Auch mehr als 50 Jahre nach seiner Uraufführung erfreut sich „Grease – Das Musical“ beim deutschen Musicalpublikum großer Beliebtheit. Das Theater Dortmund setzt in der Spielzeit 2025/ 2026 auf diesen Klassiker und entführt das Publikum in die 1950er-Jahre. Wir haben die Show in Dortmund besucht:
Das Musical „Grease“:
„Grease“ verfolgt die Geschichte von Sandy und Danny, deren unbeschwerte Sommerliebe an der Rydell-High auf einen deutlich komplizierteren Alltag trifft. Danny zeigt sich vor seiner Clique der „Burger Palace Boys“ als cooler Anführer, während Sandy versucht, bei den „Pink Ladies“ Fuß zu fassen und dort vor allem auf die zynische Rizzo trifft. Zwischen sozialem Erwartungsdruck und jugendlichen Unsicherheiten der 1950er-Jahre geraten beide in ein Pendeln zwischen Vertrautheit und Rückzug. Am Ende müssen sie herausfinden, ob ihre Beziehung mehr ist als ein Ferienflirt und ob sie bereit sind, sich für die Liebe zu verändern.
Die Musik von „Grease“ orientiert sich stark am Klangbild der 1950er-Jahre und verbindet energiegeladenen Rock’n’Roll mit eingängigen Doo-Wop-Elementen und gefühlvollen Balladen. Warren Casey und Jim Jacobs gelingt mit der Komposition ein Soundtrack, dessen Songs dank ihres ausgeprägten Ohrwurmcharakters längst allseits bekannt sind und bis heute nichts von ihrer mitreißenden Wirkung verloren haben. Unter der Leitung von Stephan Kanyar verwandelt die achtköpfige Band des Theaters Dortmund die Musik in ein eigenständiges Erlebnis.
Die Besetzung der Vorstellung:
Die Rolle des Danny Zucko übernimmt Tobias Joch, der an diesem Abend sein Rollen-Debüt gibt. Mit sicherer Stimme und jugendlicher Ausstrahlung füllt er die Figur überzeugend aus. Besonders eindrucksvoll gelingt es ihm, Dannys inneren Zwiespalt spürbar zu machen – trotz der stellenweise schlicht gezeichneten Charakterzüge im Buch.
Antonia Kalinowski gestaltet Sandy sowohl gesanglich als auch darstellerisch mit großer Ausdruckskraft. Besonders berührend wirkt ihre Darstellung der inneren Konflikte einer jungen Frau, die zwischen Liebeskummer, Anpassungsdruck und Gruppenzwang hin- und hergerissen ist.
Ihre größte Rivalin, um deren Anerkennung Sandy ringt, wird von Maria-Danaé Bansen bewusst überzeichnet und zugleich mit feinen, verletzlichen Momenten verkörpert. Diese Nuancierung wirkt erfrischend und gerät in anderen Produktionen des Musicals oft in Vergessenheit. Bansen führt zugleich die übrigen Pink Ladies an: Friedericke Zeidler (Frenchy), Anna Teodora Donosa-Danila (Jan) und Katalin Rohse (Marty). Dem Trio gelingt es, sowohl die spritzige Leichtigkeit als auch die sensiblen Seiten ihrer Figuren glaubhaft herauszuarbeiten.
Die vermeintlich rebellischen „Burger Palace Boys“ – Markus Schneider (Kenickie), Pedro Reichert (Doody) und Julius Störmer (Roger) – erobern mit lässiger Macho-Attitüde und hervorragendem Gefühl für Humor das Publikum. Gesanglich liefern sie durchweg solide Leistungen, ohne dass einer von ihnen dabei besonders hervorsticht.
Der bekannteste Name des Abends ist Mark Seibert, der als schmieriger Radio-DJ Vince Fontaine sein Debüt gibt. Beim Song „Born to Hand Jive“ kann er stimmlich glänzen, doch die Rolle selbst bleibt deutlich hinter seinen Möglichkeiten zurück.
Die Show in Dortmund:
Das Bühnenbild von Jens Kilian zeigt das Foyer der Rydell High mitsamt Galerie. Die Ebenen können durch verschiebbare Treppen miteinander verbunden werden. Durch bewegliche Bühnenteile, für die meist das Ensemble verantwortlich ist, verwandelt sich das Foyer in ein kitschig anmutendes Mädchenzimmer, die Jungsumkleide oder den Schulhof der High-School.
Gil Mehmert (Inszenierung) und Nikita Dubov (Dramaturgie) gelingt es, das Stück auch inhaltlich klar zeitlich zu verorten. Ein kurzer, stummer Prolog zeigt sichtbar gealterte ehemalige Schülerinnen und Schüler der Rydell High, die das im Umbau befindliche Schulgebäude auf dem Weg zu einem Klassentreffen durchstreifen. Die eigentliche Handlung entfaltet sich daraufhin als Rückblick in die 1950er-Jahre. Durch diese erzählerische Rahmung wirken die im Stück gezeigten Klischees deutlich stimmiger und lassen sich vom Publikum leichter akzeptieren. Zudem besticht die Inszenierung durch eine für „Grease“ eher ungewöhnliche Charaktertiefe, die den Figuren mehr Substanz und emotionale Nuancen verleiht.
Die Choreographien von Andrea Danae Kingston werden vom Ensemble frisch und präzise dargeboten. Insbesondere bei großen Ensemblenummern überzeugen die meist musical-typischen Bewegungsmuster.
Das Kostümbild von Falk Bauer orientiert sich klar am typischen 1950er-Jahre-Stil, den man unmittelbar mit dem Stück verbindet. Besonders gelungen ist, wie die Kostüme die Zugehörigkeit der einzelnen Figuren zu ihren Gruppen sichtbar machen. Trotz dieser klaren Zuordnung bleiben die Outfits detailreich und liebevoll gestaltet.
Das Theater Dortmund präsentiert „Grease“ als klassischen, liebevoll inszenierten 1950er-Jahre-Kult mit überraschender Charaktertiefe. Stimmungsvolle Choreografien, ein vielseitiges Ensemble und authentische Kostüme verleihen dem Stück den nostalgischen Charme, den das Publikum liebt.
Weitere Informationen und Tickets für „Grease – Das Musical“ erhaltet ihr hier.
Besuchte Vorstellung: 15. November 2025 – Theater Dortmund
Vielen Dank an das Theater Dortmund für die freundliche Bereitstellung der Pressekarte für „Grease – Das Musical“

Tim ist 28 Jahre alt und seit Anfang 2025 Mitglied des Musicalzone.de-Teams. Seit seinem ersten Musicalbesuch im Alter von acht Jahren bei „Starlight-Express“ sind Musicals nicht mehr aus seinem Leben wegzudenken. Nach seinem Bürojob besucht er in seiner Freizeit gerne das Theater und fachsimpelt im Anschluss mit anderen Fans. Daneben hat er eine Leidenschaft für Brettspiele und das Entdecken neuer Reiseziele – am besten solche, die sich mit einem Musicalbesuch verbinden lassen.





