Maria Theresia – Das Musical bringt eine der prägendsten Persönlichkeiten der europäischen Geschichte als modernes Musical auf die Bühne des Ronacher. Die Produktion verbindet historische Themen mit zeitgemäßer Musik, starken Bildern und einem klaren Fokus auf die zentrale Figur.
Es beginnt mit einem leisen Atemzug. Ein Moment, in dem es im Saal ruhig wird und die Bühne den Raum übernimmt. Maria Theresia – Das Musical nutzt diesen Augenblick, um sich langsam aufzubauen. Wie ein Bild, das erst Konturen bekommt und dann immer deutlicher wird. Kein übertriebener Prunk zu Beginn, sondern ein klarer Blick auf die Frau, um die sich alles dreht.
Im Mittelpunkt stehen entscheidende Stationen ihres Lebens: der frühe Antritt der Regentschaft, der politische Druck aus ganz Europa, die Ehe mit Franz Stephan von Lothringen und die Tatsache, dass Maria Theresia sechzehn Kinder bekommt – und sie gezielt als Teil ihrer Heiratspolitik einsetzt. Familie und Macht lassen sich dabei nie trennen. Genau aus diesem Spannungsfeld zieht das Stück seine Energie.
Zwischen Macht und Verantwortung
Musikalisch bewegt sich das Musical zwischen eingängigen Ensemble-Nummern und ruhigeren Momenten. Pop, Balladen und rhythmisch gesprochene Passagen wechseln sich ab. Gerade die Rap-Elemente erinnern stellenweise an das Musical Hamilton: schnell, klar, direkt, mit viel Text und Tempo. Das wirkt frisch und treibt die Handlung voran. Nicht jeder Song bleibt sofort hängen, manche Szenen funktionieren stärker durch ihre Wirkung auf der Bühne als durch ihre Melodie – insgesamt ergibt sich aber ein klarer musikalischer Fluss.
Diese musikalische Dynamik setzt sich auch in der Inszenierung fort. Der Abend bleibt in Bewegung, Szenen greifen fließend ineinander, Konflikte werden zugespitzt, ohne zu überladen. Der Fokus bleibt dabei stets auf der Entwicklung der Hauptfigur gerichtet.
Auch optisch setzt die Produktion auf Größe. Das Bühnenbild arbeitet mit Ebenen, Treppen und schnellen Umbauten, die dem Abend Tempo geben. Zentrales Gestaltungselement ist die großflächige Videowand, die Räume öffnet, Stimmungen verstärkt und die Erzählung visuell unterstützt. Die Kostüme bewegen sich zwischen modern und barock. Historische Formen werden zeitgemäß interpretiert, opulent und farbenreich. Vieles erinnert an den Bridgerton-Stil – historisch angelehnt, aber bewusst modern gedacht.
Das Ensemble erweist sich dabei als tragende Säule des Abends. Die Szenen wirken geschlossen und kraftvoll, Chor und Bewegung greifen sauber ineinander. Besonders die Gruppenszenen verleihen dem Musical seine Wucht und treiben das Geschehen spürbar voran.
Amelie Polak als Maria Theresia
Amelie Polak in der Titelrolle trägt diesen Abend. Ihre Maria Theresia ist keine überhöhte Figur, sondern eine Frau, die Schritt für Schritt in ihre Rolle hineinwächst. Polak arbeitet mit kleinen Gesten, klarer Körpersprache und einem sehr bewussten Einsatz von Blicken und Pausen. Das wirkt ruhig, aber bestimmt.
Stimmlich überzeugt sie mit warmer Farbe und sicherer Führung. In leisen Momenten zeigt sie Verletzlichkeit, in kraftvollen Szenen Präsenz und Standfestigkeit. Besonders stark sind jene Passagen, in denen sich politische Verantwortung und private Überforderung begegnen – etwa als Mutter vieler Kinder und gleichzeitig Herrscherin eines riesigen Reiches. Polak macht diese Zerrissenheit spürbar, ohne sie auszuspielen.
Darstellerische Akzente
Auch die Nebenrollen tragen viel zur Wirkung des Abends bei. Moritz Mauser gibt Friedrich von Preußen kühl und berechnend, aber nicht eindimensional. Seine Auftritte bringen Spannung und machen den politischen Druck deutlich, unter dem Maria Theresia steht. Fabio Diso setzt als Franz Stephan von Lothringen einen warmen Gegenpol. Seine Szenen zeigen Nähe, Loyalität, aber auch Überforderung und machen die private Seite der Mächtigen sichtbar.
Annemarie Lauretta und Annemieken van Dam geben dem höfischen Umfeld Profil und Atmosphäre. Andreas Wolfram bringt Strenge und Gewicht in die politischen Szenen. Dominik Hees setzt gezielte Akzente, die das Spannungsfeld zwischen Familie und Staatsräson zusätzlich schärfen. Gemeinsam entsteht ein Ensemble, das geschlossen wirkt und die Geschichte trägt, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.
Zum Schluss bleibt ein Abend, der nicht jede Idee perfekt ausformuliert, aber klar zeigt, was er will. Nicht jeder Song bleibt im Ohr, und nicht jede Szene trifft gleich stark. Doch die Mischung aus moderner Musik, Rap-Elementen, großer Bildsprache, zeitgemäßen Kostümen und einem starken Cast sorgt für viele eindrucksvolle Momente.
Amelie Polak führt diesen Abend mit Ruhe, Klarheit und Gefühl. Ihre Maria Theresia zweifelt, wächst und trifft Entscheidungen – und bleibt dabei immer nahbar. Ein großes, emotionales Musical, das Geschichte nicht erklärt, sondern erlebbar macht.
Weitere Informationen und Tickets für „Maria Theresia – Das Musical“ im Ronacher Wien erhaltet ihr hier.
Besuchte Vorstellung: 09. Dezember 2025
Vielen Dank an die Vereinigten Bühnen Wien für die freundliche Bereitstellung der Pressekarten für „Maria Theresia – Das Musical“!
(Bildquelle (c) VBW_ Deen van Meer)

Elisa Loy ist 36 Jahre alt und hat ihre Leidenschaft für Musicals mit 14 entdeckt – bei Starlight Express. Seither nutzt sie jede Gelegenheit, Produktionen in Wien, Deutschland und auf der ganzen Welt zu erleben. Besonders faszinieren sie die Gänsehautmomente, die Art, wie Musicals neue Perspektiven eröffnen und Geschichten lebendig machen. Dabei interessiert sie vor allem der Mensch hinter der Bühne – seine Geschichte zu hören und weiterzuerzählen.
Nach ihrem Journalismusstudium in Köln arbeitete sie in unterschiedlichen Bereichen der Medien- und Kommunikationswelt und verbindet heute ihre journalistische Erfahrung mit ihrer Begeisterung für die Bühne. Neben ihrer Tätigkeit für Musicalzone ist sie auch als Coach und Texterin aktiv. Abseits der Musicalwelt ist sie beim Tanzen, Singen, beim Reisen, mit ihrer Nichte oder Freunden, beim Lesen oder in der Natur anzutreffen.





