Besuchte Vorstellung: 22. Juni 2019 (Premiere) im Deutschen Theater, München

Das Musical „Sherlock Holmes – Next Generation“ feierte am 21. Januar dieses Jahres die Weltpremiere im First Stage Theater Hamburg. Fünf Monate später gasiert die Produktion nun für kurze Zeit im Deutschen Theater München.

Wir haben die dortige Premiere besucht:

Im Stück geht es um einen Raubmord in einem Londoner Museum, bei dem ein unbekannter Attentäter das „Auge des Horus“, ein berühmtes Artefakt, entwendet. Sherlock Holmes widmet sich den Ermittlungen und bekommt dabei Unterstützung vom Waisen John, der den Dieb beim Überfall aufhalten wollte. Das Buch von Rudi Reschke, Christian Heckelsmüller & JO Quirin greift bekannte Motive der Sherlock-Geschichten auf und nutzt im Ansatz aktuelle Themen. Leider wirken die einzelnen Szenen aber oftmals aneinandergereiht und zunächst zusammenhangslos. Auch die Dialoge haben merkliche Schwächen und kommen stellenweise recht plump daher.

Die Musik aus der Feder von Christian Heckelsmüller ist facettenreich, enthält zahlreiche Rock-Elementen und die Titelmelodie „Ein Fall von Sherlock Holmes“ klingt besonders eingängig. Die Band unter Leitung von Philipp Polzin spielt diese gekonnt, übertönt aber durch die Abmischung oftmals die Darsteller.

Ethan Freeman verkörpert ‚Sherlock Holmes’ ausdrucksstark und verleiht ihn den markanten trockenen Humor. Bei seinem Solo „Dein Bild“ kommt außerdem seine kräftige Stimme eindrücklich zur Geltung.

Sein Partner ‚Dr. Watson‘ (Frank Logemann) gerät im Laufe des Stücks in Vergessenheit, dennoch kann er sein Kriegstrauma glaubhaft auf die Bühne bringen.

Merlin Fargel stellt den Nachwuchsdetektiv ‚John‘ mit frechem Charme dar und verleiht ihm seine angenehme, kräftige Stimme, die sein Lied „Zu dir“ zu einem Höhepunkt des ersten Akts macht.

Medizinstudentin ‚Catherine‘ spielt Alice Wittmer als taffe Frau, die Gefühle für John entwickelt und ihm mit Cleverness & ihrem komödiantischen Talent zur Seite steht.

Ihre Mutter, Mueseumdirektorin ‚Mrs. Mason‘, (Stephanie Tschöppe) besticht im zweiten Akt mit ihrer Präsenz und starkem Belt.

Weitere Darsteller füllen die zahlreichen kleineren Rollen passend aus, aber das Spiel bliebt oftmals eindimensional.

In der Inszenierung von Rudi Reschke finden charmante Ideen Platz, aber sie lässt Spannung in weiten Teilen des Abends vermissen. Auch sind einige Zusammenhänge und plötzliche Entwicklungen nicht nachvollziehbar. Das Bühnenbild ist mit einem Gerüst, welches durch einem Vorhang Projektionsfläche bietet, recht einfach gehalten. Durch die Projektionen lassen sich die Orte gut darstellen, die allerdings in aufwendigerer, animierter Form noch mehr zur Atmosphäre beitragen könnten.

Insgesamt bleibt in Sachen Buch sowie Inszenierung bei „Sherlock Holmes – Next Generation“ einiges Potential der spannenden Idee ungenutzt. Dennoch kann gerade die Besetzung der Hauptrollen und auch die musikalische Seite überzeugen.

Weitere Informationen und Tickets für „Sherlock Holmes – Next Generation“ in München erhaltet ihr hier.

Vielen Dank an das Deutsche Theater München für die freundliche Bereitstellung der Karten!

(Bildquelle (c) Stefan Wagner)

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