„Die Königinnen“ — ein Musicalthriller über Maria Stuart und Elisabeth I. aus der Feder von Henry Mason, von dem auch die preisgekrönte Linzer Produktion „Der Hase mit den Bernsteinaugen“ stammt, feierte in Linz Weltpremiere. Wir haben die Show dort besucht und berichten euch:

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Das Musical „Die Königinnen”:

Das Stück beginnt und endet mit dem letzten Tag von Maria Stuart, die nach 20-jähriger Haft in England des Jahres 1587 hingerichtet wurde. Dazwischen werden die miteinander verwobenen Biografien der beiden Mächtigen nachgezeichnet — zwei Cousinen, die sich im echten Leben zwar nie begegneten, aber heftig bekämpften. Nicht zuletzt deshalb, weil Maria Stuart zeitlebens den Anspruch auf den englischen Thron stellte.  Chronologisch wird die Lebensgeschichte der beiden erzählt. Angefangen bei Marias Geburt mit dem baldigen Tod ihres Vaters über ihre Zeit in Frankreich, komplexe Religionswirren, Intrigen und Verrat bis zur Hinrichtung Marias.

Um sich in der von Männern dominierten Welt zu behaupten, verfolgen die Königinnen unterschiedliche Strategien. Elisabeth I. tut alles, um ihre Macht nicht durch eine Heirat zu schmälern. Dabei setzt sie vor allem auf die richtigen (männlichen) Berater. Immer wieder ist sie zerrissen von dem Bedürfnis nach Frieden und Vernunft und der harten Realität. Letztendlich ist sie es, die aus Pflicht ihrem Land gegenüber Marias Todesurteil unterschreibt. Dies mit der Entschuldigung, dass man nicht gleichzeitig Königin und Mensch sein könne.

Maria Stuart hingegen wird bereits in jungen Jahren „eingekauft“ und aus strategischen Gründen nach Frankreich verheiratet. François II. ist eine gute Partie und der einzige, den sie auch wirklich liebt und mit dem sie glücklich ist. Der Mann stirbt jedoch an einem Gehirntumor und Maria muss Frankreich verlassen und sich als schottische Königin durchschlagen. Ihre weiteren Ehemänner heiratet sie nur, um ihre Stellung als Königin zu stärken und zu sichern. Mehr aus Vernunft als aus Liebe wird sie schwanger und gebärt einen Sohn. Einen Mann also, der es schon allein wegen seines Geschlechts einfacher haben soll als sie. Durch Intrigen, falsche Anschuldigungen und Skandale gerät Maria immer tiefer ins Verderben. Nicht zuletzt durch ihren Halbbruder, dem Earl of Moray, der alles daran setzt, Maria vom Thron zu stürzen. Sie wird letztendlich unter Hausarrest gestellt und von Elisabeth zum Tode verurteilt.

Die Musik stammt aus der Feder von Thomas Zaufke. Kraftvoll und mitreißend bringt er pompöse, königlich wirkende Melodien samt Pauken und Trompeten auf die Bühne, die ins Ohr gehen. Schwungvoll, enthusiastisch und mit vollstem Körpereinsatz führt Tom Bitterlich das Bruckner Orchester in großer Besetzung und lässt dadurch ein Klang-Erlebnis der Extraklasse entstehen.

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Die Besetzung der Premiere:

Für Daniela Dett erfüllt sich, wie sie auf Instagram verrät, mit der Rolle als ‚Elisabeth I’ ein Traum. „Werde dich ab sofort nur mehr mit ‚eure Hoheit’ ansprechen“, kommentiert jemand. Völlig zurecht! Die Rolle ist wie für sie gemacht. Stimmgewaltig und ausdrucksstark mimt Daniela Dett die harte Königin, die aber auch ein weiches Herz hat und zerrissen ist zwischen Solidarität zu ihrer Cousine und der Pflicht dem eigenen Land gegenüber.
Auch Alexandra-Yoana Alexandrova als ‚Maria Stuart’ überzeugt voll und ganz. Nachdenklich, aufmüpfig, herrscherisch, zerbrechlich — es ist eine ganze Bandbreite an Emotionen, die sie stimmlich gekonnt auf die Bühne bringt. Man leidet mit, wie sie ihrem Untergang entgegen schreitet und unschuldig immer tiefer ins Verderben getrieben wird.

Die starken Stimmen der beiden Frauen übertönen sich bei Duetten jedoch teilweise gegenseitig, sodass die Übertitel zum Textverständnis beitragen müssen.

In weiteren Rollen begeistern:

Gernot Romic der den ‚Earl of Moray’ spielt. Unsympathisch, machtbesessen, kalt und intrigant und dennoch brillant. Mit ausdrucksstarker Stimme (von verführerisch bis kaltherzig) und gymnastischen Verrenkungen stellt er wieder seine Vielseitigkeit unter Beweis.

Christian Fröhlich leiht ‚William Cecil’, Elisabeths Staatssekretär, seine kräftige Stimme. Stimmgewaltig zeigt er, dass eigentlich er es ist, der die Fäden in England in der Hand hält und letztendlich auch die todbringende Intrige steuert.

Das Ensemble wird vom Extrachor des Landestheaters unterstützt und rundet das Gesamtbild stimmig ab. Die Darsteller müssen teilweise mehrere Rollen abdecken. So z. B. Lukas Sandmann, der auf der Bühne zweimal stirbt (als erster Ehemann Marias und als ihr Privatsekretär ‚David Rizzio’, dem Maria nicht ganz abgeneigt ist), bevor er als Marias Sohn ‚James VI’ den Königsthron besteigen darf. Seine schillernden Rollen bringen etwas Glanz in das sonst so düstere Musical.

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Die Show in Linz:

Die Inszenierung und Choreografien der Produktion stammen von Simon Eichenberger. Opulent, energiegeladen und eindrucksvoll bringt er die Geschehnisse auf die Bühne. Die Inszenierung zieht in den Bann und geht unter die Haut. So sehr, dass das Publikum bei manchen Szenen sogar den Atem anhält. Es ist mucksmäuschenstill und kein husten, niesen, räuspern etc. zu vernehmen. Teilweise tut man sich jedoch schwer, den historischen Ereignissen zu folgen. Vor allem im ersten Akt entstehen so Längen.

Die Bühne von Stephan Prattes ist sehr dunkel gehalten und besteht nur aus einer Art variable Gesteinsformation mit mehreren Ebenen. Sie wird zum Königshaus, Gerichtssaal und Segelschiff. Das Lichtdesign von Michael Grundner und viel Nebel unterstützen das Finstere zusätzlich. Die Kostüme von Conny Lüders runden mit pompösen Kleidern und zeitgenössischer, großteils schwarzer Kleidung das Gesamtbild perfekt ab. Die bunten Roben der Königinnen bilden den Farbklecks im dunklen Bühnenbild.

Eine gelungene Inszenierung, die mitreißt und unter die Haut geht. Eingängige Musik und eine starke Besetzung sorgen für ein beeindruckendes Theatererlebnis bei „Die Königinnen“. Preisverdächtig!

Weitere Informationen und Tickets für „Die Königinnen“, das Musical in Linz erhaltet ihr hier.

Besuchte Vorstellung: Weltpremiere  am 10. Februar 2024 im Musiktheater Linz.

Vielen Dank an das Landestheater Linz für die freundliche Einladung zur Premiere von „Die Königinnen“!

(Bildquelle (c) Barbara Pàlffy)

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