Nach zwei Try-Outs in Amerika ist „Hercules“ endlich auf der Bühne angekommen und so feierte das Musical nun in Hamburg Weltpremiere – wir berichten euch in unserer Kritik von der neuen Disney-Show:

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Das Musical „Hercules”:

Im Stück wird Hercules als Sohn der Götter Zeus & Hera geboren, doch aufgrund einer Prophezeiung vom Gott der Unterwelt Hades gestohlen, nachdem er laut Prophezeiung in der Schlacht der Titanen seine Revolution verhindern wird. Mit einem Gift wird Hercules fast vermenschlicht, doch mit einem Tropfen zu wenig bleibt seine übermenschliche Stärke. Auf der Erde sucht Hercules seinen Platz und strebt nach Erkenntnis seiner Herkunft mit Unterstützung vom Trainer Phil danach auf den Olymp zurückzukommen – doch währenddessen lernt er Meg kennen, die sein Schicksal im Sinne von Hades verändern soll…

Das Buch von Robert Horn & Kwame Kwei-Armah daptiert die Handlung des Films für die Bühne und orientiert sich an den Eckpunkten des Films, wobei das Finale mit einer neuen Wendung überrascht… Bis dorthin geschieht vom Training bis zur Schlacht einiges, wobei man einen wirklichen Spannungsbogen und stringente Entwicklungen bei den Charakteren weitestgehend vermisst – stattdessen hat das Buch zahlreiche neue Witze, die leider oft nicht funktionieren und echten Emotionen aufgrund ihres Timings oft im Wege stehen – z.B. wenn Hercules bei der Erkenntnis seiner Herkunft versteht, warum er Götterspeise so gerne mag. Die Übersetzung von Ruth Deny & Kevin Schröder wirkt hier treffend, wenn auch im Vergleich zu den bekannten Texten (David Zippel) manchmal gewöhnungsbedürftig.

Die oscar-nominierte Musik von Alan Menken funktioniert mit den stilistischen Anleihen an Gospel auf der mit dem Bühne sehr gut und sorgt für einige Highlights der Show. Die neuen Songs sind v.a. unterhaltsame Shownummern, die im Theater gut unterhalten, aber nicht darüber hinaus begleiten – Hercules neue Ballade weiß jedoch zu berühren. Die Band unter der Leitung von Hannes Schauz sorgt für einen vollen Klang mit Big Band-Qualität, ist aber leider oft zu laut abgemischt.

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Die Besetzung der Weltpremiere:

Benét Monteiro macht als strebsamer Titelheld Hercules eine gute Figur und besticht mit starker Stimme v.a. in seiner Ballade „Endlich angekommen“. Schauspielerisch bleibt er bis zuletzt der liebenswerte, naive Junge.

Mae Ann Jorolan stellt Meg als willensstarke Persönlichkeit dar, die als Gehilfin von Hades nicht gerettet werden muss und besticht im Zusammenspiel mit Hercules durch ihren trockenen Humor.

Detlef Leistenschneider gibt den Gott der Unterwelt als Choleriker mit ironischer Art, die er gut transportiert. Aufgrund seiner kindischen Motivation ist die Figur aber kein ernstzunehmender Bösewicht mehr. Mario Saccoccio & André Haedicke bilden als Handlanger Karl & Heinz ein von Grund auf unterhaltsames Duo.

Kristofer Weinstein-Storey ist als Satyr Phil ein mürrischer Götter-Trainer, der mit Hercules zu seiner Bestimmung zurückfindet – und diese als Motivator in bester Dschinni-Manir unterhaltsam zum Ausdruck bringt.

Die fünf Musen (Leslie Beehann, Chasity Crisp, Venolia Manale, UZOH & Shekinah Mcfarlane) fungieren als Erzählerinnen, die das Geschehen mit kraftvollen Stimmen, gekonnten Harmonien und schnippischen Kommentaren begleiten. Sie sorgen vom ersten Auftritt an mit starker Bühnenpräsenz für fantastische Stimmung und sind nicht umsonst unter dem Titelheld gelistet, wobei die Textverständlichkeit teils schwierig ist.

Das weitere Ensemble unterstützt das Geschehen in verschiedensten Rollen und begeistert v.a. in energetischen Choreografien von Casey Nicholaw & Tanisha Scott.

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Die Show in Hamburg:

Regisseur Casey Nicholaw inszeniert unterhaltsame Shownummern und insgesamt einen kurzweiligen Abend, wobei er den Charakteren kaum zusätzliche Tiefe verleiht und so die Versäumnisse des Buchs offenbar bleiben. Optisch besticht das Musical mit farbfrohen Kostümen (Gregg Barnes & Sky Switser) und aufwendigen Puppen der griechischen Monster, die von Hand effektvoll zum Leben erweckt werden. Den Rahmen für das Geschehen bilden die großen Säulen des Olymps und die bühnenbreite LED-Wand für Animationen (George Reeve) im mosaik-stil, wobei einzelne Elemente die Bühne (Dane Laffre) in den Olymp oder den Hades verwandeln.

„Hercules“ ist als Musical eine unterhaltsame Show, die mit aufwendigen Nummern und einer stimmstarken Cast besticht, dramaturgisch aber nicht zu fesseln weiß.

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Weitere Informationen und Tickets für „Hercules“, das Disney Musical in Hamburg erhaltet ihr hier.*

Besuchte Vorstellung: 23.03.2024 (Medienpremiere) im Theater Neue Flore Hamburg

Vielen Dank an Stage Entertainment für die Einladung zu „Hercules – das heldenhafte Musical“ in Hamburg!

(Bildquelle (c) Johan Persson)

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