Nächsten Monat feiert mit „Im weißen Rössl“ die erste Produktion der Freilichtspiele Gemünden Premiere, die von Musicaldarsteller Sebastian Krolik während des ersten Lockdowns ins Leben gerufen wurden.

Wir haben mit ihm über die kulturelle Bereicherung der Vulkaneifel gesprochen:

Musicalzone.de: Sebastian, kannst du dich bitte unseren Lesern vorstellen?

Sebastian Krolik: Ich bin Sebastian Krolik, 34 Jahre alt und Musicaldarsteller, neuerdings Hotelier und Regisseur – aber dazu später mehr.

MZ: Du bist bald in deiner Version von „Im weißen Rössl“ als ‚Kellner Leopold‘ zu sehen. Kannst du uns etwas über die Rolle erzählen?

SK: Das „weiße Rössl“ ist ja den meisten bekannt und eigentlich kein Musical, sondern eine Operette, aber wir machen da einfach mal eine Ausnahme und inszenieren es auch etwas musicalesquer. Die Rolle des Leopold ist eigentlich ganz lustig, weil ich gerade als zweites Standbein ein Hotel übernommen habe und so selber zu einem Leopold wurde. Ich stehe nun also selbst im Hotel und Restaurant, weil man überall mit anpackt und serviere dementsprechend v.a. in der Hauptsaison auch. Also bin ich in meinem Hotel gerade auch ein kleiner ‚Leopold‘… Ansonsten ist der Leopold ein etwas kantigerer Charakter, der hoffnungslos und ganz ehrlich in die Rössl-Wirtin verliebt ist, die in unserem Fall von Franziska Schuster gespielt wird. Zwischen uns harmoniert das sowieso gut – wir haben ja beispielsweise auch schon bei „Kinky Boots“ gemeinsam gespielt und waren da zeitweise auch schon ein Bühnenpaar, sodass wir uns schon gut rantasten konnten. Im Rössl entwickelt sich die Beziehung von Leopold und Josepha zu einer wahnsinnig schönen Liebesgeschichte natürlich mit Happy End. Gerade in unserer Inszenierung – da möchte ich jetzt gar nicht zu viel verraten – wird es natürlich besonders schön und romantisch, sodass man richtig schwelgen kann.

MZ: Zuletzt standest du 2019 in „Tanz der Vampire“ auf der Bühne – kannst du nochmal ausführen was hast du seitdem gemacht?

SK: Als die Show und der Vertrag in Berlin auslief, haben mein Mann und ich entschieden, dass wir ein kleines Landhotel in meiner Heimat, der Vulkaneiffel, übernehmen. Das haben wir dann auch gemacht und wir sind dann relativ schnell umgezogen – am Sonntag war die Derniere und mittwochs war es soweit. Hier haben wir also angefangen das Hotel zu übernehmen, aufzubauen und zu unserem Baby zu machen, was im ersten Jahr natürlich sehr viel Zeit verschlungen hat – da war gar nicht dran zu denken, dass ich gleichzeitig nochmal auf der Bühne stehe… Das habe ich also in der Zwischenzeit gemacht: Wir haben unser Hotel aufgebaut und geschuldet durch den ersten Lockdown ist die Idee entstanden – ich kann es nicht lassen und bin natürlich weiterhin ein kreativer Mensch, weshalb ich auch das Leben auf der Bühne vermisse – Freilichtspiele zu gründen. Ich wollte schon immer gerne produzieren und habe das ja tatsächlich auch schon vor einigen Jahren mit Freunden in Hamburger Grünspan mit „RENT“ gemacht. Nachdem wir das Hotel schließen mussten und nicht viel machen konnten, kam ich irgendwann an den Punkt und wollte die Zeit nutzen, woraus die Idee geboren ist. Aufgrund der Zeit war das auch gut planbar, sodass ich die Zeit bis heute gut genutzt habe und mittlerweile sind die auch schon gewachsen: ursprünglich waren die Freilichtspiele ganz klein angedacht mit ein oder höchstens zwei Vorstellungen, um etwas Spaß zu und was zu machen… Mittlerweile sind fünf Vorstellungen draus geworden, die Tribüne ist größer und der Cast ist namenhafter geworden. Es wuchs und wuchs und wuchs und auch das Echo, das wir bekommen, ist super gut! Jetzt ist es sogar schon so, dass wir mit der einen Gehirnhälfte in der Planung für das nächste Jahr stecken, weil wir natürlich weitermachen wollen!

MZ: Wie hat das Dorf auf die Ankündigung der Freilichtspiele reagiert?

SK: Super gut! Also anfangs war es vielleicht eine kleine Überforderung, weil man nicht richtig wusste was ich jetzt vorhabe und was da konkret passieren soll… Anfangs hieß es nur „Wir machen das weiße Rössl und wir stellen hier eine Tribüne hin, die Straße muss also gesperrt werden“ und all so Sachen prasselten also die Leute ein. Ich habe das Dorf auch direkt von Anfang an in die Information mit einbezogen, damit jeder weiß was hier passiert. Die leichte Überforderung wurde aber ganz schnell zu Spaß und Positivem, weil alle dann gemerkt haben wie krass und großartig das ist, dass es sowas dann hier und mit so großartigen Leuten gibt. Es wurden also viele Fragen gestellt und die Leute konnten es kaum glauben: Wir sind ja hier in Gemünden, das ist ein Stadtteil der Kleinstadt Daun, wo nur 200 Leute wohnen – es hat also etwas Wind verursacht hier. Aber alle haben sich riesig gefreut! Unsere eigene, kleine Feuerwehr hat direkt die Hilfe angeboten und gesagt „Wenn du für die Veranstaltung Ersthelfer brauchst, können wir da sein“. Und auch die besagte Straßensperrung, die vergleichsweise in Hamburg vermutlich ein Riesenaufriss wäre und bis zur Erlaubnis unglaublich komplex wäre, war hier schnell geregelt, weil alle die Idee toll finden und unterstützen. Natürlich musste ich den förmlichen Antrag stellen, aber es war halt wirklich einfach, weil alle die Idee und den  Mehrwert durch das Kulturangebot für den Ort kapiert haben – auch im Zusammenhang mit dem Tourismus, der in der Eiffel auf dem Vormarsch ist und gefördert wird. Das Potential wurde auch direkt von allen Seiten aus der Lokalpolitik erkannt, was super schön zu spüren war. Also dass da keine Steine in den Weg gelegt wurden, sondern direkt Hilfe und Unterstützung angeboten wurde.

MZ: So soll es doch sein, sehr schön! Und mittlerweile konntet ihr ja sogar euren Bürgermeister überzeugen, dass er mit euch auf der Bühne steht, oder?

SK: *lacht* Genau, richtig. Der Friedhelm ist der Bürgermeister der Stadt Daun hier und den habe ich einfach gefragt, da er äußerlich super auf die Rolle passt und ich ihn eh schon lange, lange kenne und weiß wie er ist. Er ist also selbst ein ruhiger, väterlicher Typ, was für den Kaiser wie die Faust aufs Auge passt. Das wird beim ‚Kaiser‘ sowieso gerne gemacht, also dass in Stadttheatern früher die Rolle auch lokal besetzt wurde, also mit einem Lokalpolitiker oder einer Lokalpersönlichkeit. So kam ich drauf und dachte „warum nicht, das ist doch eine coole Sache“. Wir haben in den Vorproben schon mit ihm gearbeitet und da hat sich auch als wahr herausgestellt, dass er gut in die Rolle passt und hat das großartig gemacht. Er harmoniert auch mit Franzi als Rössl-Wirtin gut, die ja viele Szenen und einen Song zusammen haben. Außerdem ist natürlich schön, da so zusätzlich Aufmerksamkeit generiert wird, wenn der Bürgermeister plötzlich eine Rolle in einem Musical spielt.

MZ: Worauf können sich die Zuschauerinnen und Zuschauer ansonsten bei „Im weißen Rössl“ freuen?

SK: Wie eben schon erwähnt haben wir versucht das Rössl etwas zu entstauben – damit ist auf keinen Fall gemeint, dass wir jetzt mit Corona-Masken auftreten oder neue Bezüge in das Stück aufnehmen… Wir haben einfach versucht es sehr ehrlich zu machen und sind von der Spielweise sehr natürlich. Auch musikalisch haben wir versucht das Ganze etwas vom Operettenthema wegzubekommen. Es ist immer noch das Rössl – um Gottes Willen, man muss das Rad nicht neu erfinden – aber wir haben versucht, das im Kopf zu behalten, dass wir es einfach ein bisschen lockerer angehen wollen und es vom staubigen wegbekommen möchten. Das ist das eine, was die Inszenierung angeht. Das zweite ist, dass wir hier eine sehr einzigartige Kulisse haben, da wir das eh schon vorhandene Hotelgebäude als weißes Rössl. Als Zuschauer sitzt man also auf dem Hotelparkplatz mit frontalem Blick auf das Hotel. Und das Hotel ist – wenn man das Hotel googelt, sieht man das – ein süßes, kleines Häuschen mit Fensterläden, Blumenkästen und so von Haus aus sehr idyllisch wirkt und perfekt passt. Wir bespielen das auch alles: Es wird oben aus Fenstern raus gespielt und der Hof wird mit Außenbestuhlung komplett bespielt, auch die gesperrte Straße wird mitbenutzt… Da will ich nicht zu viel verraten, aber da wird ein etwas größerer Auftritt des Kaisers zu Stande kommen. Und ich glaube, dass die ganze Kulisse kombiniert mit der Besetzung, die für das Rössl auch eher jünger ist, plus der Gedanke, dass wir es etwas frischer angehen wollen, führt glaube ich dazu, dass es eine sehr schöne, neue Form vom Rössl geben wird. Das konnte man tatsächlich auch in den Vorproben schon sehr gut merken. Und es wird wirklich sehr, sehr lustig! Wir haben es echt geschafft mit der Cast ein komödiantisches Talent da hinzustellen, sodass wir vor lauter Lachen ganze Durchläufe abbrechen mussten… Es wird wirklich sehr, sehr lustig!

MZ: Das klingt ja wirklich vielversprechend!

SK: Ja, das kann ich guten Gewissens sagen: Es wird einfach toll!

MZ: Und du hattest es vorhin auch schon angeteasert, aber was sind denn deine Pläne für die nächsten Jahre mit den Freilichtspielen Gemünden?

SK: Da muss ich jetzt etwas halb, halb machen: Einerseits kann und darf ich noch nicht zu viel verraten, was jetzt beispielsweise eine Stückwahl angeht, da es teilweise vertraglich noch nicht ganz klar oder es noch Baustellen gibt. Was ich aber sagen kann ist: Es soll weitergehen – wie man eh schon an der Planung merkt. Wir haben gesagt, dass das Datum Anfang September bleibt, weil wir finden, dass der Spätsommer eine schöne Zeit ist, um draussen zu sein und noch was zu machen. Was auch klar ist, ist dass die Freilichtspiele auf Wachstum ausgerichtet sind. Die Veranstaltung soll gesund wachsen – Stückchen für Stückchen… Das bedeutet, dass wir im nächsten Jahr schon versuchen werden vielleicht ein kleines zweites Stück dazu zu nehmen, vielleicht ein paar Sitzplätze mehr zu schaffen, da die Nachfrage definitiv da ist, und eventuell wird es eine kleine räumliche Veränderung noch geben, was aber auch noch nicht ganz sicher ist. Und momentan passiert eigentlich folgendes: Wir sind in den finalen Zügen der Stückwahl, wir sind in den ersten Zügen der Besetzung und wir sind in den finalen Zügen der Location. Es wird die Eiffel bleiben, es wird Daun und der Stadtteil Gemünden bleiben, weil der Name das auch besagt, aber es kann sein, dass wir intern nochmal aus Platzgründen etwas umziehen. Alles weitere wird man spätestens im September erleben, weil wir wollen dieses Jahr zur Premiere die nächste Spielzeit schon verkünden können

MZ: Klingt auf jeden Fall sehr spannend! Alles Gute dafür und vielen Dank für deine Eindrücke!

SK: Danke für die Einladung!

Wer Sebastian Krolik bei „Im weißen Rössl“ live erleben möchte, kann hier Tickets für die Produktion der Freilichtspiele Gemünden bestellen.

Vielen Dank an Sebastian Krolik für das Interview!

(Bildquelle (c) Bjoern Kommerell)

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