Das Rockmusical „Rent“ war seinerzeit eine Revolution innerhalb des Genres des jungen, damals noch unbekannten Komponisten Jonathan Larson. Allerdings erlebte er diese aufgrund seines Todes am morgen der ersten Preview leider nicht mehr mit. Doch bereits zuvor bezeichnete er sich selbst überzeugt als „Zukunft des Musicals“, wenngleich der Weg bis dahin kein leichter war. Diese Geschichte erzählt sein autobiographisches Musical „tick, tick… BOOM!“, welches Lin-Manuel Miranda nun für Netflix verfilmt hat:

Das Musical „tick, tick… Boom!”:

Jonathan Larson steht kurz vor seinem dreißigsten Geburtstag als sein futuristisches Rockmusical „Superbia“ nach acht Jahren Arbeit an Buch & Musik endlich seinen ersten Workshop erleben soll. Während er noch als Kellner seinen knappen Lebensunterhalt verdient, hatte sein Vorbild Stephen Sondheim in diesem Alter bereits „West Side Story“ geschrieben. Auch seine Freunde wenden sich inzwischen anderen Jobs zu, die mehr Sicherheit versprechen, was ihn zunehmend verunsichert.

Larson hat nach dieser Erfahrung seine Geschichte aufgeschrieben und erstmals als Rockmonolog performt, bevor David Auburn es nach seinem Tod in ein Stück für drei Personen adaptiert hat. Steven Levenson („Dear Evan Hansen“) hat für die Verfilmung ein stringentes Drehbuch geschrieben, welches das Publikum auf die intensive Reise rund um die Tage der Präsentation seines ersten Musicals „Superbia“ mitnimmt.

Passend eingewoben sind hierbei Larsons mitreißende Songs (produziert von u.a. Alex Lacamoire), die in seinem inzwischen bekannten, rockigen Stil nebst Balladen Einblick in seine einzigartige Gedankenwelt gewähren, aber auch alltägliche Dinge unterhaltsam thematisieren.

Die Besetzung des Films:

Andrew Garfield verkörpert den charmanten, einzigartigen Jonathan Larson, der vor Leidenschaft für seine Kunst sprüht, sofern er nicht gerade in seine Gedanken oder Zweifel vertieft ist. Er steckt seine ganze Seele in die Arbeit, sodass ihn die Tiefen umso härter mitnehmen. Garfield stellt die ganze Bandbreite der Emotionen im kreativen Schaffensprozess authentisch dar und macht auch stimmlich sowie am Piano eine gute Figur, die der von Larson seinerzeit frappierend nah kommt.

Robin de Jesús bleibt als treuer Freund ‚Michael‘ auf anderem Weg stets an seiner Seite. Allerdings hat er sich für einen gutbezahlten Marketingjob statt der Schauspielkarriere entschieden. Er durchlebt sämtliche Höhen und Tiefen gefühlvoll mit.

Alexandra Shipp harmoniert als seine Lebensgefährtin ‚Susan‘ gut mit Larson. Allerdings nur bis zu dem Punkt an dem sie realisiert, dass sein Fokus im Leben woanders liegt. Sie erkennt, dass sie an seiner Seite nicht ihren Weg gehen kann. Shipp macht ihren Standpunkt eindrücklich klar und lässt in ihrem Schmerz über die Entscheidung die Liebe für ihn mitschwingen.

Die Inszenierung von Lin-Manuel Miranda:

Lin-Manuel Miranda, der selbst von Werken wie „Rent“ inspiriert wurde, erzählt Larsons Geschichte auf den Bühnen New Yorks. Eine davon ist die der Second Stage während der Aufführung von „tick, tick… Boom!“ bzw. seinerzeit „Boho Days“, wo die Hauptfigur selbst dem Publikum zugewandt durch die Handlung führt. Auf dieser Bühne wird er von einer vor Esprit sprühenden Vanessa Hudgens als ‚Karessa‘ und dem stimmstarken Joshua Henry als ‚Roger‘ sowie einer mitreißenden Band unterstützt. Andererseits erlebt man den Alltag im New York City der 90er, welches von Alex DiGerlando sowie mit Kostümen von Melissa Toth sowie teils stilistisch passenden Linsen von Alice Brooks authentisch wiederbelebt wird. Die Wechsel sind nahtlos, sodass der Film durch diesen gelungenen Kunstgriff nichts an seiner Dynamik einbüßt. Mirandas Inszenierung ist an sich weitestgehend unverschnörkelt, weißt in sich stimmig Liebe zu Details und vor allem zum Broadway auf, die begeistert.

„tick, tick… Boom!“ ist eine gelungene Hommage an das Leben und Wirken von Jonathan Larson, die bestimmt das Herz jedes leidenschaftlichen Musicalfans mitreißen wird.

Ab 19. November 2021 könnt ihr die Verfilmung des Musicals „tick, tick… Boom!“ auf Netflix schauen und zuvor bereits in ausgewählten Kinos!

Vielen Dank an Netflix für die freundliche Bereitstellung eines Pressezugangs!

(Bildquelle (c) Netflix)

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