Besuchte Vorstellung: 18. Mai 2017 (Premiere) in der Reithalle, München

Im Juli 2014 spielte das Gärtnerplatztheater einige konzertante Vorstellungen von „Jesus Christ Superstar“ im Circus Krone. Nun – knapp drei Jahre später – steht eine szenische Produktion des Stückes in der Münchner Reithalle auf dem Spielplan. Wir waren bei der Premiere dabei und berichten für euch:

Die Geschichte ist altbekannt: Im Stück geht es um die letzten sieben Tage im Leben von Jesus, die er zusammen mit seinen Aposteln verlebt. Die Art, wie Jesus sich gegenüber den begeisterten Massen verhält, macht Judas Sorgen, weshalb er Verrat begeht. Dieser Verrat hat schlussendlich die Kreuzigung von Jesus zur Folge.

Die Musik stammt von Andrew Lloyd Webber, der die bekannte Erzählung durchkomponiert hat und mit kraftvoller Rockmusik auf die Bühne bringt. Das große Orchester spielt diese Musik unter der Leitung von Jeff Frohner. In Kombination mit der Cast bringen sie die Reithalle zum Beben, auch wenn der Klang der Soundanlage teilweise etwas blechern klingt. Außerdem leidet die Verständlichkeit des Textes, den Tim Rice schrieb, in den Ensemble-Szenen unter der Abmischung.

Armin Kahl verkörpert Jesus mit einem gelassenen, auf Frieden bedachten Wesen, zeigt aber an den passenden Stellen auch menschliche Facetten, wie Verzweiflung oder gar Wut, und beweist spätestens beim großen Solo „Gethsemane“ eine fesselnde Bühnenpräsenz. Stimmlich findet er die Balance zwischen rockigen Tönen und emotionaler Erzählung stets passend.

David Jakobs kann ebenfalls mit Vielseitigkeit begeistern. Als in sich gekehrter ‚Judas‘ zeigt er seine Enttäuschung über Jesus bis hin zur Verzweiflung über die Folgen seines Handelns. Doch auch in der ironischen Gute-Laune-Shownummer kann er überzeugen. Mit seinem kräftigen Organ dominiert er oftmals das Geschehen.

Bettina Mönch spielt ‚Maria Magdalena‘. Ist sie als Frau und ehemalige Prostituierte auch unter den Aposteln umstritten, bleibt sie doch stets treu an Jesus Seite und umsorgt ihn. Selbst als Außenseiterin, am Rande des Geschehens, kann man ihr ausdrucksstarkes Spiel sehen, welches gerade bei den großen Solo-Szenen fesselt. Sie singt in ihrer Rolle eher die ruhigeren Songs, kann dort aber dennoch ihre stimmlichen Qualitäten zeigen.

Die weiteren Rollen sowie das gesamte Ensemble wurden stimmstark besetzt und spielen die verschiedensten Rollen stets authentisch. Sie wirken wie eine Einheit und interagieren gut miteinander – auch die Choreographien werden gut auf die Bühne gebracht.

Die Inszenierung von Josef Köpplinger zeigt das Geschehen in der heutigen Zeit, wobei auch u.a. Smartphones und Pizzen zum Einsatz kommen. Er stellt viele Thematiken des Stückes in eindrucksvollen Bildern deutlich und negativ-behaftet heraus. Manchmal machen sie sofort Sinn, teilweise braucht es etwas Zeit, um sie gänzlich zu verstehen – auch die Beziehungen zwischen den Figuren sind teilweise recht unklar. Die Bühne ist mit einem Gerüst schlicht gestaltet und bietet so viel Spielfläche für die Cast – mit passenden Lichtstimmungen wird das Setting gut angedeutet.

Alles in allem zeigt das Gärtnerplatztheater „Jesus Christ Superstar“ mit einer stimmgewaltigen Cast in einer Inszenierung mit einigen neuen, spannenden Ansätzen, aber auch ein paar Schwächen. Dieser Theaterbesuch ist keinesfalls trockene Bibelkunde, sondern ein belebter Theaterabend, den man erlebt haben sollte.

Weitere Informationen und Tickets für die Vorstellungen – bis 3. Juni – von „Jesus Christ Superstar“ erhaltet ihr hier.

Vielen Dank an das Gärtnerplatztheater für die Einladung zur Premiere und die freundliche Bereitstellung der Karten!

(Bildquelle (c) Christian POGO Zach)

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