Die aktuelle Tournee des Wildhorn-Musicals „Dracula“ gastierte in der Jahrhunderthalle und setzt dabei auf Atmosphäre statt Effekt. Seit der Uraufführung 2001 in den USA hat sich das Werk mit der Musik von Frank Wildhorn international etabliert und wurde in zahlreichen Ländern gezeigt. Nun macht die Produktion erneut Station in Deutschland. Wir haben die Show in Frankfurt besucht und berichten euch:
Das Musical „Dracula”:
Im Kern erzählt „Dracula“ die Geschichte des jungen Anwalts Jonathan Harker, der im Auftrag nach Transsilvanien reist und dort dem geheimnisvollen Grafen Dracula begegnet. Bald zeigt sich, dass der Adelige ein Vampir ist, der nach England übersiedelt, um dort neues Leben – und neue Opfer – zu finden. Im Zentrum steht Minas Begegnung mit dem Grafen: eine Verbindung zwischen Faszination, Verführung und Verderben. Während Van Helsing den Kampf gegen das Übernatürliche aufnimmt, verdichtet sich das Geschehen zu einem Konflikt zwischen Liebe, Opferbereitschaft und der Sehnsucht nach Erlösung. Grundlage ist der berühmte Briefroman von Bram Stoker, dessen episodischer Aufbau sich auch in der Musicaldramaturgie widerspiegelt.
Die Musik von Frank Wildhorn vertraut auf große Melodiebögen und emotionale Zuspitzung. Zwischen sinfonischer Ballade und rockigem Aufbegehren entfaltet sich eine Partitur, die Ohr und Herz gleichermaßen fordert. In „Whitby Bay“ weht salzige Melancholie durch die Harmonien; „Frost in einer Sommernacht“ zeichnet mit kühler Zartheit das Paradox einer Liebe, die im Moment ihres Erblühens erstarrt. Und in „Eh du verloren bist“ bündelt sich Draculas existenzieller Kern: Sehnsucht, Schuld und die Ahnung ewiger Einsamkeit. Statt eines bombastischen Klangkörpers sorgt eine kompakte Live-Band für Transparenz und klangliche Differenzierung – man hört Details, Atem, das Zittern der Streicher.
Die Besetzung der Show:
In der Titelrolle des Dracula steht Jan Ammann im Zentrum des Abends. Sein Graf ist ein Getriebener, ein Liebender, ein Verdammter. Die Bedrohung liegt weniger im Ausbruch als im Innehalten. Stimmlich überzeugt Ammann mit warmem Timbre, klarer Höhe und kraftvoller Präsenz. Er gestaltet die Partie mit Intensität und kontrollierter Dramatik.
Mina erhält durch Lisa Habermann emotionale Tiefe und feine lyrische Momente. Besonders im Zusammenspiel mit Ammann entstehen spannungsgeladene Szenen zwischen Hingabe und Widerstand.
Als Jonathan Harker zeichnet Philipp Dietrich einen glaubwürdigen jungen Idealisten, der zwischen Pflicht und wachsender Bedrohung steht, aber in der stimmlichen Kraft noch etwas Luft nach oben hat.
Marius Bingel gibt dem Van Helsing Profil als rationaler Gegenpol zum übernatürlichen Geschehen.
Das Ensemble agiert geschlossen und spielfreudig. Gesanglich homogen und szenisch konzentriert, ordnet es sich der düsteren Gesamtstimmung unter. Die Choreografien bleiben bewusst reduziert. Bewegung dient der Erzählung und nicht dem Selbstzweck. Gerade diese Zurückhaltung unterstreicht den dramatischen Anspruch der Produktion.
Die Show auf Tour:
Die Inszenierung von Alex Balga setzt auf Atmosphäre statt Effekt. Ausgedehnte Tanznummern werden zugunsten einer stringenten Erzählweise vermieden – ein durchaus mutiger Schritt im heutigen Musicalbetrieb. Das Bühnenbild arbeitet mit Schatten und gebrochenen Lichtachsen, Räume entstehen aus dem Dunkel heraus. Kein überbordendes Dekor, sondern Andeutungen: eine Treppe, ein Tor, ein Hauch von Transsilvanien. Die Kostüme zitieren das Viktorianische, ohne museal zu wirken. Wohltuend verzichtet die Produktion auf flackernde Leinwände und übermäßige Projektionen – die Suggestion entsteht aus Licht, Musik und Spiel.
„Dracula – Das Musical“ ist auf Tour ein atmosphärisch dichtes Musikdrama, das vor allem durch Jan Ammanns intensive Interpretation nachhaltig beeindruckt.
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Weitere Informationen und Tickets für „Dracula – Das Musical“ erhaltet ihr hier.
Besuchte Vorstellung: Frankfurt, Jahrhunderthalle am Samstag, 7. Februar 2026
Vielen Dank an ShowSlot für die freundliche Einladung und die Bereitstellung von Pressekarten.
(Bildquelle: Nico Moser)

Benny ist 39 Jahre alt und begeisterter Musicalfan seit über 20 Jahren, als er das erste Mal „Cats“ und das „Phantom der Oper“ gesehen hat. Seit über zehn Jahren beschäftigt er sich auch beruflich regelmäßig mit Musicals, indem er für eine Tageszeitung bundesweit Stücke rezensiert. Ansonst schreibt er für sein Leben gerne und feuilletonistische Texte machen ihm großen Spaß. Deswegen freut er sich sehr seit Anfang 2026 Teil des Teams von Musicalzone.de zu sein.





