Im letzten Jahr wurde das Musical „Vom Fischer und seiner Frau“ bei den Brüder Grimm Festspielen in Hanau uraufgeführt und gewann den Deutschen Musical Theater Preis in zwei Kategorien. Nun gastiert die Produktion für kurze Zeit im Deutschen Theater München:

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Das Stück (Buch & Liedtexte: Kevin Schröder) basiert auf dem gleichnamigen Märchen der Gebrüder Grimm und erzählt die Geschichte von einem Fischer, der eines Tages einen sprechenden Butt fängt. Als er ihn jedoch zurück ins Meer wirft wittert seine Frau eine Chance und drängt ihren Mann ihn erneut zu rufen, um eine Belohnung von dem verwunschenen Prinzen zu fordern. Als ihr dieser erfüllt wird, ist sie jedoch nicht lange zufrieden. Auch wenn das Stück als Familienmusical anmutet, ist es eher düsterer und behandelt ernste Themen wie Gier, Freiheit und Glück mit einer guten Prise Humor.

Die Musik von Marc Schubring wird von fünf Musikern unter der Leitung von Andrew Hannan gespielt. Sie wirkt oft – passend zum Schauplatz des Stücks – folkloristisch und etwas melancholisch, aber es gibt auch klassische Balladen und Lieder mit Rockeinflüssen, die durch die Unterstützung einiger Cajons sehr kräftig wirken.

Anna Montanaro wird als ‚Ilsebill‘ immer gieriger und kann nach ihrem ersten Wunsch nicht genug bekommen. Diesen Größenwahnsinn transportiert sie glaubhaft und macht ihre Positionen stimmstark klar.

Als ‚Munk‘ steht Ron Holzschuh auf der Bühne, der den einfachen, aufrichtigen Fischer mit verschrobenem Charme spielt und mit angenehmer, leicht rauer Stimme singt. Gegenüber seiner Frau wirkt er jedoch zeitweise – rollenbedingt – etwas blass.

Janko Danailow stellt den sprechenden Butt ‚Stig‘ als neugierigen aber auch etwas naiven Meeresbewohner dar, den er charmant spielt und mit warmer, kräftigen Stimme vertont.

Das weitere Ensemble harmoniert gut und ist in unterschiedlichsten Rollen zu sehen, die sie allesamt gut ausfüllen. Dabei sticht Sophia Euskirchen als bedrohliche Meeresgöttin ‚Ran‘ mit ihrer starken Bühnenpräsenz und Belt heraus, aber auch ‚Pinn‘ & ‚Meta‘ (Dennis Hupka & Johanna Haas) bleiben als sympathische Freunde des Butts in Erinnerung.

Das Stück ist mit einfachen Mitteln inszeniert und stellt die Geschichte mit ihrer Moral in den Mittelpunkt, was dank einiger Gags aber regelmäßig aufgelockert wird.
Im Rahmen des einfach gehaltenen, hölzernen Bühnenbilds von Tobias Schunck schaffte Holger Hauer mitunter beeindruckende Bilder, die die Unterwasserwelt passend auf die Bühne bringen. Die kreativen Kostüme von Ulla Röhrs (im Zusammenspiel mit der Maske von Wiebke Quenzel) passen bestens dazu – genauso wie sich die einfachen Kostüme der Dorfbewohner in die normale Welt einfügen. Die Choreografien von Bart De Clercq, die vom Ensemble punktgenau getanzt werden, folgen dieser Unterscheidung ebenso passend, da sich die Menschen sehr abrupt bewegen während im Meer die Bewegungen sehr fließend sind. Lediglich die neuen Lichteinstellungen passten aufgrund einiger zeitlicher Verzögerungen nicht immer zum Erscheinungsbild und wirkten etwas unpräzise programmiert.

Insgesamt erwartet die Besucher bei „Vom Fischer und seiner Frau“ ein Stück mit schöner Musik, das in einem weitestgehend stimmigen Gesamtbild präsentiert wird. Die Darsteller tragen dabei die Geschichte so vor, dass sie beim Publikum gut ankam und auch für Familien mit etwas größeren Kindern gut geeignet ist.

Weitere Informationen und Tickets für „Vom Fischer und seiner Frau“ in München erhaltet ihr hier.

Besuchte Vorstellung: 3. August 2018 (Premiere) im Deutschen Theater, München

Vielen Dank an das Deutsche Theater München für die freundliche Einladung zur Premiere!

(Bildquelle (c) Hendrik Nix)

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