Besuchte Vorstellung: 2. April 2017  (Matinee) im Theater St. Gallen

Im Februar feierte „Tanz der Vampire“ – knapp 20 Jahre nach der Uraufführung – seine Schweizer Premiere im Theater St. Gallen. Dort wird eine neue Version in der heutigen Zeit gezeigt, die im Vorfeld für einige Diskussionen unter den Fans sorgte.

Wir haben uns die neue Inszenierung angeschaut und verraten euch, ob sich ein Besuch in der Schweiz lohnt:

An der Geschichte wurde nichts geändert, jedoch wurde die räumliche Trennung von Wirtshaus und Schloss aufgehoben, sodass es nun ein Sanatorium in einem ehemaligen Schloss gibt. Abermals reist der Vampir-Forscher Professor Abronsius nach Transsilvanien, um die Existenz von Vampiren zu beweisen. Begleitet wird er dabei von seinem Assistenten Alfred, der sich im dortigen Sanatorium  in die schöne Sarah verliebt. Doch auch der blutrünstige Vampir, Graf von Krolock, hat es auf sie abgesehen…

Die Musik ist ebenfalls unverändert. So werden Jim Steinmans bekannte, vielseitige und oft rockige Kompositionen von der 15-köpfigen Band (unter der Leitung von Robert Paul) energiegeladen und fehlerfrei gespielt. Die Abmischung im Theater ist gut und alle Darsteller sind  optimal zu verstehen.

Thomas Borchert ist als ‚Graf von Krolock‘ bereits rollenerfahren. In dieser Version sieht er, wie die restlichen Vampire, durch deutlich weniger Make-Up menschlicher aus – dennoch büßt er nicht an Ausstrahlung ein. Er singt mit gewohnt kräftiger Stimme und sein detailverliebtes Spiel ist fesselnd.

Myrthes Monteiro ist als ‚Sarah‘ für Mercedesz Csampai eingesprungen, die erkrankt ist. Trotz einer eintägigen Probenzeit für die neue Inszenierung spielte sie fehlerfrei mit den passenden Emotionen und harmonierte gut mit der restlichen Cast. Stimmlich kann sie mit ihrer kräftigen Mix-Stimme überzeugen.

Tobias Bieri ist als ‚Alfred‘ der schüchterne Assistent. Er spielt einen gefühlvollen, zarten Alfred, der stimmlich zeitweise etwas blass bleibt.

Sebastian Brandmeir sieht als ‚Professor Abronsius‘ im Gegensatz zu anderen Produktionen nicht wie ein Einstein-Verschnitt sondern eher wie ein Dozent mittleren Alters aus. Durch eine besondere Körpersprache, wie beispielsweise das hektische, tippelige Gehen, wirkt er allerdings nochmals älter und authentischer. Seine Gags sind stets punktgenau gesetzt und auch mit seinem Gesang kann er an einigen Stellen Akzente setzen.

Jerzy Jeszke und Anja Wessel spielen ‚Chagal‘ und ‚Rebecca‘. Sie wirken wie ein ungleiches Paar und sorgen so für einige Gags. Dennoch kommt durch ihr Spiel auch ihre Tochterliebe sowie weitere Facetten klar zum Vorschein.

Sanne Mieloo brilliert als ‚Magda‘ mit ihrer starker Belt-Stimme. Ihr Schauspiel ist – von der unzufriedenen Angestellten bis zum gierigen Vampir – gekonnt wandlungsfähig und sorgt für einige Lacher.

Christian Funk ist als ‚Herbert‘ der schwule – und bewusst überzeichnete – Sohn des Grafen. Er singt mit kräftigem Organ und spielt mit vielen kleinen Details gekonnt diese Rolle.

Thomas Hubers Darstellung des stummen Dieners ‚Koukol‘ kommt in dieser Produktion der eines Intriganten nahe. So hat er mehr Auftritte als in der Original-Inszenierung und gewinnt neue Aspekte dazu.

Das Ensemble singt mit kräftigen Stimmen und spielt ausdrucksstark mit vielen Details. Die opulenten Ensemble-Nummern werden fehlerfrei getanzt und stimmlich kann die gesamte Cast überzeugen. Auch die verschiedenen Solisten sind – egal ob Tanz oder Gesang – gut besetzt.

Im Theater selbst wirkt einiges nochmals anders als in den Ausschnitten, die es im Vorfeld zu sehen gab – so macht auch einiges Sinn, wo man im Vorfeld noch skeptisch war. Das Bühnenbild von Hans Kudlich ist ein heruntergekommenes Sanatorium, was spätestens als Schloss (in Kombination mit dem Licht von Michael Grundner) einige imposante Bilder erzeugt und seinen vollen Charme entfaltet. Die neuen Kostüme des Ensembles als individuelle Bürger oder Gothic-Vampire von Franz Blumauer sowie die Outfits der Hauptdarsteller passen gut zum Erscheinungsbild. Die neue Inszenierung von Ulrich Wiggers ist insgesamt gut gelungen – er hat das Stück detailverliebt in die heutige Zeit übertragen und vieles gut anders gemacht. Auch die Choreographie von Jonathan Huor hat einige gute, neue Ansätze, die aber auch oft an die ursprüngliche Produktion angelehnt wirken.

In St. Gallen erwartet die Zuschauer eine deutlich andere Version von „Tanz der Vampire“, auf die man sich einlassen sollte. Dort sind viele neue Ideen zu sehen, die durch eine teils bewährte, teils neue Cast überzeugend auf die Bühne gebracht werden und so für unterhaltsame Stunden sorgen.

Tickets für „Tanz der Vampire“ im Theater St. Gallen könnt ihr hier bestellen.

Vielen Dank an das Theater St. Gallen für die freundliche Bereitstellung der Karten!

(Bildquelle (c) Andreas J. Etter)

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