Besuchte Vorstellung: 4. November 2015 im Raimund Theater Wien

Mit der Musik Mozarts verbindet man die klassische Musik. Das Duo Kunze/Levay hat das Leben von Mozart in einem Rock-Musical aufgearbeitet und Harry Kupfer hat es nun, 16 Jahre nach der Uraufführung im Theater an der Wien, in einer Neufassung zurück auf die Wiener Bühnen gebracht. Wir haben „MOZART!“ besucht und verraten euch wie das zusammen passt:

Wie bereits angedeutet, ist das Stück eine Art Biografie des wilden Lebens des bekannten Barock-Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart. Dabei wird jedoch nicht einfach sein Leben nacherzählt, sondern besonders sein Streben nach einem selbstbestimmten Leben und sein Verhältnis zu anderen wichtigen Personen sowie deren Entwicklung dargestellt.

Die Geschichte ist mit rockiger Musik von Sylvester Levay unterlegt. Die Musik bringt dabei stets passend die Emotionen herüber – dank eines starken Orchesters mit 27 Musikern (Leitung: Koen Schoots). Neben den Kompositionen von Levay, welcher gut mit den Themen der einzelnen Figuren arbeitet, werden auch geschickt kleinere Zitat der Werke W. A. Mozarts eingebunden. Das Stück ist unterlegt mit passenden und symbolreichen Texten von Michael Kunze.

Oedo Kuipers als Wolfgang Mozart nimmt man den Freigeist von der 1. Sekunde an ab, aber auch seine Verzweiflung kommt klar rüber. Er fügt sich nicht in das Übliche,  was er auch stimmstark klar macht. Akustisch sind seine Lieder stets ein Höhepunkt – gerade „Wie wird man seinen Schatten los“ hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck.

Ilja Hollweg stellt als „Amadé“, im Gegensatz zum Menschen, das Genie in Mozart dar. Zwischen den beiden stimmt die Chemie, die sich im Laufe des Stücks glaubhaft weiterentwickelt.

Thomas Borchert steht als strenger Vater Leopold Mozart auf der Bühne. Seinen inneren Konflikt zwischen der Strenge und übertriebener Fürsorge kann man im Schauspiel sogar in den kleinsten Blicken erkennen. Seine Ballade „Schliess dein Herz in Eisen ein“, wo sein Konflikt deutlich wird, singt er glaubhaft und mit einer starken Stimme.

Mark Seibert verkörpert den Fürsten Colloredo, für den Mozart gearbeitet hat, und stellt nach Mozarts Rausschmiss einen Gegenspieler der Familie dar. Seine Stärke und Überlegenheit kommen mit jedem Blick klar rüber. Stimmlich kann er vor allem in „seinem“ Lied „Wie kann es möglich sein“ überzeugen.

Franziska Schuster spielt die Constanze Mozart. Im Zusammenspiel mit Mozart nimmt man ihr die Liebe zu ihm ab – in einigen anderen Szenen zeigt sie, was für eine starke Persönlichkeit und welches Durchsetzungsvermögen in ihr steckt. Ihr „Irgendwo wird immer getanzt“ wird dank ihrer starken Stimme und ihrem überzeugenden Schauspiel zu einem Highlight der Show.

Anne-Marijn Smulders spielt die Baronin von Waldstätten, eine Mentorin von Mozart, die sich gegenüber dem Vater für die Freiheit von ihm ausspricht.  „Gold von den Sternen“, wo sie das anhand einer Geschichte deutlich macht, wird dank ihrer sanften Art und warmen Stimme zu einem berührenden Höhepunkt.

Barbara Obermeier ist die behütende große Schwester, das „Nannerl“, die mit warmer Stimme und fürsorglicher, sanfter Art den Vater unterstützt.

Brigitte Oelke spielt die verruchte Cäcilia Weber, die mit ihrer Sippe nach Geld strebt. Die freundliche Art nach außen sowie die strenge Art innerhalb der Familie nimmt man ihr durchgehend ab.

Unterstützt werden die starken Hauptdarsteller von einem stimmgewaltigen Ensemble, welches auch die kleineren Rollen gut spielt, komödiantisches Talent beweist und die Choreographien auf den Punkt genau ausführt. Leider hat das Ensemble nur kleine Parts, in denen es nur eine wirklich tragende Rolle innehat – stimmlich gesehen.

In der Inszenierung von Harry Kupfer stimmen die Personenbeziehungen und alle spielen passend zueinander, sodass es Spaß macht der  glaubwürdigen Darstellung zuzusehen. Einziger Wehrmutstropfen sind die etwas übertrieben Szenen der Familie Weber, nach welchem man etwas braucht um wieder in das düstere Drama hereinzukommen.

Die Bühne wirkt etwas wie die einer Tour-Produktion. Es wird viel mit Projektionen auf LED-Wänden, wie zuletzt auch bei „Elisabeth“, gearbeitet. Diese sind zwar stets passend und lenken nicht vom eigentlichen Geschehen ab, aber da hauptsächlich mit Stühlen und einem Flügel auf der Drehbühne gearbeitet wird, wirkt es doch stellenweise recht leer. Die Kostüme von Yan Tax hingegen bilden eine schönes Bild und spiegeln den Prunk des Barock mit modernen Einflüssen gut wieder.

Mit „MOZART!“ bekommt man ein schönes Rockmusical zu Gesicht, welches vor allem von den starken Darstellern und der Musik lebt. Man bekommt eine neue Seite des Komponisten in einer glaubhaften Sichtweise zu sehen. Auch Fans von Stücken à la „Elisabeth“ werden Gefallen an dem Musical finden. Wer jedoch einen klassischen Abend mit Mozarts Kompositionen verbringen möchte, der sollte lieber ein klassisches Konzert besuchen.

Tickets für die Show könnt ihr hier bestellen.

Vielen Dank an die Vereinigten Bühnen Wien für die freundliche Bereitstellung der Tickets.

(Bildquelle (c) Deen van Meer)

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