Besuchte Vorstellung: 20. Mai 2017 (Premiere) im Deutschen Theater, München

1992 feierte Whoopi Goldberg mit der Komödie „Sister Act“ Kinoerfolge. Im Jahr 2006 hatte dann das gleichnamige Musical in London Premiere. Nun – einige internationale Produktionen später – ist das Stück im Rahmen einer Tour-Produktion zum ersten Mal in München zu sehen.

Wir haben die Premiere besucht und berichten euch:

Im Stück geht es um die Nachtclub-Sängerin Deloris van Cartier, die einen Mord beobachtet und aufgrund ihrer Aussage ins Zeugenschutzprogramm aufgenommen wird. Sie wird in einem Kloster versteckt, was ihrer eigentlichen Art widerspricht und so für Turbulenzen sorgt. Als sie die Leitung des unmusikalischen Klosterchors übernimmt, verändert sich die ganze Situation für alle Nonnen.

Die Musik stammt von Alan Menken, der auch schon für Disney komponierte. In diesem Stück fängt er den Party-Charakter der siebziger Jahre gut ein, kreiert einige Lieder mit Ohrwurm-Potential – aber auch der Kontrast zum strikten Kloster ist gegeben. Die Band, unter der Leitung von Tobias Deutschmann, spielt den Score mit viel Energie und sorgt so für gute Stimmung im Publikum.

Aisata Blackman verkörpert ‚Deloris van Cartier‘ als schrille Nachtclub-Sängerin, die im Kloster offensichtlich fehl am Platz ist. Im Laufe des Stücks entwickelt sie sich zu einer wichtigen Ansprechpartnerin für die Nonnen und lernt selbst den Wert von Freundschaften zu schätzen – diese Entwicklung zeigt sie auf der Bühne glaubhaft und sympathisch. Stimmlich wird sie der Rollenbeschreibung gerecht und kommt ganz klar als Leitfigur des Chores zur Geltung.

Als Mutter Oberin spielt Agnes Hilpert die rigide, traditionell-bedachte Klosterleitung, die einen starken Gegenpol zu Deloris darstellt. In dieser Figur glänzt sie vor allem mit einem trockenen Humor, der im Laufe des Abends für einige Lacher sorgt.

Ein großes Tier in der Unterwelt ist Mischa Mang als ‚Curtis Jackson‘. Der schmierige Gangster ist von Anfang an unsympathisch und wird seinem Ruf durchgehend gerecht.
Seine Gehilfen ‚Joey‘, ‚Pablo‘ und ‚TJ‘ (Benjamin Eberling, Sebastian Rousseau und Arcangelo Vigneri) sind dagegen einfacher gestrickt und sorgen als „sympathische Idioten“ für viele Gags.

‚Eddie Fritzinger‘ (Karim Ben Mansur) ist ein alter Freund von Deloris, der sie nun als Polizist vor Curtis beschützen soll. Doch der eher ängstliche Beschützer, wächst nun an dieser Aufgabe und macht in den 2,5 Stunden eine authentische Entwicklung durch. In der Show-Nummer „Tief in mir“ kann er aus sich herausgehen und seine stimmlichen sowie tänzerischen Qualitäten beweisen.

Abla Alaoui ist als ‚Mary Robert‘ eine introvertierte Novizin, die schon ihr ganzes Leben im Kloster verbringt. Ihr Spiel ist rollenbedingt zart und zurückhaltend, aber stimmlich kann sie – vor allem in ihrem Solo „Die Welt, die ich nie  sah“ – mit ihrer kräftigen Belt-Stimme glänzen.

Für einige Scherze sorgen außerdem Maren Somberg als stets gut gelaunte ‚Mary Patrick‘, Regina Venus als rüstige ‚Mary Lazarus‘ und Franz-Jürgen Zigelski als überdrehter ‚Monsignore O’Hara‘.

Das Ensemble besteht vor allem aus den Nonnen. Jede hat eine eigene Persönlichkeit inne, die von allen beiläufig gut transportiert wird. Zu Beginn singen sie gekonnt schief, doch in der zweiten Hälfte des Stückes harmonieren sie miteinander. Die minimalistischen Hand-Choreografien führen sie präzise aus.

Die Inszenierung von Carline Brouwer ist mit einem banalen Humor gespickt, der funktioniert und große Teile des Publikums ansteckt. Die Bühnenversion macht weitestgehend Sinn, allerdings sollte man keinerlei intellektuellen Anspruch an das Stück stellen, sondern nur Spaß haben wollen. Denn das Stück unterhält, auch wenn es teilweise einige Längen hat.

Die Bühne ist durch die Tour-Version recht verschlankt worden, sodass die Räume nun durch Hintergründe eher angedeutet werden – dennoch wirkt das Kloster noch eindrucksvoll.
Die Kostüme sind ganz klassisch für die 70iger Jahre und auch die normale Ordenstracht, bis es zu den großen Shownummern kommt und sie mit Paletten aufgepeppt werden.

Insgesamt ist „Sister Act“ ein Stück, das Spaß machen soll. Wer also einen unterhaltsamen Abend haben möchte, der ist mit dem Stück gut bedient – das Münchner Publikum hatte auf jeden Fall Spaß!

Weitere Informationen zu „Sister Act“ und Tickets für die Vorstellungen  bis 9. Juli erhaltet ihr hier.

Vielen Dank an das Deutsche Theater München für die Einladung zur Premiere und die freundliche Bereitstellung der Karten!

(Bildquelle (c) Stage Entertainment)

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