Besuchte Vorstellung: 26. Januar 2017  (Wiederaufnahme) im Palladium Theater, Stuttgart

Zum dritten Mal steht in Stuttgart „Tanz der Vampire“ auf dem Spielplan. Nach der deutschsprachigen Erstaufführung 2000 und der Rückkehr in 2010 fand gestern – unter dem Motto „Diese Liebe endet nie!“ – die Wiederaufnahme im Palladium Theater statt.

Wir waren dabei und berichten euch:

Die Geschichte ist abermals dieselbe: Der Vampir-Forscher Professor Abronsius und sein Assistent Alfred reisen nach Transsylvanien, um die Existenz von Vampiren zu beweisen. Auf Grund des strengen Winters müssen sie in Chagals Wirtshaus einkehren, wo Alfred sich in dessen Tochter Sarah verliebt. Aber auch Graf von Krolock, das Oberhaupt der blutrünstigen Vampire, hat ein Auge auf Sarah geworfen und lockt sie zu sich ins Schloss.

Auch die Musik ist bereits bekannt – Jim Steinmans Kompositionen und Michael Kunzes Texte hat man dennoch noch nicht satt. Die meist rockigen Lieder gehen – nach wie vor – gut ins Ohr und begleiten einen auch noch lange nach dem Verlassen des Theaters. Das Orchester ist leider ein Kritikpunkt: nur noch neun Musiker sitzen bei dieser Produktion im Graben und werden durch Einspieler unterstützt, was den kleinen aber feinen Unterschied leider hörbar macht. Leif Klinkhard führt seine Besetzung allerdings gekonnt durch den Abend. Die Abmischung war zur Wieder-aufnahme auch noch nicht optimal, da die Stimmen leider oft untergingen – zeitweise waren auch kurze Mikrofon-Aussetzer zu hören.

Mathias Edenborn spielt ‚Graf von Krolock‘ als gefährlichen Vampir mit vielen überzeugenden Details in Mimik und Gestik. Stimmlich konnte er besonders in den rockigen Parts brillieren.

Veronica Appeddu ist als ‚Sarah‘ abenteuerlustig und berechnend, aber dennoch naiv. Sie verkörpert die Rolle mit jugendlichem Charme und einer klaren, kräftigen Stimme.

Tom van der Ven ist als ‚Alfred‘ zu sehen. Als schüchterner Assistent kann er mit authentischem Schauspiel, einer angenehmen, gefühlvollen Stimme und viel Charme begeistern.

Der 27-jährige Victor Petersen verkörperten den alten, schusseligen ‚Professor Abronsius‘. Den Altersunterschied zwischen der Rolle und dem Darsteller merkt man nicht – er verkörpert den Greis glaubhaft, bringt viel Humor in die Rolle ein und überrascht den Zuschauer stimmlich.

Nicolas Tenerani stellt als ‚Chagal‘ ein schmieriger Wirt dar, der aber durch sein Schauspiel und gutes komödiantisches Timing schnell zu einem der Publikumslieblinge wird.

Merel Zeeman ist als Magd ‚Magda‘ zu Beginn rollenbedingt sehr zurückhaltend, kann aber im 2. Akt immer mehr aus sich herausgehen. Stimmlich kann sie mit einem kräftigen Belt überzeugen.

Milan van Waardenburg ist als schwuler Grafensohn ‚Herbert‘ durch sein gekonnt überzogenes Spiel in Gestik und Mimik stets für einen Lacher gut – auch stimmlich steht er den anderen Cast-Mitgliedern in nichts nach.

Yvonne Köstler spielt Chagals Frau ‚Rebecca‘ ganz authentisch nach dem Motto ‚harte Schale – weicher Kern‘.

Paolo Bianca ist der buckelige Diener des Grafen ‚Koukol‘. Vor allem durch das unterhaltsame Spiel bleibt die fast stumme Rolle im Gedächtnis.

Das Ensemble der Produktion kann stimmlich sowie auch tänzerisch (in den aufwendigen Choreografien von Dennis Callahan) überzeugen und erzeugt so eindrucksvolle Bilder, die nachhaltig im Gedächtnis bleiben. Auch die Soli sind – egal ob Tanz oder Gesang – gut besetzt.

Die Produktion an sich wirkt immer noch opulent, obwohl das Bühnenbild seit 2000 und auch 2010 deutlich verkleinert wurde. Das Bühnenbild (William Dudley) entfaltet in Kombination mit dem präzisen Lichtdesign (Hugh Vanstone) seine Wirkung und erzeugt so im Schloss eine mystische Atmosphäre. Auch die Kostüme und das Make-Up (Sue Blane) wirken stets eindrucksvoll und in sich stimmig – jedes ist unterschiedlich. Insgesamt wartet die Produktion (Regie: Roman Polanski) mit vielen kleinen Details auf, die es sich zu entdecken lohnt.

Abschließend kann man sagen, dass „Tanz der Vampire“ immer noch viel Spaß macht und man bei einem Besuch einen schönen Theaterabend erleben kann. Es erwartet einen, auch wenn man ein paar Abstriche in Kauf nehmen muss, ein gelungenes Gesamtwerk aus eingängiger Musik, einer guten Besetzung, eindrucksvollen Bildern und auch viel Witz & Charme.

Tickets für „Tanz der Vampire“ im Stuttgarter Palladium Theater könnt ihr hier bestellen.

Vielen Dank an Stage Entertainment für die Einladung zur Wiederaufnahme und die freundliche Bereitstellung der Karten!

(Bildquelle (c) Stage Entertainment)

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