Besuchte Vorstellung: 15. Oktober 2015 im Deutschen Theater München

Mit „Ich war noch niemals in New York“ bringt Stage Entertainment zum ersten Mal seit längerem ein Gastspiel in das Deutsche Theater in München. Das Juke-Box-Musical mit den Hits von Udo Jürgens über eine verrückte Familiengeschichte auf einem Kreuzfahrtschiff ist dort nun für drei Monate zu sehen. Wir haben die Produktion besucht und verraten euch, für wen es sich lohnt an Bord zu gehen:

Die karrierebesessene TV-Talkerin Lisa Wartberg und der Wildtiuerfotograf Axel Staudach werden durch das gemeinsame Ausreißen ihrer Eltern aus dem Seniorenheim auf das Schiff in Richtung New York aus ihrem Alltag gerissen. Auf der wilden Jagd lernen alle Beteiligten, eine wichtige Lektion für ihr Leben und Lisa erkennt, was wirklich wichtig ist…

In das Stück verwoben sind die bekannten Songs von Udo Jürgens. Diese wurden von Michael Reed für das Musical neu arrangiert. Dabei sind die Lieder oft fetziger als das Original, aber bei der rasanten Komödie kommen auch die etwas leiseren Töne nicht zu kurz. Die Band spielt diese Arrangements einwandfrei und es macht Spaß der Musik zuzuhören.

Die Moderatorin Lisa Wartberg wurde gespielt von Patricia Hodell. Bei ihrer Darstellung der Figur kann man die Schritte von der karrierebewussten, kalten TV-Sternchen bis hin zur Frau, die sich überwinden kann auch mal Emotionen zu zeigen und andere Prioritäten setzt, mit allen Vor- und Zurückschritten erkennen. Ihre letztendliche Erkenntnis bei „Was wichtig ist“ ist stimmlich ein absolutes Highlight, bei dem die Powerfrau dieses Image gehen lässt und dennoch stimmlich als solche wahrgenommen wird.

Karim Khawatmi spielt den Fotografen Axel Staudach. Von den Sprüchen her nimmt man ihn zunächst als Macho wahr, aber auch er kann im Laufe der Reise aus seiner Schale schlüpfen und seine weiche Seite zeigen. Gleiches gilt für seine Stimme: Ist sie bei „Gib mir deine Angst“ sehr energisch, so kann man bei „Merci, Chérie“ auch seine zarte Seite hören.

Andreas Bieber & Gianni Meurer spielen gemeinsam das schwule Paar bestehend aus Lisas Stylist Fred Hofmann & dem Griechen, sowie Aufnahmeleiter, Costa Antonidis. Durch Freds ansteckende Lebensfreude, Costas charmanten Akzent und etlichen gut platzierten Gags werden die beiden zu Publikumslieblingen. Ihr Spiel wirkt keinesfalls „overacted“, sondern man nimmt ihnen das Paar ohne Zweifel ab. Auch in ihren Songs können die beiden durch starke Stimmen überzeugen.

Zwischen Ellen Kessler & Gunter Sonneson stimmt als  altes Ausreißer-Ehepaar Maria & Otto die Chemie. Ihnen nimmt man ihre Liebe zueinander dauerhaft ab und auch innere Zweifel sind klar zu erkennen. Stimmlich fallen die beiden gegen ihre jüngeren Kollegen zwar etwas ab, aber bei einem Rollenalter von 80 Jahren passt das in das Rollenbild.

Axels Sohn Florian, gespielt von Lucas, punktet mit vielen frechen Sprüchen und sein „Mit 66 Jahren“ wird zu einem Highlight des Abends.

Das Ensemble, welches im Vergleich zu den vorherigen Produktionen verkleinert wurde, unterstützt einige Nummern mit starken Stimmen und tanzt die Choreographien einwandfrei. Jedoch ist es meist nur schmückendes Beiwerk und hat bei wenigen Nummern stimmlich die Songs zu tragen. Die kleineren Rollen, die viel Komik innehaben, sind auch gut besetzt  und die Darsteller bringen die Gags auf den Punkt genau.

Aufgrund der technischen Gegebenheiten der Theater wurde das Bühnenbild deutlich verkleinert. Es erfüllt zwar immer noch seinen Zweck, jedoch wirkt eine Hochzeits-Suite bei weitem nicht mehr so edel, wenn die kleine Couch beim Draufsetzen wackelt und die Kulissen im Allgemeinen mehr wie große Aufsteller wirken.

Wer einen unterhaltsamen Abend im Theater erleben möchte und die Musik von Udo Jürgens in einem neuen Gewand von vielseiteigen Darstellern interpretiert hören möchte wird bei „Ich war noch niemals in New York“ einen unterhaltsamen Abend erleben. Wer aber nach Geschichten mit großem Tiefgang sucht ist in diesem Musical falsch.

Bis Anfang Januar 2016 liegt das Schiff in München an: Tickets und Infos bekommt ihr hier! Danach ist die Show nochmals kurz im Theater des Westens in Berlin zu Gast: mehr dazu erfahrt ihr hier!

(Bildquelle (c) eventpress)

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