Kann – oder sollte – man einen Filmklassiker wie „Zurück in die Zukunft“ überhaupt auf die Musical-Bühne bringen? Diese Frage schwebt über der deutschen Erstaufführung im Hamburger Operettenhaus. Denn der Film von 1985 ist kein gewöhnlicher Streifen, sondern nahezu perfekt konstruiertes Popcornkino mit Kultstatus. Die Musicaladaption, die zuvor bereits im Londoner West End und am Broadway erfolgreich lief, steht somit vor der Herausforderung, diese Mischung aus Tempo, Witz und erzählerischer Eleganz auf die Bühne zu übertragen. Wir haben die Show dort besucht und berichten euch:
Das Musical „Zurück in die Zukunft”:
Das Musical folgt der bekannten Handlung des Films: Marty McFly, ein Teenager aus den 1980er-Jahren, wird durch ein Zeitreise-Experiment seines exzentrischen Freundes Doc Brown in die 1950er katapultiert. Dort trifft er auf seine eigenen Eltern in jungen Jahren – und bringt durch sein Eingreifen unbeabsichtigt seine eigene Existenz in Gefahr. Um in die Gegenwart zurückzukehren, muss Marty dafür sorgen, dass sich seine Eltern verlieben – und gleichzeitig die Zeitmaschine rechtzeitig wieder zum Laufen bringen. Die Geschichte basiert auf dem Drehbuch von Robert Zemeckis und Bob Gale und übernimmt weitgehend dessen stringenten, klar strukturierten Aufbau.
Die Musik fügt sich stilistisch in die Tradition moderner Broadway-Shows ein und unterstützt vor allem Atmosphäre und Handlung. Sie bleibt jedoch eher funktional als wirklich prägend. Zwar gibt es einzelne gelungene Nummern mit Ohrwurmpotenzial, insgesamt fehlt es der Partitur jedoch an markanter Eigenständigkeit. Das Orchester unter der Leitung von Philipp Gras überzeugt dabei mit einem harmonischen und stilsicheren Klangbild.
Die Besetzung der Weltpremiere:
Raphael Groß als Marty McFly überzeugt mit lockerer Natürlichkeit und starker Bühnenpräsenz. Er findet eine gelungene Balance zwischen jugendlicher Energie und glaubwürdiger Verunsicherung, ohne sich an der Filmvorlage zu orientieren.
Jan Kersjes als Doc Brown bildet dazu das exzentrische Gegenstück: ein hochenergetischer, charmant-clownesker Wissenschaftler, der das humoristische Zentrum der Inszenierung bildet und seine Szenen mit sichtbarer Spielfreude prägt.
Sandra Leitner als Lorraine überzeugt in beiden Zeitebenen mit einer differenzierten Darstellung zwischen Verletzlichkeit und Entschlossenheit.
Terence van der Loo gestaltet George McFly mit einer nachvollziehbaren Entwicklung vom schüchternen Außenseiter zum selbstbewussteren Nerd, auch wenn die Rolle stellenweise zur Überzeichnung neigt.
Florian Sigmund rundet das Ensemble als Biff mit einer gelungen dosierten Karikatur ab.
Das Ensemble überzeugt insbesondere in den großen Tanzsequenzen, die stark vom Broadway-Stil geprägt sind. Gerade in den Szenen rund um Doc Brown entfalten sich synchrone, energiegeladene Choreografien, die das Publikum mitreißen und für Dynamik sorgen.
Die Show in Hamburg:
Die Inszenierung setzt bewusst auf Werktreue statt Neuinterpretation und lädt das Publikum zu einem Wiedersehen mit den ikonischen Figuren und Szenen ein. Besonders hervorzuheben ist die technische Umsetzung: Der DeLorean wird zum visuellen Mittelpunkt der Show und sorgt mit aufwendigen Licht-, Projektions- und Soundeffekten für beeindruckende Zeitreise-Sequenzen Wenn sich das Fahrzeug in Bewegung setzt und scheinbar abhebt, verschmelzen Theater und Kino zu einem eindrucksvollen Erlebnis. In diesen Momenten entwickelt die Inszenierung eine eigene, starke Bildsprache. Bühnenbild, Lichtdesign und Effekte greifen hier wirkungsvoll ineinander und erzeugen echte Wow-Momente.
Eine werkgetreue, technisch beeindruckende Adaption, die vor allem visuell begeistert – auch wenn die Musik nicht ganz mit dem Kultstatus der Vorlage mithalten kann.
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Weitere Informationen und Tickets für „Zurück in die Zukunft – Das Musical“ erhaltet ihr hier.*
Besuchte Vorstellung: 21.03.2026 im Operettenhaus, Hamburg
Vielen Dank an Stage Entertainment für die freundliche Einladung und Bereitstellung von Pressekarten von „Zurück in die Zukunft“ in Hamburg
(Bildquelle: Johann Persson)




