Nach der Broadway-Premiere eroberte Lin-Manuel Mirandas Musical „Hamilton“ die amerikanische Popkultur im Sturm und sogar das Weiße Haus unter Präsident Obama. Nun ist die Musical-Revolution in Hamburg angekommen und wird dort erstmals übersetzt aufgeführt.

Wir haben die langerwartete Deutschlandpremiere besucht und berichten euch:

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Das Musical „Hamilton”:

Lin-Manuel Mirandas Musical erzählt die Biografie von Alexander Hamilton, dem ersten Finanzminister der USA. Als ambitionierter Immigrant ist er an der Seite von General Washington aufgestiegen, sodass er nach dem Unabhängigkeitskrieg an der amerikanischen Verfassung mitarbeitete und einer der amerikanischen Gründerväter wurde. Das Stück umfasst 30 Jahre Geschichte, die eng mit Hamiltons persönlichen Schicksalen verwoben ist.

Die vielen Geschehnisse werden mit 24.000 Wörtern in hohem Tempo zu modernen Hip Hop- und RnB-Sounds erzählt. Diese decken die ganze Bandbreite des Genres ab, während auch wiederkehrende Motive und manche Ballade geschickt einfließen. So gelingt es Lin-Manuel Miranda die Geschichte modern zu präsentieren und der Band unter der Leitung von Philipp Gras mit kräftigen Beats ab den ersten Tönen mitzureißen.

Im englischen Original sind sämtliche Wörter so geschickt platziert, dass es große Sorge vor der deutschen Übersetzung gab. In über drei Jahren haben Sera Finale & Kevin Schröder aber eine gelungene Adaption geschaffen, die mit eigenen Wortspielen punktet. So kommt der Inhalt des Originals auch ohne genauen Wortlaut deutlich heraus, während das Stück kaum an Flow einbüßt und man nur selten stolpert.

Die Besetzung der Premiere:

Benét Monteiro ist als ‚Alexander Hamilton‘ ein hitzköpfiger Macher, dessen jugendlicher Tatendrang bereits nach wenigen Wörtern überdeutlich wird. Über die Jahre hinweg wird aber auch eine Entwicklung bis hin zum fürsorglichen Vater sichtbar. Besonders in den ruhigen Momenten schafft es Monteiro mit seiner gefühlvollen Stimme zu berühren.

Gino Emnes ist als ‚Aaron Burr‘ dagegen bereits ein charismatischer Politiker, der als solcher bedacht opportunistisch agiert. Auf persönlicher Ebene setzen ihm aber die Rückschläge gegen Hamilton zu, wie Emnes eindrücklich zum Ausdruck bringt. So wird sein jähzorniges Solo „In diesem Zimmer“ zu einem wahrhaften Showstopper.

Charles Simmons kommandiert die Bühne als dominanter General ‚George Washington‘ mit starker Stimme. Er wirkt jedoch auch wie eine Vaterfigur für Hamilton, sodass sein Abschied als Präsident emotional wird.

Emotional besticht auch Ivy Quainoo als Hamiltons unterstützende Ehefrau und fürsorgliche Mutter ‚Eliza‘ mit klarer, zärtlicher Stimme.

Chasity Crisp ist als ihre Schwester Angelica dagegen das intelligente, bestimmte Familienoberhaupt der Schuylers. Zunächst ist ihre Stimme etwas leise abgemischt, bevor sie in „Zufrieden“ mit schnellen Raps und gekonnten Runs überzeugt.

Und ‚Peggy‘ ist die dritte Schuyler Schwester, die Mae Ann Jorolan süß verkörpert. Als ‚Maria Reynolds‘ tritt sie als Verführerin mit starkem Belt wieder auf.

Daniel Dodd-Ellis ist als ‚Marquis de Lafayette‘ mit französischen Akzent Teil der Revolution, bevor er im zweiten Akt ‚Thomas Jefferson‘ als Gegenspieler und charismatischer Showman auftritt.

An seiner Seite ist Rapper REDCHILD als ‚James Madison‘ seine besonnene rechte Hand, nachdem er als ‚Hercules Mulligan‘ die Revolution kraftvoll unterstützt hat. Kraftvoll ist ebenfalls sein rauer Bariton, der zunächst ein Raunen im Publikum auslöste.

Oliver Edward ist als ‚Johan Laurens‘ der jüngste der „fantastischen Vier“ in Zeiten der Revolution wie auch als stürmischer Sohn ‚Philip Hamilton‘, wobei er die anderen meist körperlich überragt.

Jan Kersjes trauert als ‚King George‘ über die verlorene Liebe zum Empire, wobei er mit nur neun Minuten auf der Bühne mit seinem komödiantischen Ausdruck und Twang in der Stimme nachhaltig im Gedächtnis bleibt.

Das diverse Ensemble tanzt die ausdrucksstarken Choreografien als perfekte Einheit und schafft eine kraftvolle, meist verständliche Klangkulisse. So entstehen eindrucksvolle Momente wie in „Ein Schuss“, die unter die Haut gehen.

Die Inszenierung in Hamburg:

Die Inszenierung von Thomas Kail ist so mitreißend wie auch die Musik. So gehen die Szenen fließend ineinander über, wofür die Drehbühne im schlichten Fundament des Landes (David Korins) bestens geeignet ist. So ist der Fokus auf den Charakteren und ihrer Geschichte, die von Andy Blankenbuehlers dynamischen Bewegungen auf den Punkt visualisiert werden. Auch die zeitgemäßen Kostüme von Paul Tazewell sind schlicht und charakterspezifisch. Dagegen setzt das stimmungsvolle Licht von Howell Binkley starke Akzente.

„Hamilton“ ist ein Gesamtkunstwerk bei dem alle Elemente perfekt harmonieren. Auch die deutsche Besetzung ist treffend gewählt und transportiert die Adaption gekonnt an das deutschsprachige Publikum, welches sich der Revolution hoffentlich aufmerksam anschließt.

Weitere Informationen und Tickets zum Musical „Hamilton“ in Hamburg erhaltet ihr hier.

Besuchte Vorstellung: 05. Oktober 2022 (Medienpremiere von „Hamilton – das Musical“) im Stage Operettenhaus Hamburg.

Vielen Dank an Stage Entertainment für die freundliche Einladung zur Medienpremiere vom Musical „Hamilton“ in Hamburg!

(Bildquelle (c) Johan Persson)

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