Besuchte Vorstellung: 16. März 2019 (Premiere) im Deutschen Theater München

Das Musical “Cabaret” ist seit der Premiere in 1966 zum Klassiker geworden und hat gerade in der heutigen Zeit wieder an Relevanz gewonnen. Für zwei Wochen wird nun die Inszenierung des English Theatre Frankfurt in München gezeigt.

Wir haben die Premiere am Deutschen Theater besucht:

Das Stück spielt im Berlin der 1930er Jahre, welches der Schriftsteller Cliff Bradshaw besucht, um einen Roman zu schreiben. Während seines Aufenthalts lebt er in der Pension von Fräulein Schneider unter, kommt er in den Kit-Kat-Club und lernt die Tänzerin Sally Bowles kennen, welcher er näherkommt. Doch vor dem Hintergrund des Nationalsozialismus ergeben sich einige Spannungen in der Pension, die auch der Schriftsteller mitbekommt…

Die Musik von John Kander samt den Lyrics von Fred Ebb ist in weiten Teilen mittlerweile auch zu Klassikern wie u.a. „Maybe this time“ geworden, die die Band in reduzierter Besetzung unter Leitung von Tom Attwood kraftvoll und mit dem nötigen Jazz-Feeling spielt. Dieses wird nochmals von zwei Cast-Mitgliedern unterstützt, die gekonnt Saxofon sowie Klarinette übernehmen und mehr im Vordergrund stehen

Greg Castiglioni begrüßt als ‚Emcee‘ direkt zu Beginn die Besucher mit „Willkommen“. Er leitet über das Stück hinweg die großen Ensemblenummern mit kräftiger Stimme und faszinierender Präsenz. Dazwischen ist er stiller Beobachter und kommentiert das Geschehen mit zynischer Zunge.

Helen Reuben hat als ‘Sally Bowles’ viel Charisma und eine quirlige Art. Auch wenn ihr Gesang eher mittelmäßig einzuordnen ist, bringt sie immer ihre Persönlichkeit ein und unterstützt ihr Spiel entsprechend.

Die Schauspielrolle des ‘Cliff‘ verkörpert Ryan Saunders glaubhaft, sodass man ihm seine Sorge über Sally und die Entwicklungen in Deutschland problemlos abnimmt.

Die Hausherrin ‘Fräulein Schneider’ und der jüdische Gemüseverkäufer ‘Herr Schultz’ bilden, gespielt von Sarah Shelton & Richard Derrington, ein charmantes Paar. Beide sind stimmlich eher schwach, aber bringen die Angst um das Überleben in Berlin in ihrer Art authentisch auf die Bühne.

Die weiteren Rollen sind passend besetzt und das Ensemble tanzt die Choreografien im Kit Kat Club entsprechend aufreizend.

Die Inszenierung von Tom Littler ist verrucht, hat aber mit einigen atmosphärischen Stilbrüchen der Nummern im Kabarett wie bei „Two Ladies“ zu kämpfen. Neben dem lebhaften Nachtgestalten gibt es auch einige Szenen in Verbindung mit dem Nationalsozialismus, die ihre bedrückende Wirkung auf die Zuschauer entfalten. Das Ganze ist im schlichten Einheitsbühnenbild von Simon Kenny geeignet eingebunden und auch die Kostüme sind zweckdienlich.

Die Frankfurter Inszenierung von „Cabaret” zeigt sich mit Bildern, die neben Unterhaltungswert an anderen Stellen zum Nachdenken anregen, aber insgesamt nicht immer rund ist und in erster Linie durch die schauspielerischen Leistungen überzeugen kann.

Weitere Informationen und Tickets für „Cabaret“ in München erhaltet ihr hier.

Vielen Dank an das Deutsche Theater München für die freundliche Einladung zur Premiere!

(Bildquelle (c) Kaufhold)

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