Weltweit wurden die sieben „Harry Potter“-Bücher über 400 Millionen Mal verkauft und sämtliche Erweiterungen zogen begeisterte Fans tiefer in den Bann der magischen Welt. Nun erzählt „Harry Potter und das verwunschene Kind“ auf der Bühne in Hamburg den achten Teil:

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Die Geschichte beginnt auf dem Bahnsteig 9 3/4, wo Harry & Ginny Potter ihren Sohn Albus Severus Potter sowie Hermine & Ron ihre Tochter Rose Granger-Weasley (Madina Frey gibt sich als diese zielstrebig) erstmals verabschieden. Im Hogwarts Express lernen sie Scorpius Malfoy kennen, mit dem sich Albus direkt anfreundet. Beide scheinen den Erwartungen ihrer Väter nicht gerecht zu werden. Nach einem Besuch von Cedric Diggorys Vater versuchen sie dessen Tod im trimagischen Turnier mit einem Zeitumkehrer zu verhindern und sich so zu beweisen. Doch damit erschaffen und erleben sie unterschiedlichste Realitäten, die es zu korrigieren gilt…

Ohne gemäß dem Kredo #KeepTheSecrets zu viel verraten zu wollen, erwartet das Publikum durch die Zeitreisen ein Wiedersehen mit vielen Publikumslieblingen. Diese werden Fans wiederholt erfreuen und überraschen. Wer aber mit der Welt weniger vertraut ist, kann den verflochtenen, von John Tiffany mit Tempo erzählten Handlungssträngen wohl manchmal eher schwieriger folgen. Derweil kann es eingefleischte Fans stören wie untypisch sich die bekannten Charaktere im Buch von J.K. Rowling, Jack Thorne & John Tiffany verhalten. Auch überraschend ist der omnipräsente Humor, der zwar an sich gut funktioniert, aber stellenweise die Dramatik untergräbt.

Vincent Lang steht als ‚Albus Potter‘ verzweifelt im Schatten seines Vaters, da er vom sprechenden Hut als Slytherin eingeordnet wurde und in der Schule kaum Anschluss findet. ‚Harry Potter‘ (Markus Schöttl) leitet derweil im Zaubereiministerium erfolgreich die Strafverfolgung, findet aber als Vater keinen Zugang zu seinem Sohn.

Derweil wird Mathias Reiser als überdrehter ‚Scorpius‘ scheinbar dem Namen Malfoy nicht gerecht, während Alen Hodzovic als ‚Draco’ erhaben wirkt wie einst sein Vater durch diese Wahrnehmung aber auch vorverurteilt wird.

Die Spannungen zwischen Vater und Sohn werden in intensiven Wortgefechten deutlich benannt, während die wahrhaftige Liebe zum Nachwuchs vor allem in der Sorge um diesen deutlich zum Ausdruck kommt.

Albus & Scorpius werden währenddessen durch die Reise schließlich unzertrennlich, wobei Lang & Reiser bereits vom ersten Treffen an harmonieren und dem Publikum eine wahrhaftige Freundschaft voller jugendlicher Esprit präsentieren.

Im Kosmos von Harry Potter dürfen natürlich auch Harrys Freunde nicht fehlen: die scharfsinnige Hermine Granger (Jillian Anthony) als Zaubereiministerin und ihr trotteliger Ehemann Ron Weasley (Sebastian Witt) unterstützen die Väter sowie Sarah Schütz als warmherzige Mutter ‚Ginny Potter‘ bei der Suche.

Ein großes, wandelbares Ensemble füllt die zahlreichen, weiteren Rollen stets gemäß dem Buch des Stücks passend und mit merklicher Spielfreude aus, Glenna Weber stiehlt als ‚maulende Myrthe‘ sogar die Szene.

Doch das Ensemble muss nicht nur spielen, sondern auch einige Bewegungen von Steven Hoggett tanzen, was es abseits der Besetzung für Musicalfans nochmals interessanter macht. Diese erwecken den Anschein, dass ihre Koffer oder Zauberstäbe sie kontrollieren, erfordern für diesen Eindruck aber höchste Präzision – genauso wie für manche Formation. Bei den reinen Choreografien bemerkt man, dass die reduzierte Musik von Imogen Heap vorab aufgenommen wurde, während sie die Handlung sonst stets stimmungsvoll untermalt.

Stimmungsvoll ist außerdem das Lichtdesign von Neil Austin, welches mit den Zaubertricks von Jamie Harrison perfekt harmoniert. Diese sind häufig klassische Theatertricks, aber technisch so exzellent umgesetzt, dass man aus dem Staunen kaum herauskommt und man im Zusammenspiel mit dem durchdringenden Sound von Gareth Fry teils bis ins Mark erschüttert wird. Einen solchen Effekt merkt man dem gesamten Publikum nach dem Finale des zweiten Akts wahrlich an. Außer ein paar wenigen Elementen auf der vertäfelten Bühne (Christine Jones) braucht es damit kaum mehr, um diese auszufüllen, zumal Regisseur John Tiffany auch die Fantasie des Publikums geschickt nutze. Den Umbau der kleinen Elemente übernimmt das Ensemble, welches diesen mit einem gekonnten Schwung des Umhangs kaschiert. Die Kostüme von Katrina Lindsay orientieren sich eindeutig an den Filmvorlagen sowie einem modernen, britischen Stil.

Nach knapp neun Stunden im Theater verlässt man dieses von den Eindrücken überwältigt. Wenngleich die Geschichte zu wünschen übrig lässt, ist der Besuch ein fantastisches Erlebnis, welches Dank der starken Leistung einer ausdauernden Cast & beeindruckenden Bühnenmagie wahrlich verzaubert.

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Besuchte Vorstellung: 04. Dezember 2021 im Mehr! Theater Hamburg.

Vielen Dank an Mehr-BB Entertainment für die Einladung zur Medienpremiere!

(Bild (c) Manuel Harlan)

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