Aktuell versetzt „Les Misérables“ als Kooperation zwischen dem Theater St. Gallen und dem Gärtnerplatztheater München das Publikum in die 1830er Jahre des aufständischen Frankreichs zurück. Wir haben die „Les Misérables“ Produktion im schweizerischen St. Gallen besucht und berichten für euch:

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Das Musical „Les Misérables“ :

Schauplatz des Musicals ist der Pariser Juniaufstand in den 1830er Jahren. „Les Misérables“ handelt vom Lebens- und Schaffensweg des ehemaligen Sträflings Jean Valjean, welcher selbst nach seiner Entlassung von Inspektor Javert auf Schritt und Tritt verfolgt wird. In Folge einer schicksal- und gönnerhaften Begegnung mit einem Geistlichen möchte Jean Valjean seinem eigenen Leben eine Wendung zu mehr Hilfsbereitschaft, Verantwortung und Ehrbarkeit verschaffen. Er umgeht seine Vergangenheit geschickt, ihm gelingt es sogar das angesehene Amt des Bürgermeisters zu bekleiden. Angestoßen durch diverse Schicksalsumstände verspricht der verurteilte Dieb für die junge Cosette, dessen Mutter Fantine mittellos und todkrank ist,  Verantwortung als ihre Vaterfigur zu übernehmen. Als Fantine stirbt, setzt Jean Valjean seine Bemühungen gegen gesellschaftliche Ungerechtigkeiten fort, während Inspektor Javert ihn hartnäckig verfolgt. Gleichzeitig spitzt sich die Unzufriedenheit in der Gesellschaft zu und es wird zum allgemeinen Bevölkerungsaufstand aufgerufen. Indessen werden die Schicksale der Charaktere in einem explosiven Höhepunkt miteinander verknüpft.

Die tiefe und mitreißende Musik entspringt einer Komposition von Claude-Michel Schöneberg, welche nur vereinzelt durch reine Textpassagen unterbrochen wird und so das Geschehen intensiv umrahmt.  Die passenden Gesangstexte hat Herbert Kretzmer beigetragen. Das französische Originalbuch stammt hierbei von Alain Boublil und Jean-Marc Natel. Dennoch kommt bei dieser „Les Misérables“ Produktion, einer Kooperation zwischen dem Theater St. Gallen und dem Gärtnerplatztheater München, die deutsche Übersetzung von Heinz Rudolf Kunze zum Einsatz. Koen Schoots übernimmt die Musikalische Leitung, jener dirigierte bereits die Schweizer Erstaufführung von eben jenem Musical 2007 in St. Gallen. Das Orchester spielt dynamisch und klangvoll, wenngleich die  Raumakustik im neu renovierten Theater St. Gallen definitiv unterstützend wirkt. Davon profitiert auch der einstudierte Chor, unter der Leitung von Franz Obermair.

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Die Besetzung der Vorstellung:

‚Jean Valjean‘ wird an diesem Nachmittag von Filippo Strocchi verkörpert. Von seiner Entlassung, bis zu seinem Lebensende wird eine Bandbreite an Emotionen durch Strocchi dargeboten. Sowohl mitreißende, als auch ruhigere Partien bringt er nahbar und stimmlich stark zum Ausdruck.

Sein Antagonist, Polizeiinspektor ‚Javert‘, wird mit starkem Bariton und autoritärer Bühnenpräsenz von Daniel Gutmann dargestellt. Neben seinen exzellenten stimmlichen Soli, harmoniert Gutmann auf der Bühne sehr gut mit Filippo Strocchi. Dies kommt besonders bei Szenen der Gegenüberstellung zur Geltung, welche vor Hass, Autorität und Loyalität strotzen.

Wietske van Tongeren gibt als ‚Fantine‘ eine verzweifelte, gequälte und emotionsgeladene Mutter. Anzumerken ist hierbei, neben ihrer spürbaren Bühnenfreude, besonders ihre ausdrucksstarke Zerrissenheit.

Ihre erwachsene Bühnentochter ‚Cosette‘ wird von Kristine Emde verkörpert. Emde lässt durch ihren außerordentlich klaren und hohen Sopran aufhören. Sie gibt zusammen mit dem aufstrebenden Studenten ‚Marius‘, verkörpert durch Thomas Hohler, ein dynamisches Liebespaar. Hohler überzeugt mit viel Gefühl in Stimme und Ausdruck, besonders seine Soli wirken nahbar und emotionsgeladen.

Die taffe und doch selbstzweifelnde ‚Eponine‘ ist mit Katia Bischoff auf der Bühne stimmlich stark repräsentiert. Auch Bischoff schafft es, das Publikum nahbar an den Emotionen der jungen Frau teilhaben zu lassen. Gemeinsam mit Wietske van Tongeren war Katia Bischoff bereits 2022 bei der europäischen Premiere von „Lady Bess“ auf der Bühne des Theater St. Gallen zu sehen (Kritik nachzulesen hier).

Als Anführer der aufständischen Studentengruppe gibt Merlin Fargel einen ‚Enjolras‘ mit kräftiger Stimme und viel mimischer Nachdrücklichkeit. Dadurch unterstreicht er den Drang der Studenten nach Veränderung und Zusammenhalt beträchtlich.

Ebenso spielfreudig zeigen sich Dagmar Hellberg und Jogi Kaiser als Diebespaar ‚Thénadier‘, welche bei den geeigneten Nummern für gute Laune, Mitwippen, Schmunzeln und Lachen im Publikum. Beiden ist die Spielfreude deutlich anzumerken, das gegenseitige Kokettieren auf der Bühne verleiht ihrem Elan deutlichen Nachdruck .

Auch das Ensemble besticht durch seine Spielfreudigkeit und Synchronität (Choreografie von Ricarda Regina Ludigkeit). Auch stimmlich rundet es den Abend gut ab, besonders bei den Nummern „Im Hafen/ Leichte Mädels“ und „Herr im Haus“ ist dies ersichtlich.

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Die Show in St. Gallen:

Die Inszenierung von Josef E. Köpplinger gelingt eindrucksvoll. Neben den großen Balladen und Auseinandersetzungen der Rivalen wirken auch die ruhigeren Nummern und Szenen präzise. Sie werden dem Publikum mit dem nötigen Augenmerk auf Detail und Emotion präsentiert. Der Handlungsstrang ist gut nachvollziehbar und flüssig. Dazu beitragend ist das Bühnenbild von Rainer Sinell, welches die Gegebenheiten der Drehbühne gut ausnützt. Ebenfalls werden flexible Bühnenelemente eingesetzt, sodass zum Beispiel Barrikaden, oder eine Mausmauer schnell einsetzbar sind. Licht (Andreas Enzler) und Ton (Marko Siegmeier und Nicolai Gütter) komplementieren die Bühnenereignisse subtil. Die Kostüme von Uta Meenen runden das Gesamtbild passend situations- und klassenabhängig ab.

Die Produktion von „Les Misérables“ als Kooperationsprojekt zwischen dem Theater St. Gallen und dem Gärtnerplatztheater München überzeugt in jeder Hinsicht. Große Stimmen verhelfen hier zur nachdrücklichen Übertragung tiefer Emotionen und schicksalhafter Begegnungen. Abgerundet wird dies von einem dynamischen Orchester und einem energiegeladenen Ensemble.

Weitere Informationen und Tickets für „Les Misérables“ in St. Gallen erhaltet ihr hier, selbige Informationen für die Vorstellungen am Gärtnerplatztheater München erhaltet ihr hier.

Besuchte Vorstellung: 14. Januar 2024 (Matinee) im Theater St. Gallen.

Vielen Dank an das Theater St. Gallen für die freundliche Bereitstellung der Pressekarten für „Les Misérables“.

(Bildquelle (c) Ludwig Olah)

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