Besuchte Vorstellung: 20. November 2018 im Metronom Theater, Oberhausen

1977 erschien Meat Loafs Album „Bat Out of Hell“, welches sich seitdem fast 40 Millionen Mal verkaufte. 2017 feierte das gleichnamige Musical in Manchester Uraufführung und kürzlich fand die Deutschlandpremiere in Oberhausen statt.

Wir haben uns die Show im Metronom Theater angeschaut:

Das Stück spielt in einer apokalyptischen Zukunft, in welcher Krieg in Obsidian herrscht. In dieser Umgebung verliebt sich der Anführer der junggebliebenen „Lost“, Strat, in Raven, die Tochter des Tyrannen Falco, was eine ungewöhnliche, Romeo-und-Julia-artige Geschichte in Gang bringt. In diese Geschichte (Buch: Jim Steinman, übersetzt von Roland Schimmelpfennig) wird aber nur spärlich eingeführt, sodass es schwerfällt ihr zu folgen und auch die folgenden Szenen teilweise ohne Zusammenhang wirken.

Die Musik von Jim Steinman ist durch das bekannte Album bereits vielen im Gedächtnis. Per Definition ist es aber kein Jukebox-Musical, da Steinman die Lieder ursprünglich für eine neuartige Rock-Interpretation von „Peter Pan“ schrieb. Von mitreißenden Nummern wie „Komm aus der Hölle raus“ bis Rock-Balladen wie „I’d do anything for love“ deckt der Score die Sparte gut ab. Die Band unter der Leitung von Martin Gallery spielt diesen gekonnt und sorgt für laute Rock-Sounds, die aber durch die Abmischung oft die Darsteller nahezu übertönt und das Verständnis zusätzlich erschwert. Die deutschsprachige Übersetzung von Frank Ramond ist nah am Original, was wiederholt den Satzbau stört. Die englischsprachigen Elemente in den Refrains passen dagegen nahezu nativ in das Gesamtbild.

Robin Reitsma ist in der Rolle des ‚Strat‘ zu sehen und spielt die jugendliche Anführerrolle überzeugend. Stimmlich hat der Holländer noch einen hörbaren Akzent, aber singt die anspruchsvollen Lieder mit viel Energie und trifft stets die Töne.

Sarah Kornfeld ist als ‚Raven’ eine Teenagerin, die ausbrechen und die Welt kennenlernen möchte. Schauspielerisch meist trotzig, verleiht sie den Songs dank ihrer markanten Stimmfarbe einen eigenen, gelungenen Anstrich. Lediglich in den Höhen wirkt ihre Stimme strapaziert, was aber auch restkrankheitsbedingt gewesen sein kann.

Tyrann ‚Falco‘ verkörpert Alex Melcher glaubhaft als herrschenden Unsympathen, der in reinem Eigeninteresse handelt. Der raue Klang seiner kräftigen Stimme unterstützt das Rollenbild gut.

Willemijn Verkaik wirkt als ‚Sloane’ zu Beginn lediglich wie die angetrunkene Ehefrau mit komödiantischem Talent, zeigt später aber die Facetten einer kümmernden Mutter authentisch. Gerade im zweiten Akt kann sie außerdem stimmlich glänzen.

Aisata Blackman (‚Zahara’) und Benet Monteiro (‚Jagwire‘) harmonieren als flirtendes Paar gut und können gerade in ihren Duetten stimmlich beeindrucken.

Auch die kleineren Rollen sind passend besetzt, haben jedoch mit stärkeren Akzenten zu kämpfen. Das junge Ensemble tanzt die aufwendigen Choreographien (Emma Portner) auf den Punkt, singt gut aufeinander abgestimmt und kann vor allem mit Spielfreude überzeugen.

Die ganze Inszenierung von Jay Scheib ist übertrieben, an einer Stelle nah an Fremdscham und nicht für Kinder geeignet. Jedoch nutzt er durchgehend ein hohes Tempo und es gibt einige interessante Ideen, wie beispielsweise die Kameraeinbindung, aber oft passiert zu viel gleichzeitig auf der Bühne, sodass Teile untergehen und auch die Figuren recht eindimensional sowie motivationslos bleiben. Das spektakuläre Bühnenbild von Jon Bausor sticht bereits während dem Einlass hervor und wird durchgehend gut genutzt. Die Effekte sowie das aufwendige Lichtdesign (Patrick Woodroffe) harmonieren gut damit. Weiterhin passen auch die Kostüme von Jon Bausor & Meentje Nielsen stimmig ins futuristische Setting.

„Bat Out of Hell“ wartet mit einer großen Ausstattung, tollen Darstellern und fantastischer Musik auf. Dennoch dominiert das verwirrende Buch leider den Abend, sodass, vor allem die Sprechszenen als anstrengend in Erinnerung bleiben.

Weitere Informationen und Tickets für „Bat Out of Hell“ in Oberhausen erhaltet ihr hier.

Vielen Dank an Stage Entertainment für freundliche Bereitstellung der Karten!

(Bildquelle (c) Stage Entertainment)

Christoph ist 21 Jahre alt und hat musicalzone.de 2015 ins Leben gerufen, um seine Begeisterung für Musicals mit Gleichgesinnten zu teilen. Seitdem ist er oft im Theater anzutreffen, wenn er nicht gerade studiert oder arbeitet.

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