Mit „Come from Away – Die von woanders“ zeigt das Musiktheater Linz eine außergewöhnliche Musicalproduktion, die seit ihrer Uraufführung am Broadway 2017 weltweit für Begeisterung sorgt. Die deutschsprachige Fassung des preisgekrönten Stücks (wir führten dazu bereits ein Interview mit dem Tony-Award-ausgezeichneten Regisseur Christopher Ashley) feiert nun ihre österreichische Erstaufführung am Musiktheater in Linz, die wir für euch besucht haben:
Das Musical ,,Come from Away – die von woanders“:
Basierend auf wahren Begebenheiten erzählt das Stück von Irene Sankoff und David Hein von den unmittelbaren Auswirkungen der Terroranschläge vom 11. September 2001 auf die kanadische Stadt Gander. Die kleine Gemeinde auf Neufundland sieht sich plötzlich mit der Aufgabe konfrontiert, über 7000 gestrandete Flugreisende aufzunehmen. Diese strandeten infolge der Luftraumsperrung in den USA durch die Umleitung von 38 Transatlantikflügen in der kanadischen Kleinstadt.
Bereits binnen Stunden organisieren die Einwohner:innen Notunterkünfte, Mahlzeiten, Kleidung und spenden Trost für Passagiere aus aller Welt sowie deren Haustiere. Das Stück erzählt die Geschichte im durchgängigen Ensemble-Format: Alle Darsteller:innen übernehmen mehrere Rollen, von Passagieren über Crewmitglieder bis hin zu Bewohner:innen Ganders. Dadurch entsteht ein dichtes, vielschichtiges Bild der Ereignisse, das die menschlichen Reaktionen auf außergewöhnliche Umstände greifbar und nahbar macht.
Musikalisch wird die Handlung von einem mitreißenden Celtic-Folk-Rock-Score getragen. Besonders die Eröffnungs- und Schlussnummer „Welcome to the Rock“ reißt das Publikum mit rhythmischer Wucht direkt mit. Die Band ,The Newfound Shreekers‘, sichtbar am Bühnenrand platziert, wird teilweise szenisch integriert, wodurch eine warme, organische Atmosphäre geschaffen wird. Unter der musikalischen Leitung von Tom Bitterlich spielen die Musiker:innen kraftvoll und mit großer Präzision.
Die Besetzung der Vorstellung:
Die Ensemblearbeit ist das Herzstück dieser Produktion und funktioniert am Musiktheater Linz hervorragend. Durch prägnante Rollenwechsel, kluges Timing und passende Abstimmung zwischen Spiel, Gesang und Bewegung bleibt die Handlung stets nachvollziehbar. Besonders in den Gruppenszenen entfaltet sich die emotionale Bandbreite der Figuren – von Unsicherheit über Mitgefühl bis hin zu Hoffnung und leisem Humor.
Sanne Mieloo verkörpert die Rolle der Pilotin ,Beverley‘ mit starker Stimme und ruhiger Bühnenpräsenz. In ihrer Darstellung gelingt ihr die Balance aus Autorität und Verletzlichkeit. Besonders in den ruhigeren Momenten nimmt sie das Publikum glaubwürdig mit in eine Extremsituation.
Gernot Romic und Lukas Sandmann bringen das Paar ,Kevin T.‘ und ,Kevin J.‘ mit pointierter Komik und emotionalem Feingefühl auf die Bühne. Ihre Szenen zeigen, wie fragil emotionale Stabilität sein kann – sowohl im Alltag als auch in Ausnahmesituationen.
Alexandra-Yoana Alexandrova als ,Diane‘ und Max Niemeyer als ,Nick‘ verkörpern ein bewusst ungleicheres Paar auf der Bühne, dessen behutsame Annäherung mit viel Gespür für Detail gespielt wird – immer im Hin und Her zwischen Zweifel, neuem Mut und unterdrückter Sehnsucht.
Karsten Kenzel bringt als Bürgermeister ,Claude‘ charmanten Pragmatismus, trockenen Humor und herzerwärmende Nahbarkeit in seine Rolle, stets authentisch und prägnant im Spiel.
Auch Christian Fröhlich, Fabian Koller, Astrid Nowak, Sarah Schütz,, Lynsey Thurgar, Patrizia Unger und David Rodriguez-Yanez überzeugten in ihren wechselnden Rollen mit klarer Stimmführung, starker Bühnenpräsenz und spürbarer Spielfreude.
Die Show in Linz:
Intendant Matthias Davids und Dramaturg Arne Beeker bringen die Geschichte mit Feingefühl und Gespür für Tempo, Ensemblearbeit und emotionale Spannungsbögen auf die Bühne.
Die Inszenierung lebt vom raschen Rollenwechsel, rhythmisch klar gesetzten Szenenübergängen und einer klugen Bühnenaufteilung. Trotz der ständigen Transformationen von Szene oder Charakter sind die Handlungsstränge nachvollziehbar und klar untermauert.
Das Bühnenbild von Andrew D. Edwards bleibt bewusst reduziert: Stühle, Tische und wenige Requisiten werden immer wieder neu arrangiert, sodass mit minimalen Mitteln eine Vielzahl an Schauplätzen entsteht- etwa der Innenraum eines Flugzeugs, ein Klassenzimmer, oder ein Bus voller gestrandeter Passagiere. Besonders eindrücklich: Der Moment, in dem aus Sitzreihen durch kleine Umbauten und Lichtakzente ein Flugzeug entsteht, das die angespannte Atmosphäre kurz vor der Landung in Gander eindrücklich wiedergibt.
Zudem wird die Handlung durch das subtile, wirkungsvolle Lichtdesign von Michael Grundner und das klug eingesetzte Videodesign von Gregor Eisenmann auf einer Leinwand hinter dem Bühnengeschehen unterstützt.
Adam Nees Kostüme unterstützen die schnellen Rollenwechsel effektiv, es wird mit wenigen, alltagstypischen Kleidungsstücken eine klare visuelle Unterscheidung geschaffen. Oft genügt eine Jacke oder ein Kopftuch, um die Figur zu wechseln, ohne das Spiel zu unterbrechen – das trägt wesentlich zur Dynamik der Inszenierung bei.
Die Choreografie von Kim Duddy wirkt nie überinszeniert, sondern entfaltet ihre Wirkung vor allem in den fließenden Bewegungen der Gruppenszenen. Besonders bei Szenenwechsel, wenn etwa von Dialogen in Songs übergegangen wird oder sich die Szene von einem Flugzeug in eine Notunterkunft verwandelt, sorgen die Choreografien mit gezielter Bewegungssprache für fliessende Übergänge.
,,Come from Away – die von woanders“ am Musiktheater Linz ist ein berührender Abend über Solidarität, Menschlichkeit und den Rückhalt, den Gemeinschaft spenden kann. Die Inszenierung am Musiktheater in Linz ist erfrischend belebend, in schauspielerischen Belangen vollumfassend begeisternd und eine Freude anzusehen und zuzuhören – es lädt ein mitzudenken, in einem Rahmen der den nötigen Respekt angesichts der tragischen Geschehnisse nicht verliert.
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Weitere Informationen und Tickets für „Come from Away – die von woanders“ am Landestheater Linz erhaltet ihr hier.
Besuchte Vorstellung: 27. Dezember 2025 im Musiktheater Linz
Vielen Dank an Landestheater Linz für die freundliche Bereitstellung der Pressekarten für „Come from Away – die von woanders“!
(Bildquelle (c) Reinhard Winkler)

Sophia ist 27 Jahre alt und schreibt seit Frühjahr 2023 Beiträge für Musicalzone.de. Sie ist auch außerhalb des Musical-Genres öfter im Theater anzutreffen. Neben ihrer Passion rund ums Theater befindet sich Sophia in ihrem Doktoratsstudium der Naturwissenschaften.





