Mit „Something Rotten!“ feiern die Bad Hersfelder Festspiele in diesem Sommer die deutschsprachige Erstaufführung des mehrfach für den Tony Award nominierten Musicals. Wir haben uns die Show in der eindrucksvollen Kulisse der Stiftsruine angesehen:

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Das Musical „Something Rotten!“

Im England der Renaissance begleitet „Something Rotten!“ die Brüder Nick und Nigel Bottom, die sich als Theaterautoren gegen die scheinbar übermächtige Konkurrenz William Shakespeares behaupten wollen. Da der Erfolg jedoch ausbleibt, greift Nick zu ungewöhnlichen Mitteln: Er sucht eine Wahrsagerin auf, die ihm prophezeit, dass die Zukunft des Theaters im Musical liegt. Daraufhin beginnt eine irrwitzige Jagd nach dem nächsten großen Bühnenerfolg – mit ebenso skurrilen Folgen.

Geschrieben wurde das Musical von Karey Kirkpatrick (Buch, Musik und Songtexte), Wayne Kirkpatrick (Musik und Songtexte) sowie John O’Farrell (Buch). Das Werk strotzt vor Wortwitz – auch wenn nicht jeder Gag zündet und der Humor stellenweise bewusst flach ausfällt. Die charmant gezeichneten Figuren sowie die zahlreichen Anspielungen und Referenzen sorgen dafür, dass insbesondere Musicalfans und Shakespeare-Kenner auf ihre Kosten kommen. Ob dieses Füllhorn an Verweisen jedoch beim gesamten Publikum ankommt, bleibt angesichts der verhaltenen Reaktionen an manchen Stellen fraglich. Wer mit den zahlreichen Zitaten aus beiden Welten vertraut ist, entdeckt viele liebevolle Details und wird mit cleveren Pointen belohnt.

Die deutschsprachige Fassung stammt aus der Feder von Roman Hinze und Niklas Wagner. Besonders beeindruckend ist, wie gelungen die Übersetzung die zahlreichen Wortspiele, Liedtexte und Musicalreferenzen des Originals ins Deutsche überträgt. Darüber hinaus wurde die Fassung sinnvoll um Anspielungen auf bekannte deutschsprachige Musicalproduktionen ergänzt, sodass der Humor und die Pointen auch für das hiesige Publikum funktionieren.

Musikalisch verbindet die Partitur klassische Broadway-Klänge mit eingängigen Ensemblenummern und großen Showmomenten. Die Songs treiben die Handlung voran und greifen immer wieder augenzwinkernd berühmte Musicalklassiker auf. Besonders hervorzuheben ist die fast achtminütige Ensemblenummer „Ein Musical“, die als mitreißendes Highlight der Inszenierung überzeugt. Die musikalische Leitung liegt bei Christoph Wohlleben, der das große Live-Orchester dirigiert. Die Musikerinnen und Musiker sind während der gesamten Vorstellung sichtbar vor der Bühne platziert. Der Klang ist beeindruckend, auch wenn die Abmischung aufgrund der besonderen Akustik der Spielstätte nicht immer optimal gelingt.

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Die Besetzung der Vorstellung

Das spielfreudige Ensemble wird angeführt von den Bottom-Brüdern Christopher Bolam (Nick) und Benjamin Sommerfeld (Nigel), die mit viel Energie und sichtbarer Spielfreude den Abend prägen. Besonders das Zusammenspiel der beiden Hauptdarsteller wirkt glaubwürdig und harmonisch, sodass ihre Figuren das Publikum schnell für sich gewinnen. Gesanglich überzeugen beide mit einer souveränen Performance.

Als Wahrsagerin Nancy Nostradamus sorgt die auch abseits der Musicalwelt bekannte Komikerin Gayle Tufts mit amerikanischem Akzent und komödiantischen Talent für zahlreiche Lacher. Gemeinsam mit Bolam erhält sie für das Stück „Ein Musical“ verdient den längsten Szenenapplaus des Abends.

Riccardo Grecco sorgt als herrlich verschrobener William Shakespeare für einen der markantesten Auftritte des Abends. Mit überzeichneter Mimik und bewusst übertriebenem Spiel erinnert seine Darstellung stellenweise an Bill Kaulitz. Auch gesanglich zählt Grecco zu den stärksten Stimmen des Ensembles.

Auch Nicolas Tenerani zeigt bereits in der Eröffnungsszene als Barde sein gesangliches Können. Im weiteren Verlauf spielt er den streng gläubigen Bruder Jeremiah, der ausgerechnet mit den meisten sexuellen Anspielungen für zahlreiche Lacher sorgt. Seine Tochter Portia, gespielt von Hannah Kastner, steht ihm dabei in nichts nach und sorgt ebenfalls für humorvolle Momente.

Das übrige Ensemble hat sichtlich Freude an Stück und Songs und meistert die anspruchsvollen Choreografien, Gesangsparts und zahlreichen Kostümwechsel mit beeindruckender Leichtigkeit.

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Die Show in Bad Hersfeld

Die Inszenierung von „Something Rotten!“ lebt vor allem von ihrem hohen Tempo, dem überdrehten Humor und der Liebe zum Detail. Als Einakter mit einer Spieldauer von knapp zwei Stunden und 20 Minuten inklusive Zugabe verlangt das Musical jedoch auch eingefleischten Fans einiges an Sitzfleisch ab. Durch die Länge wirken einzelne Szenen stellenweise etwas ausgedehnt, was den ansonsten schwungvollen Abend kurzzeitig bremst. Regisseur Matthias Davids setzt auf eine klassische Musical-Ästhetik mit großen Bildern, schnellen Szenenwechseln und zahlreichen Anspielungen, die den Charakter einer liebevollen Hommage an das Genre unterstreichen.

Die Choreografien von Kim Duddy sind ein zentraler Bestandteil des Abends. Mit schnellen Formationswechseln und großen Gruppenszenen fordern sie das gesamte Ensemble. Die anspruchsvollen Abläufe werden mit beeindruckender Präzision umgesetzt. Das hohe Tempo sorgt für viel Energie auf der Bühne und macht die Choreografien besonders spannend und unterhaltsam.

Das Bühnenbild von Andrew D. Edwards bleibt – vor dem Hintergrund der tatsächlichen Bühnengröße – reduziert und setzt auf zwei markante hölzerne Häuserfassaden mit Balkonen, Treppen und verschiebbaren Elementen. Dazwischen entstehen immer wieder neue Spielräume, die schnelle Wechsel ermöglichen und dennoch große Bilder erzeugen. Zum eigentlichen Gestaltungselement wird jedoch die Stiftsruine selbst, die durch das Lichtdesign eindrucksvoll in die Inszenierung eingebunden wird.

Die Kostüme von Adam Nee orientieren sich an der Renaissance-Zeit, werden jedoch bewusst überspitzt eingesetzt. Besonders die auffällig gestalteten Schamkapseln der männlichen Figuren unterstreichen den derben Humor der Inszenierung und das Spiel mit historischen Klischees.

„Something Rotten!“ ist auch in der deutschsprachigen Fassung eine unterhaltsame Liebeserklärung an das Musicalgenre. Mit großer Spielfreude und zahlreichen liebevollen Details überzeugt die Inszenierung, auch wenn der Einakter mit seiner Länge von knapp zweieinhalb Stunden stellenweise etwas Ausdauer verlangt.

Weitere Informationen und Resttickets für „Something Rotten!“ erhaltet ihr hier.

Besuchte Vorstellung: 11. Juli 2026 – Stiftsruine Bad Hersfeld

Vielen Dank an die Bad Hersfelder Festspiele für die freundliche Einladung zur Vorstellung von „Something Rotten!“ in der Stiftsruine Bad Hersfeld.

(Bildquelle © Johannes Schembs)

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