„Wir sind am Leben – das Berlin-Musical“ feiert im Theater des Westens seine Uraufführung und bringt ein Stück jüngerer deutscher Geschichte mit überraschender Leichtigkeit auf die Bühne. Die neue Produktion von Peter Plate, Ulf Leo Sommer und Joshua Lange verbindet große Emotionen, queere Lebensrealitäten der 1990er-Jahre und treibende Elektro-Pop-Sounds zu einem ungewöhnlich dichten Musicalerlebnis. Wir haben die Show dort besucht und berichten euch:
Das Musical „Dracula”:
Berlin, kurz nach der Wende: Die Mauer ist gefallen, doch die Brüche sind noch spürbar. In einem verlassenen Gebäude in Ost-Berlin lebt eine zusammengewürfelte Gemeinschaft, die mit der Telefonseelsorge „Konsum Hoffnung“ nicht nur anderen hilft, sondern auch sich selbst Halt gibt. Im Zentrum stehen Figuren wie Nina, die von einer Musikkarriere träumt, Nando, der nach Absturz und Verletzung wieder auf die Beine kommen will, und Bruno, der als Drag-Künstlerin lebt und mit einer HIV-Diagnose konfrontiert ist. Ergänzt wird das Gefüge durch weitere Charaktere, deren Geschichten sich ineinander verweben und ein vielschichtiges Bild dieser Zeit zeichnen. Das Musical verzichtet bewusst auf eine klassische Hauptfigur und setzt stattdessen auf ein Ensemble, dessen Schicksale parallel erzählt werden – ein Ansatz, der überraschend gut funktioniert.
Musikalisch ist die Handschrift von Peter Plate und Ulf Leo Sommer unverkennbar: eingängiger Pop trifft auf elektronische Beats und gefühlvolle Balladen. Viele Songs zünden sofort und bleiben im Ohr, ohne dabei beliebig zu wirken. Nummern wie „Pirouetten drehen“ versprühen Leichtigkeit, während „Kupferrot“ emotional aufgeladen die innere Zerrissenheit der Figuren widerspiegelt. Bekannte Titel wie „Wir sind am Leben“ werden klug in die Handlung integriert und erhalten in neuen Arrangements zusätzliche Tiefe. Die sichtbar platzierte Band fügt sich organisch ins Bühnengeschehen ein und verleiht der Inszenierung eine zusätzliche Energie.
Die Besetzung der Weltpremiere:
Im Mittelpunkt steht Bruno, gespielt von Jörn-Felix Alt, der die Inszenierung mit beeindruckender Intensität trägt. Sein Spiel changiert mühelos zwischen überschäumender Lebensfreude und tiefster Verletzlichkeit – eine Darstellung, die nachhaltig im Gedächtnis bleibt. Auch gesanglich setzt er klare Akzente und gehört zu den stärksten Momenten des Abends. Nina (Celina dos Santos) überzeugt mit kraftvoller Stimme und glaubwürdiger Entwicklung, während Nando (Daniel Pohlen) mit charismatischer Bühnenpräsenz und tänzerischer Leichtigkeit punktet. Auch Ramona (Johanna Spantzel), Doris (Kathi Damerow), Mario (Markus Spagl) und Rosi (Steffi Irmen) fügen sich stimmig ins Gesamtbild ein und verleihen dem Stück zusätzliche emotionale Facetten.
Das Ensemble agiert geschlossen und spielfreudig. Besonders in den großen Gruppennummern zeigt sich die Stärke der Produktion: Gesang, Tanz und Spiel greifen nahtlos ineinander und erzeugen eine dichte, oft mitreißende Atmosphäre. Dabei bleibt das Ensemble nicht bloß Hintergrund, sondern wird aktiv in die Handlung eingebunden und trägt wesentlich zur erzählerischen Dynamik bei.
Die Show in Berlin:
Die Inszenierung setzt auf ein variables Bühnenbild, das das verlassene Gebäude als zentralen Spielort in unterschiedlichen Facetten zeigt. Drehbare Elemente und mehrere Ebenen ermöglichen fließende Übergänge und schaffen visuelle Abwechslung. Das Lichtdesign unterstützt die emotionale Wirkung der Szenen wirkungsvoll – von intimen Momenten bis hin zu energiegeladenen Sequenzen. Die Kostüme greifen den Stil der 1990er-Jahre authentisch auf und unterstreichen die Figurenzeichnung. Auch die Choreografien fügen sich stimmig ins Gesamtbild ein und unterstützen die musikalische Dynamik, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.
„Wir sind am Leben“ ist ein musikalisch kraftvolles und emotional vielschichtiges Musical, das ein schweres Thema mit überraschender Leichtigkeit und großer Menschlichkeit erzählt.
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Besuchte Vorstellung: 20.03.2026 im Theater des Westens, Berlin
Vielen Dank an das Theater des Westens für die freundliche Einladung und Bereitstellung von Pressekarten von „Wir sind am Leben“ in Berlin
(Bildquelle: Jörn Hartmann)




