Besuchte Vorstellung: 22. März 2016 im Staatstheater Darmstadt

„Wenn die Sterne über Steeltown stehn“, dann wird im ausverkauften Großen Haus des Staatstheaters Darmstadt „Flashdance“ gespielt. Wir waren für euch dabei und verraten euch, ob wie der Kultfilm auf die Bühne gebracht wurde:

Der Haupthandlungsstrang des Musicals erzählt die Geschichte von Alex Owens. Alex ist eine junge Schweißerin in einem Stahlwerk, die aus schlechten Verhältnissen stammt und deren größte Leidenschaft das Tanzen ist. Abends tanzt sie in Harry´s Bar und träumt davon, unterstützt von der ehemaligen Balletttänzerin Hanna, an der Shipley Ballettakademie aufgenommen zu werden. Alex plagt jedoch die Angst zu scheitern.
Fasziniert von ihrem Tanztalent, verliebt sich Nick Hurley, zukünftiger Erbe der Fabrik und Alex´ Chef, in sie. Schließlich traut sie sich, sich an der Akademie zu bewerben und wird auch prompt zum Vortanzen eingeladen.
Doch ihre Freude darüber wird geschmälert, als sie erfährt, dass Nick ihr die Einladung zum Vortanzen nur erkauft hat.
Als auch noch Hanna überraschend stirbt, beginnt sie stark an ihrem Talent zu zweifeln.
Schlussendlich entscheidet sie sich doch vorzutanzen, wird mit dem Song „What a Feeling“ an der Akademie aufgenommen und versöhnt sich wieder mit Nick.

Parallel dazu erzählt das Musical die Geschichte um Harry´s Bar: Dort arbeiten zum einen die beiden Tänzerinnen Kiki und Tess, welche für den Großteil der Lacher in der Show sorgen, zum anderen arbeitet dort auch Alex´ Freundin Gloria als Kellnerin. Sie träumt von einer Karriere als Tänzerin in Musikvideos. Nachdem sich ihr Freund Jimmy von ihr trennt, um in New York ein bekannter Komiker zu werden, geht sie auf das Angebot von C.C., Harrys Konkurrenten, ein, für ihn in seinem Striplokal zu tanzen.  Viel zu spät bemerkt sie, dass C.C. sie nur ausbeutet. Schließlich wird sie jedoch von Alex aus seinen Fängen befreit, und durch Nick wird C.C. auch keine Gefahr mehr für Harrys Geschäft darstellen, weil dieser die Polizei darauf bringt, dass in diesem Club Drogen im Umlauf sind und dort minderjährige Mädchen tanzen.

Gloria versöhnt sich schließlich mit Jimmy, nachdem er schwer enttäuscht aus New York zurückkehrt, wo er als Komiker gescheitert ist.

Ein weiter kleiner Handlungsstrang ist die Entwicklung von Nick Hurley. Ursprünglich wurde er von seiner Familie in die Fabrik, wo er auch Alex kennenlernt, geschickt, um Entlassungslisten zu schreiben. Doch er lernt die echten Probleme seiner Mitarbeiter kennen und wendet sich von seiner Familie ab.

Das Musical endet damit, dass das ganze Ensemble mit Luftballons und Konfettiregen zu dem Song „What a Feeling“ feiert.

Obwohl die Geschichte von Flashdance (Buch von Tom Hedley & Robert Cary)  in Teilen den „American Dream“ aufgreift und dadurch oftmals vorhersehbar ist, wird das Musical durch seine Umsetzung nicht langweilig. Hierfür sorgen unter anderem Götz Hellriegel als Regisseur und Choreograph und Diethild Konold, die Bühne und Kostüme gestaltete.

Fast immer ist viel Bewegung auf der Bühne, sei es durch die beeindruckenden Choreographien oder das Bühnenbild, das zu Teilen aus Blech besteht und durch Auf- und Zuschieben den Blick auf einzelne Kabinen eröffnet, in denen sich entweder Hannas Zimmer, Harrys Bar oder die Poledancestangen in C.C.s Club befinden.
Besonders schön bleibt eine Szene in Erinnerung, in der Alex mit zwei Balletttänzern zusammen tanzt. Auch zwei Streetdancer hinterließen einen bleibenden Eindruck.
Ein schönes Detail zum Ende des Musicals war, dass die verstorbene Hanna von einem Rang auf der Bühne Alex beim Vortanzen an der Akademie zusah.

Eine super Stimmung verbreiten vor allem die aus dem Film bekannten Songs „What a Feeling“, „Maniac“, „Manhunt“, „Gloria“ und „I love Rock `n`Roll“, die auf Englisch gesungen und von der „Flashdance-Band“ unter der Leitung von Michael Nündel gespielt werden.

Umrahmt werden die bekannten 80er Hits mit dazukomponierten Songs (Musik von Robbie Roth; Lyrics von Robert Cary & Robbie Roth), die dank der Übersetzung von Anja Hauptmann auf Deutsch gesungen werden. So schön die neuen Songs sind, gehen sie jedoch neben den 80er Hits ein wenig unter.

Zu guter Letzt wird das Ganze noch von einer sehr gut harmonierenden Cast gespielt.

Als Alex Owens begeistert Nadja Scheiwiller mit einer starken Stimme, tollem Schauspiel und akrobatischem Tanz.  Sie schafft es hervorragend, sowohl Alex toughe, als auch ihre sehr verletzliche Seite zu zeigen. 

Philipp Dietrich überzeugt als Nick Hurley, besonders in seinem Song, in dem er sich von seiner Familie abwendet (in der englischsprachigen Produktion „Enough“).

Gloria wird  mit passend dosierter Naivität toll von Ira Theofanidis dargestellt, Michael Heller spielt den Komiker Jimmy mit viel Witz und zeigt sein Talent fürs Steppen beim Schlussapplaus.
Mitreißend spielt Anne-Mette Riis die Rolle der Tess und rockt mit „I love Rock `n`Roll“ den Saal, genau wie Tamara Wörner, die als Kiki ausdrucksstark „Manhunt“ singt.
Sonja Herrmann spielt nicht nur Hannas Pflegerin Louise, sondern auch die strenge Leiterin der Ballettakademie, als welche sie schön den Song „Hier drin“ singt, der die Ansprüche der Akademie deutlich macht.
C.C. wird von Tim Al-Windawe als schmieriger, unsympathische Striplokal-Besitzer sehr passend dargestellt.
Besonders schön ist, dass 2 Opernsänger mitwirken: KS (Kammersängerin) Katrin Gerstenberger spielt die Rolle der Hanna sehr liebevoll und singt authentisch den Song „Schmerz“ (in der Englischen Fassung „Hannah’s Answer“), in dem sie sowohl von ihrer Passion fürs Tanzen als auch den dadurch entstehenden Schmerzen singt.
Thomas Mehnert spielt und singt den schroffen, aber trotzdem warmherzigen Barbesitzer Harry.

Dass Flashdance beim Darmstädter Publikum sehr gut ankommt, hat sich längst gezeigt: Gespielt wird vor ausverkauften Sälen, und es gab Zusatzvorstellungen. Das Gesamtpaket ist mitreißend, und man verspürt den Wunsch, am Ende einfach mitzufeiern!
Wer also Lust hat, sich für 2 Stunden in die 80er zurückversetzen zu lassen, sollte sich unbedingt Karten kaufen!

Mehr Informationen zu der Produktion findet ihr hier.

(Bildquelle (c) Staatstheater Darmstadt)

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