Nach ihrer ersten Spielzeit in Köln im Jahr 2024 kehrt die auf St. Pauli beheimatete Musicalfamilie König nun zum zweiten Mal in die Domstadt am Rhein zurück. Weit entfernt vom heimischen Hamburger Kiez gastiert die Produktion der Schmidts Tivoli GmbH auch in diesem Sommer an der Volksbühne am Rudolfplatz. Wir haben und die Show angesehen:

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Das Musical „Die Königs vom Kiez“

Das Stück begleitet die Familie König durch ihren turbulenten Alltag auf und neben der Hamburger Reeperbahn. Während die vier Kinder versuchen, die Familie trotz finanzieller Schwierigkeiten über Wasser zu halten, sorgt ihr arbeitsunwilliger und alkoholkranker Vater immer wieder für neue Probleme. Als schließlich eine Räumungsklage droht, scheint die Lage aussichtslos. Überraschende Wendungen geben der Familie jedoch neue Hoffnung und zeigen, dass nur eines auf dem Kiez zählt: Zusammenhalt.

Das Musical aus der Feder von Martin Lingnau und Heiko Wohlgemuth lebt von Doppeldeutigkeiten und einer gehörigen Portion schwarzem sowie in Teilen „politisch inkorrektem“ Humor. Die frechen Songtexte von Wohlgemuth und die eingängigen Melodien von Lingnau passen dabei perfekt zum derben Charme des Hamburger Kiezes. Diese bleiben insgesamt jedoch eher im Hintergrund – die Handlung und der Humor stehen klar im Vordergrund. Die Melodien sind dennoch erstaunlich eingängig und bleiben auch nach Ende der Vorstellung im Ohr. Die Musik kommt zwar nicht live aus dem Orchestergraben, ist jedoch gut abgemischt.

Auch wenn manche Witze bewusst überspitzt und anzüglich daherkommen, sorgen sie immer wieder für unterhaltsame und amüsante Momente. Einzelne Pointen wirken jedoch aus der Zeit gefallen. Vereinzelt ist im Publikum eine gewisse Irritation deutlich spürbar – etwa bei der Darstellung der indischen Figur mit überzeichnetem Akzent und stereotypischer Gestik oder bei Pointen über Homosexualität. Was als humorvolle Überspitzung gedacht sein mag, wirkt stellenweise fragwürdig. Dennoch findet der derbe Humor weiterhin sein Publikum: Nahezu alle Pointen und Überspitzungen zünden und sorgen für herzhafte Lacher im Saal.

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Die Besetzung der Vorstellung

Eine besondere Stärke der Inszenierung ist das spielfreudige und hervorragend harmonierende siebenköpfige Ensemble. Gesanglich wird es aufgrund der Anlage der Partitur nur am Rande gefordert – schauspielerisch dafür umso mehr. Und gerade hier weiß es auf ganzer Linie zu überzeugen:

Malte Fuhrer verkörpert den dauerbetrunkenen und sichtlich verwahrlosten „Käpt’n“, das selbst ernannte Oberhaupt der Familie. Sichtlich viel Freude hat er am Spiel mit dieser streitbaren und zugleich skurrilen Figur.

Kathrin Finja Meier spielt Marie König, die älteste Tochter, die den Familienalltag organisiert und zusammenhält. Ihr sind wohl die meisten Gesangsparts vergönnt. Mit ausdrucksstarker, warmer Stimme fügt sie sich bestens in das musikalische Ensemble ein. Stefan Stara steht ihr als Alex zur Seite. Den einfühlsamen und aufmerksamen Charakter nimmt man ihm jederzeit ab. Besonders im Duett mit Meier zeigt sich die stimmliche und spielerische Harmonie des Paares.

Christian Petru übernimmt die Doppelrolle von Benny und Björn König. Der Wechsel zwischen den beiden Figuren gelingt ihm sowohl optisch als auch schauspielerisch überzeugend – nicht zuletzt, weil sich ihre Charaktere deutlich voneinander unterscheiden. Gleiches gilt für Stefan Reil, der zahlreiche Rollen übernimmt. Besonders bemerkenswert ist das Gespür der beiden für das Publikum: Individuelle Reaktionen greifen sie spontan auf und bauen sie binnen Sekunden in ihr Spiel ein.

Die liebestolle Berta, gespielt von Tina Schöltzke, ist wohl der Publikumsliebling. Mit derbem Humor, viel Charme und einer gehörigen Portion Selbstironie sorgt sie immer wieder für Lacher. Dabei verleiht Schöltzke ihrer Figur eine wunderbar schräge Mischung aus Naivität, Temperament und Lebensfreude.

Anna Dekker verkörpert die hinterlistige und rotzige jüngste Tochter der Königs, die selbst erst vor Kurzem Mutter geworden ist. Rebellisch und selbstbewusst bringt sie die Figur mit klarer Stimme auf die Bühne und setzt auch gesanglich eigene Akzente.

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Die Show in Köln

Das Bühnenbild von Heiko de Boer entführt das Publikum in ein heruntergekommenes, chaotisch wirkendes Wohn-Ess-Zimmer einer Souterrain-Wohnung auf dem Hamburger Kiez. Der Raum verfügt über verschiedene Türen im Sinne einer klassischen Boulevardkomödie: Sie schaffen zahlreiche Möglichkeiten für schnelle Auf- und Abtritte, wodurch ein hohes Tempo und eine turbulente, dynamische Atmosphäre entstehen.

Die Choreographien von Benjamin Zobrys sind eher schlicht gehalten und kommen insbesondere in den Ensemblenummern zur Geltung. Die übrigen, meist solistisch oder im Duett gesungenen Songs kommen weitgehend ohne auffallende choreographische Elemente aus. Es überwiegt stets der theatralische Aspekt; der tänzerische Ausdruck tritt dagegen in den Hintergrund.

Corny Littmann setzt bei der Inszenierung ganz auf Tempo und unmittelbare Nähe zum Publikum. Die Inszenierung entwickelt sich dabei zu einem bewusst überdrehten, bisweilen chaotischen Bühnengeschehen, das gut zum Milieu und zum komödiantischen Charakter des Stücks passt. Das Publikum wird immer wieder direkt angesprochen, während Darstellerinnen und Darsteller regelmäßig im Saal auftauchen und unmittelbar mit den Zuschauerinnen und Zuschauern interagieren. Passend zum Kölner Publikum setzt die Inszenierung auch auf lokale Anspielungen: Witze über das benachbarte Düsseldorf zünden beim Publikum ebenso wie das Anstimmen von „Viva Colonia“.

„Die Königs vom Kiez“ punktet mit einem spielfreudigen Ensemble, hohem Tempo und viel Situationskomik. Eingängige Musik und die direkte Einbindung des Publikums sorgen für kurzweilige Unterhaltung. Derbe Pointen, schwarzer Humor und Hamburger Kiezcharme prägen die unterhaltsame Musical-Komödie“

Weitere Informationen zu „Die Königs vom Kiez“ erhaltet ihr hier.

Besuchte Vorstellung: Matinée am 05. September 2026, Volksbühne am Rudolfplatz Köln

Vielen Dank an die Volksbühne am Rudolfplatz gGmbH für die freundliche Bereitstellung von Pressekarten für „Die Königs vom Kiez“ an der Volksbühne am Rudolfplatz Köln

Bildquelle (c) Morris Mac Matzen

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