Mitte September feierte die neuste Eigenproduktion der Vereinigten Bühnen Wien, „I am from Austria“, Weltpremiere, welches die bekanntesten Rainhard Fendrich-Lieder in einer Geschichte verbindet. Wir haben das neue Musical besucht und berichten für euch:

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Die Geschichte spielt im Wiener Traditions-Hotel „Edler“, in welchem Emma Carter gastieren wird. Die gebürtige Österreicherin Emma Carter hat in Hollywood Karriere gemacht und kehrt für den Wiener Opernball in ihre Heimat zurück. Dort nächtigt sie im Traditions-Hotel „Edler“, in welchem das Stück größtenteils spielt. Dieses ist familiengeführt durch das Ehepaar Engstler, welches einige Beziehungsproblem hat – der Junior-Chef Josi kommt währenddessen dem Hollywood-Star näher, was für einige Turbulenzen sorgt…

Die Musik stammt im Original von Rainhard Fendrich und beinhaltet Texte in österreichischer Mundart, die auch so in das Stück übernommen wurden. Durch die Arrangements von Michael Reed erscheinen sie in ganz neuem Gewand und werden so zu schwungvollen Show-Nummern oder Balladen. Diese werden in den Handlungsrahmen eingebunden, auch wenn manche Lieder nicht so gut in den Kontext passen wie andere. Das große Orchester, unter der Leitung von Michael Roemer, weiß diese gekonnt zu spielen.

Als ‚Emma Carter‘ steht Iréna Flury auf der Bühne, die dank ihrer Ausstrahlung sowie Ihrer kräftigen Stimme Starqualitäten beweisen kann. Dies wird nochmals mit ihrem facettenreichen Schauspiel unterstützt.

Lukas Perman spielt ‚Josi Edler‘ und verleiht ihm eine sympathische Ausstrahlung. Er spielt den Hotel-Nachkommen, der im Laufe des Stücks lernt Verantwortung zu übernehmen, mit viel Energie, die sich auch in seinem Gesang wiederspiegelt.

Elisabeth Engstler als ‚Romy Edler‘ bildet zusammen mit Andreas Steppan als ‚Wolfgang Edler‘ das Elternpaar und die Leitung des Hotels. Romy ist gänzlich auf das Hotel und die Tradition fixiert und führt es mit strikter Hand, während Wolfgang sich mehr Freizeit wünscht und Josi mehr Verantwortung übergeben möchte – so spielen sie gemeinsam ein authentisches Ehepaar, das seine Probleme hat.

Die Seele des Hotels bildet Dolores Schmidinger als Concierge ‚Elfie Schratt‘, die die Rolle mit viel Charme sowie Spielfreude verkörpert und für viele Lacher sorgt. In ihrer kurzen Gesangseinlage trifft sie jedoch nicht jeden Ton.

Auch die weiteren Rollen, wie der schmierige Manager ‚Richard Rattinger‘ (Martin Bermoser), der schusselige Auszubildende ‚Felix Moser‘ (Matthias Trattner) oder der gutaussehende Fußball-Profi ‚Pablo Garcia‘ (Fabio Diso) sind passend besetzt und verkörpern ihre Rollen glaubhaft.

Auch im Ensemble werden alle Rollen von Österreichern gespielt, die mit kräftigen Stimmen und einem echten Dialekt singen. Ihr Schauspiel ist detailreich und beinhaltet einige versteckte Gags. Bei den großen Shownummern wie „Nix is fix“ können sie außerdem ihr tänzerisches Talent (Choreographien von Kim Duddy) zeigen.

Insgesamt ist das Musical, welches Andreas Gergen inszenierte, ohne viel Tiefgang, aber kurzweilig und weiß zu unterhalten. Die Scherze funktionieren und einige Liebeserklärungen an Österreich, wie z.B. die prominenten Gäste des Wiener Opernballs, wurden passend platziert. Das Bühnenbild (Stephan Prattes) besteht hauptsächlich aus einer großen, dreistöckigen Torte, die das Hotel Edler darstellt und auf der Rückseite eine LED-Wand hat. Das Konzept funktioniert gut, sodass die verschiedensten Orte und Szenarien dargestellt werden können – im Zusammenspiel mit den Projektionen (Sönke Feick), Licht (Andrew Voller) und den Kostümen (Uta Loher & Conny Lüders) neigt das Gesamtbild zeitweise jedoch gewollt zu Kitsch.

Der Besuch bei „I am from Austria“ garantiert einen unterhaltsamen und kurzweiligen Abend, an dem besonders echte Österreicher ihren Spaß haben werden. Dafür sorgt neben gelungen Arrangements der bekannten Lieder vor allem eine starke Cast, die das Stück authentisch auf die Bühne bringt.

Weitere Informationen und Tickets für „I am from Austria“ erhaltet ihr hier.

Besuchte Vorstellung: 3. Oktober 2017 im Raimund Theater, Wien

(Bildquelle (c) Deen van Meer)

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