Im Februar feierte eine bayerische Version des Musical-Klassikers „My Fair Lady“ am Münchner Gärtnerplatztheater Premiere. Wir haben uns die neue Inszenierung für euch angeschaut:

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Im Stück geht es um das Blumenmädchen Eliza, das aus einfachen Verhältnissen stammt. Als der Sprachwissenschaftler Professor Higgins sie trifft, wettet er mit seinem Kollegen Oberst Pickering darum, dass er das Mädchen mit nur 6 Monaten Unterricht zur Lady erziehen kann und als diese vor dem englischen König präsentieren kann.

Die operettenhafte Musik stammt von Frederick Loewe, der eingängige Lieder wie „Es grünt so grün“ oder „Ich hab getanzt heut‘ Nacht“ schrieb. Das Orchester spielt diese Klassiker unter der Leitung von Oleg Ptashnikov mit viel Schwung, sodass man dem vollen Klang gerne zuhört.

Nadine Zeintl tritt zu Beginn als derbes Blumenmädchen ‚Eliza‘ auf und spricht in tiefstem bayerisch, aber kann auch als guterzogene Lady schauspielerisch gänzlich überzeugen. Stimmlich kann sie ihre klare Stimme gut zeigen, aber durch ihre Stimmfarbe wirkt sie etwas älter als man sich die Rolle vorstellt.

Michael Dangl zeigt als ‚Professor Henry Higgins‘ wenig Gefühle, sondern sieht als Sprachwissenschaftler nur ein Experiment in Eliza. Diese Kühle kann er gut transportieren, jedoch kann er auch mit seinem trocknen Humor für einige Lacher sorgen. Seine Lieder meistert er solide.

Friedrich von Thun bildet als ‚Oberst Pickering‘ den Gegenpol zu Higgins. Er ist schätzt Eliza und behandelt sie entsprechend gut, mit einer sympathischen Ausstrahlung, die von Thun problemlos transportiert.

Elizas Vater ‚Alfred P. Doolittle‘ spielt Robert Meyer als moralloser, wortgewandter Müllkutscher, der sein Leben in vollen Zügen und ohne Verantwortungen genießen will. Mit seiner bayerischen Predigt in Higgins Haus erntet er viele Lacher und wohlverdienten Szenenapplaus, wobei er gesanglich nicht sehr stark ist.

Cornelia Froboess spielt als ‚Mrs. Higgins’ die Mutter des Professors, die eine Dame von Welt ist. Froboess spielt die Rolle mit Klasse und zeigt sich sympatisch Verständnis für Elizas Position.

Das Ensemble strahlt Spielfreude aus und ist bis in die kleinen Positionen gut besetzt. Zusammen mit Chor, Ballett und Statisterie stehen eine große Anzahl an Personen auf der Bühne, die gänzlich überzeugen können.

Die Inszenierung von Josef E. Köpplinger ist kurzweilig und kann mit gut platzierten Gags unterhalten. Auch bayerisch als Sprache des einfachen Volks ist gut und stetig umgesetzt. Da Bühnenbild von Rainer Sinell setzt mit einer cleveren Dreiteilung der wichtigsten Orte die Umgebung für das Stück und auch die zeitgemäßen Kostüme von Marie-Luise Walek passen gut dazu.

Bei „My fair lady“ im Gärtnerplatztheater erwartet einen ein kurzweiliger, unterhaltsamer Abend, bei dem das authentische Schauspiel aller Darsteller sowie die gut-platzierten Witze Grund für einen Besuch sind. Zuschauer mit bayrisch Kenntnissen werden bestimmt viel Spaß haben, auch wenn diese nicht essenziell für das Verständnis des Stücks sind.

Weitere Informationen und Tickets für „My Fair Lady“ in München erhaltet ihr hier.

Vielen Dank an das Gärtnerplatztheater für die freundliche Bereitstellung der Karten!

(Bildquelle (c) Marie-Laure Briane)

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