Besuchte Vorstellung: 16. Juli 2019 im Deutschen Theater, München

Beim Stichwort „Titanic“ denken die meisten an den preisgekrönten Film von James Cameron. Doch beim Musical erwartet die Besucher nicht die Liebesgeschichte zwischen Rose & Jack, sondern die Erzählung der tatsächlichen Tragödie selbst.

Wir haben die UK-Tour, die diesen Sommer in München, Köln und Mannheim gastiert, im Deutschen Theater besucht:

Das Stück erzählt von der legendären Jungfernfahrt der RMS Titanic. Dabei stellt das Buch von Peter Stone die Hoffnungen, Träume und Probleme der Passagiere sowie Besatzung in den Vordergrund, die allesamt auf einer wahren Schicksalen basieren. Die Vielzahl der Charaktere lässt stellenweise etwas Tiefe vermissen, aber transportiert die Stimmung an Bord gut.

Die Musik von Maury Yeston untermalt von heiteren Ragtime-Tanzrunden bis zu den bedrohlichen letzten Minuten an Bord das Geschehen stets passend. Lediglich bei der umrahmenden Hymne „Godspeed Titanic“ steht der inbrünstige Choral im Vordergrund.

Die Führungsebene, bestehend aus ‚Captain Smith‘ (Philip Rham), dem Direktor ‚J. Bruce Ismay‘ (Simon Green) und dem Ingenieur ‚Thomas Andrews‘ (Greg Castiglioni) zeigen im intensiven Zusammenspiel die unterschiedlichen Motivationen und später auch Schuldgefühle ihrer Figuren. Die stimmstarke Ballade des zweifelnden Ingenieurs, kurz vor dem Untergang, stellt den prägenden Höhepunkt des Geflechts dar.

Starke Darsteller tragen das Ensemblestück und stellen die unterschiedlichsten Charaktere, samt ihren Schicksalen, authentisch dar, wobei gerade die forsche Irin ‚Kate McGown‘ (Lucie-Mae Sumner), die von einem besseren Leben in Amerika träumt, und das treue Ehepaar Straus (Judith Street & Dudley Rogers), welches sich nach 40 Jahren nicht voneinander trennen will, nachhaltig im Gedächtnis bleiben. Zusammen sorgt der Cast außerdem für eindrucksvolle Klänge.

Die einfache Inszenierung von Thom Southerland lässt den Geschichten Raum, wobei im ersten Akt deutliche Längen vorhanden sind. Er setzt nur wenige, dafür gelungene Akzente, die sich gut im Einheitsbühnenbild (David Woodhead) einfügen. Ein dezentes Spiel von Licht & Nebel ergänzt dieses stimmig.

Insgesamt zeigt „Titanic“ bewegende Schicksale dank einer starken Cast, weist aber offensichtliche Schwächen im Material auf. Wer sich von dem Film lösen kann, der wird von der Kammerspiel-artigen Inszenierung spätestens in der zweiten Hälfte ergriffen.

Weitere Informationen und Tickets für „Titanic“ auf Tour erhaltet ihr hier.

Vielen Dank an das Deutsche Theater München für die freundliche Einladung!

(Bildquelle (c) Scott Rylander)

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