Besuchte Vorstellung: 2. Januar 2016 19:30 im Stage Operettenhaus Hamburg

Im September 2015 verließ das “Phantom der Oper” die Neue Flora in Richtung Oberhausen. Mit “Liebe stirbt nie” spielt nun die Fortsetzung des Klassikers im Operettenhaus Hamburg.
Wir haben uns das Drama angeschaut und sagen euch, wer an dem Stück Gefallen finden könnte:

10 Jahre sind seit den Geschehnissen des ersten Teils vergangen. Das Phantom ist damals mit Hilfe der Girys aus der Pariser Oper auf das verrückte Coney Island geflohen, wo es nun ein Revue-Theater betreibt. Mit einer List lockt das Phantom seine alte Liebe Christine und ihren Mann Raoul zusammen mit dem Sohn Gustave zu ihm. Sie soll dort auftreten und steht erneut zwischen den Männern.

Man merkt bereits an der Zusammenfassung, dass die Story nicht sehr innovativ ist. Die einzelnen Charaktere haben sich teilweise stark verändert: Der einst so vornehme Raoul ist nun ein Trinker, Madame Giry strebt nach Geld und ihre Tochter nach Anerkennung. Das größte Manko ist das schwache Buch.

Die Musik stammt erneut von Andrew Lloyd Webber. Er schafft gefühlvolle Balladen sowie rockige Nummern, aber auch die Revuen untermalt er mit passender seichter Musik. Das Orchester wird von Tobias Vogt dirigiert. Die Musiker spielen die anspruchsvolle Musik fehlerfrei und passend und machen das Stück zu einem Hörgenuss. Lediglich mit mehr Musikern sowie mehr “echten” Streichern wäre die Partitur noch schöner anzuhören.

Mathias Edenborn war bereits im ersten Teil als Phantom zusehen. Im zweiten Teil steht er alternierend in der Rolle auf der Bühne. Er spielt das Phantom in allen Emotionen mit einem starken Ausdruck und auch gesanglich kann er durch eine kräftige Stimme überzeugen. Gerade durch die rockigere Partitur kommt seine Stimme gut zur Geltung.

Rachel Anne Moore spielt Christine Daaé, die inzwischen ein Opernstar ist. Mit ihrer starken Stimme kann man ihr diesen Stand in der Branche problemlos abnehmen – gerade das Titellied bleibt nachhaltig im Gedächtnis. Auch in ihrem Schauspiel kann sie als fürsorgliche Mutter sowie Liebende überzeugen.

Yngve Gasoy-Romdal spielt Christines Gatten Raoul, der spiel- und trinksüchtig ist. Seine Verzweiflung bringt er deutlich zum Ausdruck und auch das Wechselbad der Gefühle zwischen Liebe und Wut ist klar erkennbar. Gesanglich kommen diese Emotionen auch nicht zu kurz.

Deniz ist in der Kinderrolle des Gustave zu sehen. Für sein Alter kann verkörpert er den tragenden Charakter sehr gut – dies gilt auch für seinen Gesang.

Alex Avenell (Cover – Erstbesetzung: Masha Karell) umgibt sich als Madame Giry mit einer starken, mystischen Aura. Zeitweise kann sie auch ihre kräftige Stimme zeigen.

Lucina Scarpolini (Cover – Erstbesetzung: Ina Trabesinger) kann als Revue-Tänzerin in der Rolle der Meg Giry tänzerisch sowie stimmlich überzeugen. Aber auch Meg’s Verzweiflung bringt sie ausdrucksstark herüber.

Das Zirkusdirektoren-Trio, bestehend aus Dr. Gangle, Squelch und Fleck, wird gespielt von Jak Allen-Anderson, Björn Klein (Cover – Erstbesetzung: Paul Tabone) und Sandra Maria Germann. Die drei fungieren als Einheit und strahlen etwas Mystisches sowie Verrücktes aus.

Das Ensemble bringt die faszinierende Welt von Coney Island in den kuriosen Kostümen auf die Bühne. Die teils komplizierten Choreographien werden fehlerfrei getanzt und stimmlich unterstützen sie bei den Songs kräftig.

Die Bühne ist gut ausgestattet mit vielen großen Szenerien, die die Geschichte gut untermalen und schafft gekonnt Kontraste zwischen düsteren und grellen Szenen.

Der zweite Teil ist gerade für Kenner des Teils zu empfehlen. Wer über die Schwächen der Story hinweg sehen kann, der bekommt ein klassisches Drama mit guter Musik und einer starken Cast dargeboten.


Hier könnt ihr Tickets für die Vorstellungen im Stage Operettenhaus Hamburg buchen.

(Bildquelle (c) Stage Entertainment)

Christoph ist 21 Jahre alt und hat musicalzone.de 2015 ins Leben gerufen, um seine Begeisterung für Musicals mit Gleichgesinnten zu teilen. Seitdem ist er oft im Theater anzutreffen, wenn er nicht gerade studiert oder arbeitet.

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