Seit der Uraufführung der „Rocky Horror Show“ 1973 hat sich das Musical samt der Verfilmung zum Kult entwickelt – einen ähnlichen Status strebt die Tour von BB Promotion an, die vor 13 Jahren Premiere feierte und  seither wiederholt tourte.

Wir haben die für 2022 überarbeitete Tour besucht und berichten euch:

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Die „Rocky Horror Show“:

Im Stück von Richard O’Brien geht es um das frisch verlobte Paar Brad & Janet, die auf dem Weg zu ihrem alten Professor während einem Sturm liegen bleiben. Sie suchen Zuflucht in einem nahgelegenen Anwesen, wo sie auf außergewöhnliche Gestalten treffen und düstere Geheimnisse sowie ihre eigene Lust entdecken.

Zur „Rocky Horror Show“ gehören Kult-Hits wie der „Time Warp“ und „Hot Patootie“, die von der Band unter der Leitung von Dan Tomkinson gebührend rockig, aber durch zwei Kürzungen teils etwas synthetisch, intoniert werden und das Theater zum Beben bringen. Bei der Fanfare und in ihren Soli können alle Musiker unter lautstarkem Jubel des Publikums ihr Können zeigen.

Die Besetzung des Musicals:

Oliver Savile kommandiert als charismatischer ‚Frank’n’Furter‘ nach seinem ersten, eindrucksvollen Auftritt fortan das Bühnengeschehen.  Doch auch seine verletzliche Seite kommt schließlich glaubhaft zum Vorschein.

Sev Keoshgerian tritt als versteifter ‚Brad‘ auf, der erst nach seinem gefühlvollen Solo seine wilde Seite zeigt. Claire Keenan zeigt sich als ‚Janet‘ deutlich früher leidenschaftlich und wirkt nie reserviert – auch durch ihren starken Belt. Wenngleich sie zunächst wie ein ungleiches Paar wirken, haben sie eine unterhaltsame Dynamik.

Declan Egan ist als ‚Riff Raff‘ der unheimliche Diener und als solcher bewusst gänzlich überzogen. Stimmlich lässt er jedoch bei seinen vielen kleinen Soli sämtliche Höhen vermissen. Charlotte Ann Steen bleibt als seine Schwester ‚Magenta‘ trotz ausdrucksstarker Mimik abseits der Eröffnung eher im Hintergrund. Dahingegen zieht Eleanor Walsh als schrille ‚Columbia‘ mit ihrem lautstarken Liebeskummer und komödiantischen Talent immer wieder das Rampenlicht auf sich.

Ryan Goscinski macht als unbeholfenes Genexperiment ‚Rocky‘ eine gute Figur, kann stimmlich allerdings nicht überzeugen.

Derweil setzt Jordan Castle als charismatischer Punker ‚Eddie‘ mehr Akzente, während er als ‚Dr. Scott‘ mit deutschem Akzent & Temperament unterhält.

Im Kontrast sieht sich Sky du Mont als deutscher Vorzeigeerzähler zum englischen Stück mit „Langweilig“-Gegenrede aus dem Publikum konfrontiert, wobei er dieses dazu anfangs erstmals anregen muss.

Das Ensemble bestand zur Premiere nur aus zwei statt üblicherweise vier Phantomen, die Matthew Mohr & Lindsay Atherton’s aufgedrehte Choreografien getanzt haben, so aber teils etwas verloren wirkten.

Die Inszenierung auf Tour:

Sam Buntrocks hat seine Inszenierung nochmals überarbeitet, die dadurch in keinster Weise an Schwung & Unterhaltungsfaktor verloren hat, auch wenn manche Charaktere anders angelegt sind. Am deutlichsten sind die Überarbeitungen im Bühnenbild von David Farley, welches um sämtliche große Elemente reduziert wurde. Dafür werden filmische Projektionen eingesetzt, die gut zum Rahmen der Show passen. Zudem harmonieren seine frivolen Kostüme mit dem verrückten Make-Up und Frisuren der Transsilvanier von Vanessa White.

Auch in aktuellen Zeiten bietet die „Rocky Horror Show“ wieder kultige Unterhaltung zum Mitmachen, wenngleich manche Sparmaßnahmen beim Stammpublikum einen Beigeschmack hinterlassen und nicht alle Darsteller makellos performen.

Weitere Informationen und Tickets für die „Rocky Horror Show“  auf Tour erhaltet ihr hier.

Besuchte Vorstellung: 16. März 2022 (Premiere) am Deutschen Theater München,

Vielen Dank an das Deutsche Theater München für die freundliche Einladung zur Premiere der „Rocky Horror Show“!

(Bildquelle (c) Jochen Quast)

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