noch“ an Wiedererkennungswert. Die große Shownummer von Apollo Creed „Living in America“ ersetzt sein „Patriotisch“. Dieser Song vermittelt zwar die grundsätzliche Aussage, jedoch ist er stark überzeichnet eingefügt worden, sodass er etwas aus dem Stück herausreißt – dennoch: die Nummer macht einfach Spaß! Außerdem gab es einige Änderungen bei den Texten.

Auf der Bühne bekommt man während der ganzen Show ein Spektakel geboten. Dort wird mit viel Technik und großen Bühnenteilen gearbeitet, die die bekannten Orte des Films mit Liebe zum Detail gut wiederspiegeln. Besonders hervorzuheben ist jedoch der Boxring, der das ganze Stück über eingebunden wird und als besonderes Highlight sogar noch mit dem Zuschauerraum interagieren kann. Die Kostüme fangen den Charme der 70er glaubwürdig ein.

Fans der Filme werden ihren Spaß haben. Auf Grund vieler bekannter Songs und einer guten Verwendung der Bühne kommt das Stück der Vorlage sehr nah und ist doch dank der neuen Musik und der Darsteller ein einzigartiges Erlebnis! Für Kenner des Musicals ist es auch mit den Neuerungen wieder einen Besuch wert.

Tickets für das neue Musical in Stuttgart könnt ihr hier bestellen.

Vielen Dank an Stage Entertainment für die Einladung zur Medienpremiere und die freundliche Bereitstellung der Karten!

(Bildquelle (c) Stage Entertainment)

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