Gino Emnes ist derzeit in der Hauptrolle der ‚Lola‘ bei „Kinky Boots“ im Hamburger Operettenhaus zu sehen. Dort trafen wir ihn, um mit ihm über das Stück und seine Rolle darin sowie über seine erste Solo-CD „Ich sing mein Lied“ zu sprechen.

Lest hier unser Interview oder schaut euch es euch als Video an:

Musicalzone.de: Gino, kannst du dich bitte unseren Lesern vorstellen?

Gino Emnes: Hallo, ich bin Gino Emnes und ich spiele derzeit bei „Kinky Boots“ in Hamburg ‚Lola‘.

MZ: Kannst du uns etwas über diese Rolle erzählen?

GE: Lola ist eine Drag Queen, die – bis sie Charlie in London begegnet – immer auf Frauenschuhen rumgelaufen ist und danach versuchen die beiden Frauenschuhe für Männer zu machen. Lola selbst ist eine lebensfrohe Frau, die als Mann viel erlebt hat. Soviel für den Moment…

MZ: Als Drag Queen stehst du den Abend über auf High Heels – wie schwer fällt dir das Laufen auf diesen und die feminine Art?

GE: Die High Heels sind schon sehr gewöhnungsbedürftig und man muss am Anfang auch etwas üben, aber es hilft einem als Schauspieler sehr solche Stiefel zu tragen. Dadurch verändert sich deine Haltung total und auch unsere Kostüme helfen. Und ob ich damit klar komme… Es ist die Rolle und total anders als das, was ich bisher gemacht habe.
Letzten Sommer habe ich „Rocky Horror“ gespielt und ‚Frank ‘n‘ Furter‘ ist auch androgyn, aber Lola ist ‚classy drag‘ und das ist nochmal eine ganz andere Stufe. Es macht auch Spaß! Für mich ist es aber auch interessant den Mann hinter den Klamotten zu zeigen – natürlich ist Lola eine Drag Queen, aber Simon ist mir auch wichtig.

MZ: Im Stück geht es um Toleranz und Individualität. Wie wichtig findest du Thematik in der heutigen Zeit?

GE: Leider ist es unfassbar wichtig – ich sage „leider“, weil wir in 2018 leben und immer sagen „Wir sind tolerant“ und „Wir akzeptieren alle“, aber dass diese Show so gut ankommt heißt immer noch, dass sie bei uns resoniert. Das ist natürlich auch weil wir Menschen sind und wir uns selbst sowie unsere Nächsten lieb haben müssen, aber es bedeutet, dass es immer noch ein Thema ist. Ob es nun Homosexualität oder einfach anders sein ist – es geht nicht nur um Homosexualität. Anders zu sein ist immer noch ein Thema und das ist schade!

MZ: Was können Besucher von „Kinky Boots“ erwarten und was macht es deiner Meinung nach sehenswert?

GE: Zuallererst hat man einen wunderschönen Abend – das ist sicher! Man geht mit einem Lächeln raus, auch wenn man anfangs nicht weiß was einen erwartet. Die Energie auf der Bühne reißt einen sofort mit und wenn Lola mit ihren ‚Angels‘ auftaucht, wird die Show nochmal eine ganz andere und um eine Dimension erweitert. Was mir und auch der Show wichtig ist, ist, dass man mit einem Lächeln rausgeht, aber auch den Gedanken „Was habe ich gerade erlebt und was hat das mit mir gemacht?“. Es ist Emotion immer abgewechselt mit einem Lächeln und auch ein Tränchen wird öfters verdrückt.

MZ: Und hast du eine Lieblingsszene?

GE: Ich mag drei Szenen sehr gerne: „Nie dieser Sohn“ ist ein Song zwischen Charlie und Lola, wo Simon eigentlich erklärt was in seinem Leben und mit seinem Vater passiert ist.
Dann gibt es auch eine Szene, in der Lola Don trifft und erklärt bzw. zeigt, jemanden so zu akzeptieren wie er ist. Die Szene finde ich auch sehr wichtig, weil das Publikum hier auch einen Aha-Moment hat, obwohl es wieder mit einem Augenzwinkern ist. Ich glaube, dass das auch in dem Moment resoniert.
Die Streit-Szene mit Charlie mag ich auch sehr gerne, weil man an diesem Punkt auch wieder den Ernst sieht, wo sie vorher schön Schuhe hergestellt haben. Das ist für mich auch ein Spiegel wie wir in der Gesellschaft teilweise sind: Es ist alles schön bis es bei mir daheim passiert und dann wird daraus Ernst… Das finde ich auch wieder sehr schön inszeniert!

MZ: Mittlerweile warst du auf der Bühne in „König der Löwen“ und auch „Rocky“ zu sehen. Macht diese Vielfalt den Job so spannend?

GE: Ja, das ist mein Beruf und ich bin für diese Möglichkeiten auch sehr dankbar! Ich habe in Holland mit „Fame“ und „Cats“ angefangen und kam 2001 mit „König der Löwen“ nach Deutschland. Dann bin ich viel gereist und bin mit „Sister Act“ nach Deutschland als ‚Schwitzefritze‘ zurückgekommen. Danach kam ‚Apollo Creed‘ in „Rocky“ und jetzt wieder hier in Hamburg ‚Lola‘.
Und was will man als Schauspieler mehr als so einen Lebenslauf zu haben und verschiedene Rollen zu spielen bzw. Seiten von dir zu zeigen?

MZ: Du spielst nun zum wiederholten Mal in Hamburg – was bedeutet die Stadt für dich?

GE: Ich lebe hier und bin auch sehr dankbar wieder hier zu spielen, wo ich wohne. Und es ist natürlich eine wunderschöne Stadt!

MZ: Kürzlich hast du außerdem dein erstes Solo-Album „Ich sing mein Lied“ veröffentlicht – was kann man davon erwarten?

GE: „Ich sing mein Lied“ bedeutet eigentlich „Ich erzähle meine Geschichte“. Das ist ein soulful, jazzy, popig und auch manchmal etwas musical-artig – aber es sind keine Musical-Songs oder Cover drauf. Die Leute kennen mich eher von der Bühne in verschiedenen Rollen und nicht Gino – mit diesem Projekt wollte ich den Leuten etwas die Möglichkeit geben mich durch Lieder kennenzulernen. Die Texte sind von mir oder Freunden selbst geschrieben und es ist meine Geschichte. Es ist schön, wenn Leute mit mir auf Reise durch mein Leben gehen.

MZ: Hast du sonst noch Pläne für die Zukunft, die du uns schon mitteilen kannst?

GE: Als Mensch ja, als Darsteller… Wir haben gerade erst mit „Kinky Boots“ Premiere gefeiert und ich habe eine CD herausgebracht  – die beiden Projekte manche ich erstmal mit ganzer Hingabe und Spaß. Das ist erstmal genug! *lacht*

MZ: Vielen Dank für deine Zeit und die interessanten Einblicke – alles Gute weiterhin!

Das Interview könnt ihr hier als Video (inklusiver einiger Szenen aus der Produktion) anschauen:

Wer Gino Emnes in „Kinky Boots“ live sehen möchte kann hier Tickets für das neue Musical auf der Reeperbahn bestellen.

Vielen Dank an Gino Emnes für die Beantwortung der Fragen und an Stage Entertainment für die Interview-Möglichkeit!

(Bildquelle (c) Stage Entertainment)

Christoph ist 20 Jahre alt und hat musicalzone.de 2015 ins Leben gerufen, um seine Begeisterung für Musicals mit Gleichgesinnten zu teilen. Seitdem ist er oft im Theater anzutreffen, wenn er nicht gerade studiert oder arbeitet.

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