Ausgelassene Stimmung, schrille Figuren und jede Menge Ballermann-Flair – das verspricht das neue Musical über Deutschlands beliebteste Urlaubsinsel. „Malle Olé“ von der Playa Musical Produktions GmbH feierte seine Weltpremiere im Theater am Marientor in Duisburg. Wir waren dabei und berichten euch über den interessanten Stilmix:
Das Musical „Malle Olé“:
Die Handlung des Stücks verbindet Liebesdrama mit Partykomödie: Im Mittelpunkt steht der frisch getrennte Installateur Alex, der gemeinsam mit seinen Freunden nach Mallorca reist, um seinen Herzschmerz zu verdrängen. Dort trifft er unerwartet auf seine Ex-Freundin Laura, die bereits zu Beginn ihres Urlaubs dem Charme des wohlhabenden Viktor zu erliegen scheint. Als sich zudem herausstellt, dass Viktor mit zweifelhaften Hotelplänen die Partytempel des Ballermanns schließen will, gerät Alex nicht nur emotional unter Druck, sondern wird auch in den Konflikt um das legendäre Kultlokal „Bierkönig“ hineingezogen.
Das Buch von Sven-Oliver Müller, Matthias Dinter und Martin Ritzenhoff nimmt dabei so ziemlich jedes Ballermann-Klischee auf, das es gibt. Der Humor des Stücks ist derb und meist unter der Gürtellinie, was nicht jeder als gelungen empfinden mag. Die Autoren setzen auf überspitzte Darstellung und teils grenzwertige Witze, die beim Publikum durchaus zünden, aber in ihrer Komik nicht immer überzeugen können. Inhaltlich spitzt sich die Handlung auf Konflikte von fragwürdiger Relevanz zu: alkoholfreies Bier, das nicht „knallt“ und die Jungfräulichkeit eines Freundes von Alex. Dies wird die Zuschauerin oder den Zuschauer, der sich auf das Musical-Konzept rund um den Ballermann-Kosmos einlässt, wohl kaum stören – ganz im Gegenteil, es dürfte genau der Humor sein, den sie oder er erwartet.
Musikalisch gleicht das Stück einem wilden Ritt durch die bekanntesten Ballermann-Hits, ergänzt durch einzelne Neukompositionen. Letztere stammen aus der Feder von Mike Rötgens, einem in der Branche bekannten Produzenten, bleiben im Vergleich zu den bekannten Hits wie „Layla“, „Inselfieber“ und „Johnny Däpp“ jedoch kaum im Gedächtnis. Erfrischend neu interpretiert wird beispielsweise der Song „Schatzi schenk mir ein Foto“. Unabhängig von der eigenen Haltung gegenüber dieser Musik lässt sich eines dennoch festhalten: Dem einen oder anderen Ohrwurm kann sich selbst ein Nicht-Ballermann-Fan kaum entziehen. Die Musik wird nicht live gespielt – ein Umstand, der bei diesem musikalischen Konzept auch kaum ins Gewicht fällt. Die Abmischung des Premierenabends offenbart noch hörbare Schwächen.
Die Besetzung der Vorstellung:
Peter Knauder übernimmt die Rolle des Installateurs Alex, dessen Charakter mit eher simplen Zügen versehen ist. Dennoch gelingt es ihm, das Beste aus der etwas eindimensionalen Figur herauszuholen und ihr eine überzeugende Präsenz zu verleihen. Gesanglich bleibt ihm jedoch kaum Gelegenheit, sein Können unter Beweis zu stellen.
Gleiches gilt für seine Ex-Partnerin Laura, dargestellt von Lisa Kimberly Schöppl. Auch ihre Figur ist passend zur Anlage des Stücks eher naiv gestaltet. Innerhalb der Frauenclique, zu der auch Jessica Kessler als Michelle und Jennifer Siemann als Olivia gehören, fällt Schöppl jedoch etwas zurück. Während Kessler und Siemann durch ihre stimmliche Präsenz und humoristischen Akzente hervorstechen, bleibt Schöppl in dieser Dynamik etwas im Hintergrund. Hervorzuheben ist das humoristische Talent von Siemann: Mit ihrem trockenen Humor bringt sie ihre Pointen auf den Punkt, die beim Publikum besonders gut ankommen.
Alex’ Freunde Jonas und Peter werden von Till Jochheim und Anthony Curtis Kirby verkörpert, beide keine Unbekannten in der Branche (u. a. Tanz der Vampire und Tina). Kirby bringt seine Rolle voll zur Geltung und übernimmt dabei die meisten humoristischen Passagen. Jochheim, der schüchterne, alkoholfreie Junggeselle der Gruppe, überzeugt mit einer glaubwürdigen Darstellung. Auch seine beeindruckende Stimme kommt immer wieder zum Vorschein.
Stefan Reil überzeugt als Bösewicht Viktor auf ganzer Linie. Sein warmes Stimmtimbre bleibt dem Publikum jedoch buchbedingt viel zu oft verborgen.
Das Ensemble überzeugt vor allem mit seiner mitreißenden Tanzdarbietung, wobei der Gesang in einigen Szenen hinter der intensiven tänzerischen Dynamik zurücktritt. Während dies visuell beeindruckend wirkt, führt es in gesanglich getragenen Passagen zu hörbaren Unterschieden in der stimmlichen Präsenz, was nicht zuletzt an den wummernden Bässen des „Ballermann-Sounds“ liegen mag.
Die Show in Duisburg:
Als Regisseur holt Erik Petersen das Beste aus dem eher schwachen Buch heraus. Szenen und insbesondere Konflikte werden teils schnell abgehandelt, wodurch die erzählerische Tiefe etwas leidet. Diese Tiefe scheint jedoch weder vom intendierten Publikum erwartet noch wirklich gewünscht zu sein. Petersen gelingt es wirkungsvoll, die beabsichtigte Stimmung eines Kurzurlaubs am Ballermann mit viel Herzblut zu vermitteln und das Publikum direkt in die schrille Partyszenerie mit all ihren Marotten zu katapultieren. Es ist deutlich spürbar, dass mit viel Engagement und Leidenschaft an der Schaffung einer Atmosphäre gearbeitet wurde, die insbesondere die „Partygängerinnen“ und „Partygänger“ anspricht.
Das Bühnenbild von Isabella Reicheneder ist der eigentliche Star der Inszenierung. Große LED-Wände und bewegliche Bühnenteile prägen die Szenerie und vermitteln die verschiedenen Handlungsorte – von der Playa über den „Bierkönig“ bis hin zur Yacht des Bösewichts – auf eindrucksvolle Weise. Die Ausstattung wirkt sehr hochwertig und gibt der Produktion eine spürbare Aufwertung.
Ebenfalls authentisch präsentieren sich die Malle-typischen Kostüme: „Schnelle Brillen“, Hotpants und Tanktops in knalligen Farben sowie Flip-Flops bestimmen die Szenerie. Das Kostümbild von Mara Lena Schönborn trägt dadurch im Wesentlichen zur gewünschten Partystimmung der Inszenierung bei.
Die Choreografien von Sabine Arthold sind kraftvoll und werden vom gesamten Ensemble überzeugend umgesetzt. Diesem bereiten die Tanznummern sichtliche Freude. Sie sind temporeich, energiegeladen und animieren das Publikum regelrecht zum Mittanzen, Mitklatschen und Mit-Grölen.
„Malle Olé“ ist eine schrille, energiegeladene Partysause, die mit kraftvollen Choreografien und einem hochwertigen Bühnenbild aufwartet. Auch wenn das Buch in Teilen deutlich schwächelt, wird das die Zielgruppe des Musicals kaum stören: Für Ballermann-Fans liefert das Stück definitiv die erwartete Party-Atmosphäre – klassische Musicalbesucherinnen und Musicalbesucher hingegen dürften weniger auf ihre Kosten kommen.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Weitere Informationen und Tickets für „Malle Olé“ erhaltet ihr hier.
Besuchte Vorstellung: Weltpremiere am 08. Januar 2026 – Theater am Marientor, Duisburg
Vielen Dank an die Playa Musical Produktions GmbH für die freundliche Einladung zur Weltpremiere von „Malle Olé“
(Bildquelle © Patrick Hoffmann)

Tim ist 28 Jahre alt und seit Anfang 2025 Mitglied des Musicalzone.de-Teams. Seit seinem ersten Musicalbesuch im Alter von acht Jahren bei „Starlight-Express“ sind Musicals nicht mehr aus seinem Leben wegzudenken. Nach seinem Bürojob besucht er in seiner Freizeit gerne das Theater und fachsimpelt im Anschluss mit anderen Fans. Daneben hat er eine Leidenschaft für Brettspiele und das Entdecken neuer Reiseziele – am besten solche, die sich mit einem Musicalbesuch verbinden lassen.




