Besuchte Vorstellung:  21. April 2017 im Theater des Westens, Berlin

1999 feierte das Musical, „Der Glöckner von Notre Dame“,  im Berliner Theater am Potsdamer Platz Weltpremiere.

Für einige Jahre verschwand das Stück von den Bühnen bis das Papermill Playhouse 2015 eine Neuinszenierung präsentierte. In dieser Fassung kehrt das Musical nun nach Berlin zurück – dieses Mal in das Theater des Westens:

Die Handlung ist gleich, allerdings wurde das Stück mit einem neuen Buch (von Peter Parnell) überarbeitet. Im Vergleich zu anderen Disney-Musicals ist dieses eher düster gehalten und hat eine Thematik, die auch heute noch aktuell ist: „Mensch oder Scheusal – wer ist jemals wer?“.
Im Stück nimmt der Erzdiakon Claude Frollo den entstellten Quasimodo bei sich auf, um ihn zu erziehen und auch vor der Welt zu verstecken. Trotz dieser Erziehung möchte der Bucklige die Welt außerhalb des Notre Dames kennenlernen und bricht am Narrenfest aus, um Paris zu entdecken. Bei seinem Tag in der Stadt trifft er auf eine Zigeunerbande. Unter ihnen ist auch die schöne Esmeralda, die sein Leben – und das vieler anderer – auf den Kopf stellt…

Auch bei diesem Disney-Stück zeichnet sich Alan Menken für den Score verantwortlich. Das 15-köpfige Orchester, unter der Leitung von Shay Cohen, spielt mit viel Energie und erzeugt zusammen mit den Hauptdarstellern, dem 17-köpfigen Ensemble und einem Chor aus 24 Sängern und Sängerinnen und einem opulenten Klang, der das Highlight des Abends darstellt und stellenweise für Gänsehaut sorgt. Die Musik, egal ob anrührende Ballade oder schwungvolle Ensemble-Nummer, bleibt so nachhaltig im Gedächtnis. Die Texte schrieb Stephen Schwartz und Michael Kunze übersetzte. Leider ist die Abmischung nicht immer optimal, sodass die Texte stellenweise unverständlich sind.

Als missgeformter ‚Quasimodo‘ steht Jonas Hein (in Vertretung für David Jakobs) auf der Bühne. Trotz der wenigen Vorstellungen ist ihm die Rolle bereits in Fleisch und Blut übergegangen, so dass er sie mit viel Gefühl spielt und mit einer Stimme überzeugt, die ans Herz geht.

Sarah Bowden kann als ‚Esmeralda‘ ihre tänzerische Qualität beweisen und bringt in ihrem Schauspiel die verschieden Facetten der Rolle gut herüber. Sie hat eine schöne Stimme, singt aber nicht immer auf den Punkt.

Felix Martin möchte als ‚Claude Frollo‘ nur das Beste für Quasimodo. Er stellt die unsympathische, strenge Vaterfigur mit einer beeindruckenden Bühnenpräsenz dar und kann auch die inneren Konflikte des Strenggläubigen gut transportieren. Stimmlich dominiert der Antagonist ebenfalls das Geschehen mit seiner düsteren Stimmfarbe, wofür er nach seinem Solo „Das Feuer der Hölle“ im verdienten Applaus badet.

Den Hauptmann ‚Phoebus de Martin‘ spielt Maximilian Mann. Er steht im Laufe des Stückes vor der Wahl zwischen Liebe oder Karriere, nachdem er mit dem Schutz Notre Dames betraut wurde, sich aber nach seiner Heimkehr ebenfalls in Esmeralda verliebt hat. Sein Duett mit ihr, „Einmal“, wird zu einem Höhepunkt des Abends – auch wenn das Lied im neuen Arrangement durch die Streichung des Chores etwas an Strahlkraft verloren hat.

‚Clopin Trouillefou‘ ist das Oberhaupt des Wunderhofes – einem Ort für jegliche Randgruppen. Diese Rolle verkörperte Jens Janke bereits vor 18 Jahren und nun erneut. Der lebenslustige Zigeuner steht für seinesgleichen ein, arbeitet mit raffinierten Tricks, singt kräftig und bleibt so im Gedächtnis.

Das Ensemble ist spielfreudig und arbeitet mit vielen Emotionen und Details – egal ob als Pariser Bürger, Zigeuner & Co, Mitglieder des Militärs oder gar als Steinfiguren. Der Gesang ist durch viele kräftige Stimmen geprägt und trägt viel zu diesem beeindruckenden Klang-Erlebnis bei.

Das Bühnenbild ist von einem großen Holzgestell mit mehreren bespielbaren Ebenen und sieben großen Glocken geprägt – mit kleinen Elementen, die das Ensemble geschickt platziert, und stimmigen Lichteinstellungen ist das ein passender Rahmen für schöne Bilder, bei denen die Geschichte im Vordergrund bleiben soll. Auch die Kostüme, die zwischen farbenfrohen Kleidern und schlichten Roben wechseln, sind passend (sowie das Make-Up), stellen sich aber nicht in den Vordergrund. Der Fokus des Abends liegt auf der Geschichte und ihren Darstellern – die gelungene Inszenierung von Scott Schwartz erzählt mit vielen Details und guten Einfällen eine emotionale Geschichte, die aber im ersten Akt einige Längen hat.

Insgesamt erwartet einen bei Disneys „Der Glöckner von Notre Dame“ eine rührende Geschichte, die hochkarätig besetzt wurde, mit einer musikalischen Opulenz, die ihresgleichen sucht. Die Produktion ist – auch wenn man kein Fan der klassischen Disney-Musicals ist – einen Besuch wert.

Weitere Informationen und Tickets für zu Disneys  „Der Glöckner von Notre Dame“ in Berlin erhaltet ihr hier.

Vielen Dank an Stage Entertainment für die Einladung und die freundliche Bereitstellung der Karten!

(Bildquelle (c) Johan Persson)

Christoph ist 20 Jahre alt und hat musicalzone.de 2015 ins Leben gerufen, um seine Begeisterung für Musicals mit Gleichgesinnten zu teilen. Seitdem ist er oft im Theater anzutreffen, wenn er nicht gerade studiert oder arbeitet.

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