Auch wenn gerade erst die übrigen „Ludwig²“-Termine in 2020 abgesagt werden mussten, nahmen wir den 175. Geburtstag von Ludwig II. zum Anlass, um mit Jan Ammann über den König zu  sprechen, der ihn in 2001 zum Musical brachte und ihn seit jeher begleitet. Lest hier unser Interview:

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Musicalzone.de: Herr Ammann, Sie spielen seit dem Jahr 2001 auf der Bühne Ludwig II. König von Bayern. Wie viel Ludwig steckt in Ihnen selbst?

Jan Ammann: Mittlerweile steckt wohl tatsächlich etwas von Ludwig in mir, weil ich mich schon so lange mit ihm beschäftige: Vor allem seine romantische Seite, der Sinn für das Schöne und die Neigung zur Poesie sind mir nah. Wir haben uns wohl beide das Kind im Manne erhalten, sind Träumer geblieben. Tatsächlich hängt sogar ein Porträt von ihm in meinem Wohnzimmer. Außerdem habe ich festgestellt, dass für viele Menschen in Bayern Jan Ammann „der Kini“ ist: Es scheint also wechselseitig zu sein.

MZ: Welche Charaktereigenschaften an Ludwig II. schätzen Sie am meisten, welche weniger?

JA: Ludwig war ein Visionär, und zwar ein herausragender, der sehr früh erkannt hatte, wie sehr sich die Welt durch neue technische Fähigkeiten verändern wird. Und er hat auf diesem Gebiet viel bewegt, das bewundere ich sehr. Doch er hatte auch eine sehr aufbrausende Seite, die eine gewisse Herrschsucht mit sich brachte. Und es ist natürlich wichtig, auch diese Seite zu zeigen, denn – bei aller Verehrung – war er durchaus gefährlich.

MZ: Am 25. August 2020 „feiert“ Ludwig 175. Geburtstag. Was an Ludwigs Leben beziehungsweise Geschichte halten Sie bis heute für bedeutend oder bemerkenswert?

JA: Ludwig ist bis heute ein Mythos. Um ihn winden sich viele Geschichten, aber auch Rätsel, so dass er bis heute unsterblich und für viele Bayern der „Kini“ für immer ist. Ludwig XIV. war immer sein Vorbild, doch der kann heute gegen Ludwig II. einpacken…

MZ: Wenn Sie die Chance hätten, Ludwig II. einmal persönlich zu treffen, welche Frage(n) würden Sie ihm gerne stellen?

JA: Ich bin nicht sicher, ob ich vor Ehrfurcht überhaupt sprechen könnte. Als ich vor kurzem den Opernstar Jonas Kaufmann in seiner Garderobe besuchen durfte, um ein Autogramm zu holen, da war ich ziemlich sprachlos – obwohl Jonas Kaufmann sehr nett war. Deshalb würde ich bei Ludwig II. wahrscheinlich nur auf die Knie fallen. Sollte ich doch Worte haben, dann stelle ich fest, dass es viele Fragen gibt, die er hinterlassen hat. Eine auf jeden Fall: Hast Du persönlich bewusst darauf hingewirkt, ein solcher Mythos zu werden? Oder wahrscheinlicher: Haben Sie, Eure Hoheit.

MZ: Wenn Sie die Chance hätten, eine andere Person aus Ludwigs historischem Umfeld persönlich zu treffen, welche würden Sie auswählen und warum?

JA: Das ist doch ganz klar: Richard Wagner natürlich. Das erklärt sich von selbst! Wagner war ein unfassbarer Musiker, um den sich viele Legenden winden. Es wäre wahnsinnig spannend zu erfahren, wie er wirklich getickt hat. Ich würde unglaublich gern hören, wie Richard Wagner sich und seine Musik selbst erklärt.

MZ: Welche Szenen, Songs oder Zitate aus „Ludwig²“ gefallen Ihnen persönlich am besten?

JA: Für mich ist einer der berührendsten Momente des Stücks, wenn Ludwig mit seinem jungen Ich folgenden Dialog hat: „Es ist still geworden um Dich.“ „Ja, weißt Du, das Ende von Musik ist für meine Seele bis heute noch ein bisschen wie Sterben. Der Beginn ist das Leben selbst.“ „Dann soll für immer Musik erklingen.“

MZ: Sie spielen den König von Bayern bereits seit 19 Jahren. Haben Sie sich selbst eine Frist gesetzt, wie lange Sie diese Rolle noch spielen wollen?

JA: Solange ich dem Starnberger See fernbleibe, hoffentlich noch sehr lang *lacht*. Im Ernst: Es bedeutet mir immer noch viel, diese Rolle spielen zu dürfen. Eine Frist habe ich mir bis jetzt nicht gesetzt.

MZ: Ludwigs Festspielhaus feiert dieses Jahr 20. Geburtstag und blickt auf eine sehr wechselvolle Geschichte zurück. Seit Jahren geht es wieder aufwärts. Wie stehen Sie zum Festspielhaus?

JA: Das Festspielhaus ist der Inbegriff von Ludwig² – man muss für seine Träume kämpfen. Ich hoffe, dass uns das Haus noch lange erhalten bleibt, es ist ein so wunderbares Theater, ein Gewinn für die kulturelle Landschaft. Für mich ist es nach so vielen Jahren auch ein Stück Heimat. Ich habe dem Haus und den Menschen dort sehr viel zu verdanken, deshalb möchte ich, dass es noch lange erhalten bleibt.

MZ: Die Corona-Krise hat das Festspielhaus, wie auch die gesamte Eventbranche, hart getroffen. Wie stark hat es Sie getroffen und wann werden Sie voraussichtlich wieder auf der Bühne stehen?

JA: Für mich als Künstler ist diese Zeit ein Schlag ins Kontor, weil ich meiner Arbeit so gut wie gar nicht nachgehen kann, was natürlich auch finanziell schwierig ist. Trotzdem sehe ich diese Krise auch als Zeit, in der ich mich auf das Wesentliche im Leben konzentrieren und das Menschsein in den Mittelpunkt stellen darf. Ich weiß nicht, wann ich das nächste Mal auf einer Bühne vor Publikum stehen darf. Aber ich weiß, dass ich jetzt schon für die Flasche Champagner spare, die ich dann mit einem „Hoch auf die Gesundheit“ köpfen möchte.

Wer Jan Ammann voraussichtlich  2021 in „Ludwig²” live sehen möchte, kann  hier Tickets für das Musical in Füssen bestellen.

Vielen Dank an  Jan Ammann und das Festspielhaus Neuschwanstein für die freundliche Bereitstellung des  Interviews!

(Bildquelle (c) Peter Samer)

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