Besuchte Vorstellung: 21. August 2016 um 15 Uhr im Festspielhaus Füssen

Durch eine Crowdfundingkampagne, die als die erfolgreichste der europäischen Theatergeschichte bezeichnet wird, ist das Musical „Ludwig²“ nun erneut im Füssener Festspielhaus zu sehen, obwohl die vorherigen Produktionen in einer Insolvenz endeten.

Wir haben uns die Produktion angeschaut und verraten euch, ob sich ein Trip in Richtung Schloss Neuschwanstein lohnt:

Die Geschichte ist schnell erklärt:  Ludwig II. wird jung zum König gekrönt. Er möchte ein friedlicher Regent sein und sein Volk durch die schönen Künste bereichern. Er ist allerdings durch die Zwänge seiner Position eingegrenzt und als er sich beschließt, die Versprechen seiner Antrittsrede zu leben, führt das im Hofstaat zu Intrigen gegen ihn. Spätestens sein ungeklärter Tod im See macht seine Geschichte zum Mythos.

Die Musik stammt von Konstantin Wecker, Christopher Franke & Nic Raine und die Texte von Rolf Rettberg. Die Lieder sind allesamt  schön anzuhören, wobei nur wenige lange im Ohr bleiben und viele inhaltlich eher belanglos sind. Die Musik kommt   vom Band, allerdings in einer guten Qualität, sodass diese Tatsache nur selten wirklich auffällt. Leider war die besuchte Vorstellung schlecht abgemischt, sodass das Playback das Ensemble öfters überlagerte und das Verständnis sehr erschwerte.

Als ‚König Ludwig II.‘ steht Publikumsliebling Oedo Kuipers alternierend auf der Bühne. Er hatte in der besuchten Vorstellung seine Premiere. Neben seinem jugendlichen Charme zeigt er auch deutlich die Bedenken sowie Verzweiflung des Charakters. Außerdem begeistert Kuipers mit starker Stimme, was seine große Ballade „Kalte Sterne“ zu einem Highlight der Show macht. Luis Mayer-Klenk, der Ludwig als Prinz darstellt, spielt das Gewissen Ludwigs überzeugend und ist für den Erwachsenen ein Ansprechpartner, wenn ihn die Zweifel überkommen.

Die Kaiserin Elisabeth (‚Sisi‘) von Österreich ist wie Ludwig durch den Stand eingeengt, wie wir bereits aus ihrem Musical wissen. Dementsprechend verstehen sie sich gut und treffen sich heimlich auf der Roseninsel, um der Realität zu entkommen. Sisi hat allerdings inzwischen ihre Position akzeptiert und sagt die Treffen ab, dennoch bleibt sie ihm im Herzen verbunden. Ihre Lieder singt Anna Hofbauer mit klarer, kräftiger Stimme.

‚Sybille Meilhaus‘ (Lea Kirn) ist Ludwigs enge Freundin. In der Kindheit ist sie immer für ihn da, wenn sich die Eltern wieder streiten, und beruhigt ihn mit zarter Stimme.

Als König steht ihm ‚Graf Dürckheim‘ (Kevin Arand) stets loyal und charmant zur Seite. Er untersützt ihn auch mit kräftiger Stimme.

Ludwigs Bruder ‚Otto‘ verkörpert Julian Wejwar mit kindlicher Naivität, die im 2. Akt auf sein beklemmendes Kriegstrauma trifft.

Als Psychiater ‚Dr. Gudden‘ steht Musicalstar Uwe Kröger auf der Bühne. In der besuchten Vorstellung wird die Rolle allerdings aus Krankheitsgründen in der Pause umbesetzt, weshalb Alexander Kerbst weiterspielt. Beide können als Doktor, der im Interesse der Medizin handeln möchte, überzeugen, da sie bei der nüchternen Rolle, die Zweifel effektiv herausspielen.

Eine kleine, aber entscheidende Rolle spielt Kevin Tarte als mysteriöser ‚Schattenmann‘ mitsamt Gewehr. Dieser tritt zwar keine fünf Minuten auf, dafür beeindruckt er nachhaltig.
Seine Schattenarie singt er mit kräftiger Stimme und großer Bühnenpräsenz.

Auch die Darsteller in den vielen kleineren Rollen sowie das Ensemble können mit Schauspiel und Stimmen überzeugen.

Das Stück, unter der Regie von Benjamin Sahler, an sich weist leider einige Längen auf, die gerade den ersten Akt sehr lang erscheinen lassen. Im Verlauf sind einige Bilder zu finden, die beeindrucken, aber auch stark an Kitsch grenzen. Dazu trägt die Bühnengestaltung (Gerd Friedrich, Tino Tiesler & Daniel Samer) einen großen Teil bei. Auch der integrierte See wird effektiv genutzt. Kostüm und die Maske passen stets gut zum Setting.

Zusammenfassend kann man sagen, dass „Ludwig²“ einen Besuch wert ist, wenn man über die Längen hinwegsehen kann. Die Cast sowie die Aufmachung in der passenden Location (vom Theater aus sieht man das Schloss Neuschwanstein) lohnen sich!

Tickets bis zur Derniere am 4. September 2016 könnt ihr hier bestellen.

(Bildquelle (c) Peter Samer)

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