Besuchte Vorstellung: 15. September 2017 (Premiere) im Landestheater, Linz

Die Spielzeit 2017/18 des Landestheaters Linz steht unter dem Motto „Für immer jung“. Diese wurde gestern mit der Premiere von „Hairspray“ eröffnet – wir waren dabei und berichten für euch:

In „Hairspray“ sind die Jugendlichen aus Baltimore große Fans einer Tanzsendung, der „Corny Collins Show“ – so auch die pummelige Tracy Turnblad. Sie wäre gerne Teil der Sendung, wobei ihre Mutter Edna deshalb Bedenken hat. Als eine Tänzerin ausscheidet gibt es ein offenes Casting, das Tracy – mit Hilfe des farbigen Seaweeds – für sich entscheiden kann. Mit ihrem Debüt – als erste, etwas kräftigere Teilnehmerin – beginnt ein Wandel, wobei Tracy die Plattform nutzt und sich gegen die Rassentrennung einsetzt.

Marc Shaiman komponierte die Musik und fängt damit den Charme der Sixties, mitsamt dem Rock ‘n‘ Roll-Sound und auch „schwarzer Musik“, gut ein und sorgt für einige Ohrwürmer, die man beim Verlassen des Theaters mit nach Hause nimmt – 2003 wurde er dafür den Tony-Award ausgezeichnet. Die Texte von Shaiman und außerdem Scott Wittman (deutsche Übersetzung von Jörn Ingwersen & Heiko Wohlgemuth) sorgen für dem passenden Inhalt und enthalten einige Witze, die selten plump oder albern sind. Dazu sorgt die 22-köpfige Band  – unter der Leitung von Tom Bitterlich – für einen kräftigen, schwungvollen Sound, dem man gerne zuhört. Dank der Abmischung (es gab lediglich zeitweise Mikrofon-Rauschen) versteht man alle Texte problemlos – sollte man Probleme beim Verständnis der englischen Lieder haben, kann man den Text auf den Untertiteln im Stuhl des Vordermannes mitverfolgen.

Als ‚Tracy Turnblad‘ steht Ariana Schirasi-Fard auf der Bühne. Sie verkörpert den lebenslustigen Teenager glaubhaft und steht voll und ganz für ihre Überzeugungen ein – eine kräftige Stimme und viel Spaß am Spiel runden das gelungene Gesamtpaket ab.

Ihre Mutter ‚Edna‘ spielt Riccardo Greco. Dabei ist er keineswegs ein Mann in Frauenklamotten, sondern eine liebevolle Mutter, die für ihr Kind nur das Beste möchte und ihre Eigenarten hat. Die gekonnt platzierten Gags sorgen für einige Lacher und machen ihn zum Publikumsliebling.
Ihm steht Rob Pelzer als Scherzladen-Besitzer und Ehemann mit Herz, ‚Wilbur‘, zur Seite – zusammen bilden sie ein liebenswertes Duo.

Peter Lewys Preston ist als sympathischer Moderator ‚Corny Collins‘ der Gastgeber der gleichnamigen Show, wobei mit viel Schwung durch die Sendung führt.
‚Velma van Tussle‘ (Anaïs Lueken) produziert die Sendung, wobei sie immer versucht das Beste für ihre Tochter ‚Amber‘ (Hanna Kastner) zu bekommen. Die beiden Unsympaten haben die Sendung fest im Griff und machen Tracy das Leben schwer, was besonders in „Velmas Rache“ stimmstark deutlich wird.

‚Link Larkin‘ ist der gutaussehende, junge „Schnulzensänger“ in der „Corny Collins Show“. Zu Beginn ist er mit Amber zusammen, wobei der Auftritt von Tracy – die sich in „Glocken klingen hell“ sehr unterhaltsam ihn verliebt – auch Auswirkungen auf ihn hat. Gernot Romic stellt die Entwicklung des Charakters glaubhaft dar und wird dem „Schnulzensänger“ stimmlich mehr als gerecht.

Dinipiri Etebu ist als ‚Seaweed‘ ein farbiger Teenager mit viel Charme und ein talentierter Tänzer, wobei er auch stimmlich überzeugen kann. Seine Mutter ‚Motormouth Maybelle‘, gespielt von Amanda Whitford, moderiert den monatlichen „Negertag“ im Sender und setzt sich – trotz Erkältung – mit kräftiger Stimme und einer starken Bühnenpräsenz für die Integration ein.

Dem ganzen Ensemble merkt man die Spielfreude an. Stimmlich unterstützt es in den großen Shownummern mit viel Energie und auch die zeitgemäßen Choreografien von Dennis Callahan werden auf den Punkt ausgeführt.

Die Inszenierung von Matthias Davids funktioniert und unterhält bestens, wobei sie nur selten an Schwung verliert. Die Aussage des Stückes wird gut transportiert er und auch die humorvollen Elemente kommen gut an. Das Bühnenbild (Hans Kudlich) und auch die Kostüme (Leo Kulaš) zeigen stets ein passendes Bild – von der farbenfrohen Show-Welt der „Corny Collins Show“ bis zu den tristeren Vierteln von Baltimore. Das Lichtdesign von Michael Grundner unterstützt das nochmals.

Insgesamt bietet „Hairspray“ in Linz kurzweilige Unterhaltung auf hohem Niveau. Am Ende kommt die wichtige Botschaft gegen Rassismus  an und man geht mit guter Laune aus dem Theater, was neben den schwungvollen Liedern vor allem an der spielfreudigen und optimal besetzten Cast liegt.

Weitere Informationen und Tickets für „Hairspray“ am Landestheater Linz erhaltet ihr hier.

Vielen Dank an das Landestheater Linz für die Einladung und die freundliche Bereitstellung der Karten.

(Bildquelle (c) Barbara Palffy)

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