Aktuell verkörpert Thomas Borchert erneut die Titelrolle in „Dracula“, dieses Mal in einer Open Air-Produktion auf der Ulmer Wilhelmsburg. Wir haben ihn vor der Vorstellung getroffen und mit ihm über die Produktion, Vampire und die Arbeit in Ulm gesprochen.

Lest hier unser Interview oder schaut euch es euch als Video an:

Musicalzone.de: Wie geht es Ihnen, Herr Borchert?

Thomas Borchert: Sehr gut, Dankeschön.

MZ: Sie spielen diesen Sommer die Titelrolle in „Dracula“. Können Sie uns etwas über den Vampir erzählen?

TB: Ja, es ist mal wieder ein Vampir… Ich spiele die ja gerne, diese bösen, dunklen Jungs und den Dracula ganz besonders gerne. Vor 14 Jahren das letzte Mal – unglaublich, aber wahr! Das erste Mal 2005 in St. Gallen, das zweite Mal 2007 und jetzt also hier auf der Wilhelmsburg. Was ich daran total schön finde ist, dass ich jetzt nochmal einen ganz neuen Blick auf diese Rolle habe. Und natürlich auch durch die neue Inszenierung. Das ist ja jetzt nicht nur einfach eine Wiederholung dessen was damals gemacht wurde und sowas ist als Schauspieler und Sänger immer besonders spannend, weil man sich ja auch entwickelt hat. So ähnlich wie z. B. mit dem Jean Valjean, den habe ich ja 1998 und dann nochmal 2014 in Magdeburg gespielt und das fand ich auch wahnsinnig spannend. Also es ist für mich also auch hier jetzt unheimlich spannend diese Rolle nochmal ganz neu gemeinsam mit dem Regisseur, dem Choreografen und den tollen Kollegen entwickelt zu haben.

MZ: Was fasziniert Sie denn so an der Rolle, dass Sie entschieden haben diese nochmal zu verkörpern?

TB: Die Entscheidung fiel mir sehr leicht. Also erstens wollte ich unbedingt wieder spielen – so wie viele Kollegen… Wir konnten ja jetzt ganz lange nicht spielen und das ein Geschenk. Zweitens ich liebe Frank Wildhorns Musik. Ich singe die wahnsinnig gerne und die Insider wissen ja auch, dass mich mit Frank Wildhorn sehr viel verbindet, also auch eine Freundschaft, aber v.a. dass er auch das Musical „Der Graf von Monte Christo“ für mich geschrieben hat. Da bin ich wahnsinnig stolz drauf und natürlich unglaublich dankbar. Eigentlich ist das Lustige sogar, dass Frank Wildhorn damals während der „Dracula“-Produktion damals 2007 in Graz sagte: „Thomas, I’m writing a musical for you.“ und daraus ist dann „Der Graf von Monte Christo“ geworden. Deshalb ist dieses Stück natürlich sowieso was ganz besonderes für mich, aber ich mag einfach diese Figur und diese tollen Songs. Ich finde, in diesem Musical sind ein paar der besten Songs, die Frank geschrieben hat und als ich damals von Walter Feucht, der Ulmer Kulturmäzen, den ich schon lange kenne und der hier das Musical co-produziert, gefragt wurde, habe ich sofort ja gesagt.

MZ: Sie haben auch schon mal einen Vampir in „Tanz der Vampire“ gespielt. Gibt es da Parallelen oder sind die Rollen in keinster Weise vergleichbar?

TB: Wenige würde ich sagen… Also außer, dass sie beide Vampire sind gibt es meiner Meinung nach nicht wirklich Parallelen. Vielleicht die eine: Dass beide dann irgendwann über ihr untotes Dasein lamentieren. Das ist allerdings bei beiden sehr unterschiedlich… Der Graf Dracula, der erfährt das ja dadurch, dass er sich unsterblich – und dann am Ende sterblich – in Mina verliebt und diese Liebe weicht ihn sozusagen auf und bringt ihn soweit, dass er nicht mehr weiterleben und endlich sterben dürfen möchte – also als Befreiung. Also er möchte Mina das nicht antun, was ihm ja vor vielen Jahrhunderten angetan wurde oder was er sich vielleicht selbst angetan hat. Ich denke mal, dass es bei Graf Dracula sogar selbst gewählt ist. Beim Graf von Krolock ist es ein bisschen anders gelagert wie er in der „unstillbaren Gier“ auch singt, ist es ja so, dass er selbst sicherlich Opfer war und zum Vampir gemacht wurde. In diesem großen, fast epischen Song lamentiert er darüber, dass er nicht anders kann. Dass er alles, was er liebt, zerstören muss. Das ist verschieden, aber vielleicht ist diese Menschlichkeit tatsächlich die Gemeinsamkeit beider Grafen aus den Musicals – oder, dass sie ihre menschliche Seite früher oder später zeigen.

MZ: Die Open Air-Produktion hat ein ganz besonderes Setting mit der Wilhelmsburg im Hintergrund. Wie beeinflusst das die Produktion?

TB: Ja, das ist natürlich das Beste, was einem passieren kann. Da braucht man nicht mehr viel, da es atmosphärisch großartig ist! Ich glaube, dass der besagte Walter Feucht das schon ganz lange für die Burg im Visier hatte. Und ich finde, dass das eben dann mit dem richtigen Licht – wir spielen ja zum Glück erst um 20:30 Uhr, damit wir spätestens nach der Pause Dunkelheit haben – richtig wirkt und dann spielt die Burg mit, was toll ist!

MZ: Die Produktion wurde auch kürzlich schon von HitSquad für eine CD- und DVD-Veröffentlichung festgehalten. Was können Sie den Fans denn jetzt schon darüber erzählen?

TB: Ich bin glaube ich selber genauso gespannt wie die Fans es sein werden… Ich kann noch gar nichts darüber erzählen, außer dass wir natürlich alle sehr aufgeregt waren und eine Show hier mitgeschnitten wurde. Wir haben also die Premiere gespielt und dann wurde gleich die zweite Show mitgeschnitten – und nur diese, weshalb wir unter gehörigen Druck standen. Wir hatten also hier zwei Premieren zu spielen, da natürlich alle wollen, dass diese DVD ganz großartig wird. Nach diesem Wochenende mit Premiere und Aufnahme war ich ehrlich gesagt ziemlich platt, aber ich freue mich jetzt wahnsinnig darauf. Allerdings weiß ich sonst noch gar nichts darüber – ich habe auch noch gar nichts gehört oder gesehen davon, da es auch eine Weile dauern wird bis es geschnitten ist und wir vielleicht einen Rohschnitt anschauen dürfen. Und auch wann das veröffentlicht wird, kann ich auch noch gar nicht sagen.

MZ: Sie waren 2018 schon mal hier am Theater Ulm, damals auch zusammen mit Ihrer Frau Navina Heyne, in „Rock of Ages“. Was bedeutet diese Rückkehr jetzt für Sie beide?

TB: Ja, es ist schon eine Rückkehr und unheimlich schön dorthin zurückzukehren, wo man so einen großen Spaß hatte und das war „Rock of Ages“. Das Stück war Spaß pur! Wir haben es beide geliebt zu spielen, wir haben hier auch tolle und nette Leute kennengelernt, wir haben das Theater lieben gelernt und das Publikum hat uns geliebt, was natürlich auch ganz toll ist. Deshalb sind wir wahnsinnig gerne zurückgekommen. Vielleicht noch eine Sache, die echt schön ist: Wir wohnen auch wieder bei unserer damaligen Gastgeberin und das ist auch ganz fantastisch. Die ist uns so ans Herz gewachsen und es ist so ein bisschen – ich will jetzt nicht sagen „wie nach Hause kommen“, das wäre zu viel gesagt… Aber man kommt in eine gewohnte Umgebung und kennt sich auch im Theater schon aus, wo wir geprobt haben. Hier auf der Wilhelmsburg waren wir vorher noch nicht, aber wir haben damals eben auch schon bei der Angelika in Wiblingen, etwas im Grünen, gewohnt. Als wir gehört haben, dass wir dort wieder wohnen dürfen, haben wir uns sehr gefreut, weil wir wissen natürlich wie schön es da ist und fühlen uns da gleich vom ersten Moment an wohl. Das ist tatsächlich auch gar nicht unwichtig, wenn man hier jeden Abend Hochleistung bringt, bringen muss und auch bringen will. Da man sich auch davon erholen muss, finde ich es wahnsinnig wichtig wie man wohnt. Also ich achte auch wirklich bei allen Engagement sehr darauf, dass ich gut untergebracht bin und selbst wenn ich da auch mal was draufzahlen muss, dann mache ich das sehr gerne, weil ich einfach weiß, wenn es mir privat richtig gut geht und ich gut ausschlafen kann, dann funktioniert der Rest auch.

MZ: Das sind doch optimale Voraussetzungen. Dann genießen Sie die Spielzeit auf und abseits der Bühne und weiterhin alles Gute!

TB: Vielen, vielen Dank!

Das Interview könnt ihr hier als Video (inklusiver einiger Szenen aus der Show) anschauen:

Wer Thomas Borchert in „Dracula” live erleben möchte, kann hier Tickets für das Musical in Ulm  bestellen.

Vielen Dank an Thomas Borchert für die Beantwortung der Fragen und an das Theater Ulm für die Interview-Möglichkeit!

(Bildquelle (c) Jochen Klenk)

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